Wenn kann man machen, wenn eine Regierung wie diejenige von US-Präsident Donald Trump plötzlich nicht mehr gesetzeskonform agiert und Daten auf dem Computer oder iPhone ihrer Bürgerinnen und Bürger ausspähen will? Diese Frage wollte die US-amerikanische Publizistin Joan Westenberg klären. (Foto: Dall-E)

Als die Trump-Administration ihre Überwachungsbefugnisse ausweitete, zog Joan Westenberg einen Schlussstrich. Die Tech-Expertin, die in der Branche einen exzellenten Ruf geniesst, entwickelte ihren «Replacement Stack» – eine komplette Alternative zu amerikanischen Technologien auf Computer und Handy. In einem Blogartikel erklärte Westenberg: «Ich werde nicht zulassen, dass die US-Regierung unter Trump auf meine persönlichen Daten zugreift.» Ihr Ansatz findet inzwischen international Beachtung und führt zu Diskussionen auch in Europa. Was heisst es für ein IT-Setup zuhause oder am Arbeitsplatz, wenn eine Regierung plötzlich nicht mehr gesetzeskonform agiert und Bürgerinnen und Bürger über ihre Daten auf dem Computer oder iPhone ausspähen will?

Die Alternative zum Mainstream, auch aus der Schweiz
Die marktführenden Browser stehen bei Westenberg besonders in der Kritik. «Chrome ist praktisch eine Überwachungsmaschine», warnt Westenberg. Der von ihr empfohlene Brave-Browser verzeichnet inzwischen zweistellige Wachstumsraten. Mit Datenschutzerweiterungen im Browser wie uBlock Origin verstärkt die Tech-Expertin die Abwehr gegen staatliche wie kommerzielle Datensammler.

Besonders brisant: US-Dienstleister müssen amerikanischen Behörden Zugang gewähren. Westenberg setzt daher bei E-Mail-Diensten auf europäische Alternativen: ProtonMail aus der Schweiz und Nextcloud aus Deutschland verzeichnen seit den jüngsten politischen Entwicklungen in den USA massiven Zulauf. Im Kommunikationsbereich, also bei den Messenger-Diensten auf dem Handy, dominiert Signal – laut Verschlüsselungsexperten «nahezu unangreifbar». Womöglich haben sich US-Regierungsvetreter gerade aus diesen Überlegungen in einer skandalträchtigen Chatgruppe auf diesem Nachrichtendienst zu den Angriffen im Jemen ausgetauscht.

Die Tech-Expertin setzt sogar Fragezeichen bei der Sicherheit der Betriebssysteme. Während Millionen Nutzer bei Windows und macOS verharren, setzt Westenberg auf Qubes OS und Tails. «Diese Systeme isolieren Daten so effektiv, dass selbst fortschrittliche Überwachungstechnologien scheitern», berichtet ein Cybersicherheitsexperte der TU Berlin.

Von der Nische zum Trend
Was als persönliche Initiative gegen die Trump-Administration begann, könnte sich zu einem globalen Technologie-Trend entwickeln. Die Nutzerinnen und Nutzer dieser alternativen Dienste wachsen aktuell im zweistelligen Bereich, wie Leute bestätigen, die die Branche verfolgen. «Es geht nicht mehr nur um Technik-Enthusiasten», sagt ein Analyst aus dem Silicon Valley, «sondern auch um immer mehr ganz gewöhnliche Menschen, die ihre digitale Souveränität zurückgewinnen wollen».

Westenbergs Ansatz zeigt: Der Schutz vor staatlichen Zugriffen ist möglich, ist nicht ganz unkompliziert und erfordert konsequentes Handeln. Die von ihr vorgestellten Alternativen bieten nicht nur Sicherheit vor politischer Überwachung, sondern auch vor kommerzieller Datensammlung. Ob diese digitale Gegenbewegung den Beginn einer neuen Ära markieren könnte, muss sich aber erst zeigen.  Wenn Nutzerinnen und Nutzer die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen wollen, bedeutet dies eine Veränderung in der Nachfrage. Und das könnte langfristig auch die Tech-Giganten zum Umdenken zwingen.

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