Private Gruppen auf Signal und WhatsApp werden für die politische Debatte in den USA, vor allem im Silicon Valley, immer wichtiger. Unzensiert wird dort über politische und wirtschaftliche Ansichten zu diskutieren. Sie haben sich zu einem mächtigen Werkzeug entwickelt, wo politische Meinungen geformt und Strategien abgestimmt werden. (Foto: Dall-E)

In den letzten Jahren hat sich im Silicon Valley ein neues Machtzentrum herausgebildet – private Group Chats. Diese eng vernetzten, oft verschwörerischen Chat-Gruppen auf Signal, WhatsApp und anderen verschlüsselten Plattformen dienen als informelle Kommunikationskanäle zwischen Tech-Eliten, Politikern und Unternehmern. Dabei geht es nicht nur um den Austausch von Informationen, sondern auch um die Formierung neuer politischer Allianzen und die Beeinflussung öffentlicher Diskurse, wie kürzlich Ben Smith auf der Newsplattform Semafor öffentlich machte.

Ein besonders prominentes Beispiel ist die Signal-Gruppe «Chatham House», die von Unternehmer Erik Torenberg im Sommer 2024 ins Leben gerufen wurde. Benannt nach dem britischen Think Tank, steht der Name sinnbildlich für die Regeln vertraulicher Gespräche. Teilnehmende dieser Gruppe sind namhafte Persönlichkeiten wie der Demokrat Mark Cuban, der Daily-Wire-Gründer Ben Shapiro und der Tech-Investor Joe Lonsdale. Auch prominente Silicon-Valley-Grössen wie der Investor Marc Andreessen mischen hier mit.

Die Chats begannen in den frühen Tagen der COVID-19-Pandemie, als Silicon-Valley-Investoren wie Andreessen und Sriram Krishnan, ehemaliger Partner von Andreessen Horowitz, bemerkten, dass öffentliche Diskurse zunehmend zensiert wurden. Sie entschieden sich, private Gruppen auf Signal und WhatsApp zu gründen, um dort unzensiert ihre politischen und wirtschaftlichen Ansichten zu diskutieren.

Bisweilen geraten die Tech-Bros auch aneinander

Die Themen reichen von Affirmative Action über die wirtschaftliche Dominanz Chinas bis hin zur politischen Ausrichtung der USA. So gerieten etwa Joe Lonsdale und der ehemalige Coinbase-CTO Balaji Srinivasan in einer hitzigen Debatte über Chinas Aufstieg aneinander. Während Lonsdale Srinivasan eine pro-chinesische Haltung vorwarf, verteidigte dieser die Erfolge der chinesischen Wirtschaftspolitik.

Diese Gruppen haben sich zu einem mächtigen Werkzeug entwickelt, um politische Meinungen zu formen und Strategien abzustimmen. Auch Tucker Carlson, Richard Hanania und Katherine Boyle sind Teil dieser Kreise. Die Mitglieder teilen nicht nur Informationen, sondern orchestrieren gezielt politische Kampagnen und fördern den Aufstieg von Persönlichkeiten wie Curtis Yarvin, eines monarchistischen Vordenkers.

Doch es sind nicht nur konservative Stimmen, die in diesen Gruppen Gehör finden. Auch liberale Intellektuelle wie Thomas Chatterton Williams und David Shor waren zeitweise dabei. Allerdings zerbrach das Bündnis, als diese eine gemeinsame New-York-Times-Kolumne gegen Gesetze zur Einschränkung der kritischen Rassentheorie veröffentlichten. Marc Andreessen reagierte daraufhin empört und zog sich vorübergehend zurück.

Die wachsende Polarisierung und der Aufstieg privater Kommunikationskanäle werfen Fragen nach Transparenz und Einflussnahme auf. Während einige Teilnehmende die Chats als «Republik der Briefe» feiern, warnen andere vor einer gefährlichen Verschiebung der Macht in Richtung einer neuen konservativen Elite, die ihre Strategien im Verborgenen plant.

Marc Andreessen bezeichnete die Gruppen in einem Interview als «Samisdat» der heutigen Zeit – ein Verweis auf die verbotene sowjetische Untergrundpresse. Doch während der Einfluss dieser Gruppen wächst, bleibt die Öffentlichkeit weitgehend ausgeschlossen. Die wahre Macht dieser privaten Netzwerke wird vermutlich erst dann vollständig sichtbar werden, wenn jemand eines Tages den Mut haben sollte, ihre Inhalte öffentlich zu machen.

Öffentlich wurde demgegenüber ja bekanntlich der Signal-Chat des inzwischen abgelösten US-Sicherheitsberaters Mike Waltz, mit dem er Luftschläge auf die Huthi-Rebellen in Jemen koordinieren wollte. In den Chat eingeladen hatte der ehemalige republikanische Abgeordnete nicht nur Verantwortliche aus den relevanten Departementen, sondern auch den Chefredaktor des US-Politmagazins «The Atlantic», Jeffrey Goldberg. Wobei der Journalist dann auch darüber berichtete und sichtbar machte, wie leichtfertig die Trump-Administration mit kritischen Informationen umgeht.

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