KI ist zudem ein sicherheitspolitischer Game-Changer. Wer hier die Nase vorn hat, definiert die Regeln für zukünftige Konflikte.(Foto: Shutterstock)

Die Weltwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Nicht nur wegen geopolitischer Konflikte, Energiekrisen oder technologischer Disruptionen – auch, weil sich die Erwartungen von Konsumentinnen und Konsumenten dramatisch verändern. Das zeigt die neue Studie des Oliver Wyman Forums: «300.000 Voices: The Next Era of Global Change.» Sie ist mehr als ein Meinungsbild. Sie ist ein Frühwarnsystem für Märkte, Unternehmen und Politik.*

Die Befragung offenbart eine globale Grundstimmung: Vorsicht. Denn Inflation, volatile Rohstoffpreise und fragile Lieferketten haben das Vertrauen erschüttert. Konsumentinnen und Konsumenten priorisieren Sicherheit vor Nachhaltigkeit – ein Paradigmenwechsel mit Folgen. Wenn Haushalte sparen, verschiebt sich die Nachfrage. Luxusgüter geraten unter Druck, während preisbewusste Segmente wachsen. Für die Weltwirtschaft bedeutet das, dass sich die Dynamik verlagert von «Green Growth» zu «Safe Growth». Investitionen in Resilienz und Effizienz werden wichtiger als Prestigeprojekte.

Regionale Divergenzen: Ein geteilter Globus
Die Studie zeigt: Während Asien optimistisch bleibt und Wachstum erwartet, ist Europa von Vorsicht geprägt. Die USA schwanken zwischen Innovationsfreude und politischer Polarisierung. Das hat Konsequenzen für globale Wertschöpfungsketten. Unternehmen müssen sich auf fragmentierte Märkte einstellen – und ihre Strategien regional differenzieren. Wer weiterhin auf einheitliche Modelle setzt, riskiert Wettbewerbsnachteile.

KI, Automatisierung und digitale Plattformen gelten als Hoffnungsträger für Produktivität. Doch die Skepsis wächst: Datenschutz, ethische Fragen und Arbeitsplatzängste bremsen die Akzeptanz. Für die Weltwirtschaft ist das ein zweischneidiges Schwert. Einerseits eröffnet Technologie Effizienzpotenziale, andererseits drohen soziale Spannungen, die die politische Stabilität gefährden. Investoren und Unternehmen müssen diese Risiken einkalkulieren und in «Responsible Tech» investieren.

Was heisst das für die globale Agenda?
Die «Next Era of Global Change» zwingt Wirtschaft und Politik zum Umdenken. Drei Punkte sind zentral:

  1. Resilienz vor Expansion. Unternehmen müssen ihre Lieferketten absichern und ihre Kostenstrukturen optimieren, bevor sie neue Märkte erobern.
  2. Regionale Strategien statt globaler Blaupausen. Die Zeit der universellen Wachstumsmodelle ist vorbei. Lokale Bedürfnisse bestimmen den Kurs.
  3. Vertrauen als Wirtschaftsfaktor. Marken, die Sicherheit und Verantwortung vermitteln, gewinnen Marktanteile. Wer nur auf Preis oder Technologie setzt, verliert.

Die Weltwirtschaft wird nicht kollabieren – aber sie wird sich neu ordnen. Wachstum bleibt möglich, doch es folgt neuen Regeln: Stabilität, Transparenz und Anpassungsfähigkeit sind die Währungen der Zukunft. Wer das versteht, gestaltet nicht nur Kommunikation, sondern auch Märkte.

*) Zur Methodik:

Seit 2020, als die Welt durch die Pandemie ins Wanken geraten war, erhebt das Oliver Wyman Forum mit der Global-Voices-Studie internationale Stimmungsbilder zu Themen wie Arbeitswelt, Desinformation und gesellschaftlichem Wandel. Die Annahme: Ein Schock wie Covid-19 prägt ganze Generationen – und verändert langfristig Werte und Überzeugungen. Dies hat sich bestätigt.

Fünf Jahre später umfasst das Projekt fast 300’000 Meinungsdaten aus 20 Ländern. Einige Fragen werden jährlich wiederholt, andere neu gestellt, um den Puls der Zeit noch genauer zu erfassen. Anfangs war die Datenlage chaotisch – ein Stimmengewirr. Doch über die Zeit zeichnete sich ein deutliches Muster ab: Menschen verändern sich spürbar. Ihre Werte, Emotionen, Arbeitsweisen, ihr Führungsverhalten sowie ihr Konsum- und Investitionsverhalten verschieben sich.

Ein neuer Faktor treibt viele dieser Veränderungen besonders stark an: künstliche Intelligenz, die in Wirtschaft und Gesellschaft in rasantem Tempo zur prägenden Kraft wird.

Die Städte und ihre Vororte ticken ziemlich anders

Prioritäten und Gegensätze in sieben Charts.

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