Fiebermessen vor Arbeitsbeginn in Thailand: Das könnte auch in den europäischen Zentren nötig werden. Experten rechnen damit, dass das dann bald automatisiert im Eingang von Arbeitsstätten geschehen wird.

Die Corona-Fallzahlen steigen in Europa wieder stark an. Dazu steht die kalte Jahreshälfte vor der Tür. Sie zwingt uns, viel mehr Zeit in Gebäuden zu verbringen. Gerade der warme Sommer hat uns nach dem Lockdown dabei geholfen, unsere sozialen Kontakte einigermassen gesichert wieder aufnehmen zu können. Denn an der frischen Luft und mit dem nötigen Abstand ist das Ansteckungsrisiko einigermassen unter Kontrolle. Im Herbst und Winter wird das dagegen ganz anders aussehen.

Das gilt gerade für die Arbeitswelt. Die Tage sind vorüber, an denen man die Arbeitszeit in einem quergelüfteten Büro und bei angenehmen Temperaturen verbringen konnte. Die Chancen sinken, dass die gesamte Belegschaft wieder gemeinsam im Büro arbeiten kann. Genauso unrealistisch ist es allerdings, die komplette Mannschaft auf ewig ins Homeoffice zu versetzen. Also braucht es Lösungen.

Damit sich die Büros zumindest teilweise wieder füllen können, müssen Arbeitgeber in eine entsprechende Umgebung investieren. Die Verhütung von Corona-Ausbrüchen, die Sicherheit der Angestellten und der Seelenfrieden ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden für Unternehmen auf der ganzen Welt zu den wichtigsten Anliegen gehören. Und dafür müssen wir uns mit ziemlicher Sicherheit auf eine Menge neuer Technologien einlassen.

Sensoren messen Körpertemperatur, der Lift kommt nach einem Fingerscan

Die amerikanische Analysefirma CB Insights hat die verschiedenen Innovationen kürzlich in einem sehr lesenswerten Beitrag zusammengefasst und ein Szenario entworfen, wie ein Tag im Büro künftig ablaufen könnte. Klar, müssen die Teammitglieder immer noch Mund-und-Nasen-Schutz tragen, aber die Sicherheit am Arbeitsplatz vor Ansteckungen wird durch zusätzliche Massnahmen verbessert.

Kontaktlose Kontrollpunkte: Schon im Eingangsbereich von Bürogebäuden oder Industrieanlagen warten kontaktlose Kontrollpunkte, die unter anderem die Körpertemperatur messen – rein darf nur, wer kein Fieber hat. Danach soll die Technologie dabei helfen, dass wir viel weniger Teile und Knöpfe berühren müssen. Dies wird nicht nur das Übertragungsrisiko senken, sondern ist auch viel praktischer. Ein Beispiel? Per Fingerscan lassen sich der Aufzug rufen und die Bürotür öffnen, damit kein Knopf berührt werden muss.

Biometrische Sensoren: In den Arbeitsräumen achten biometrische Sensoren darauf, dass der Abstand eingehalten wird und schlagen Alarm, wenn sich zu viele Menschen im Gebäude aufhalten. Sowohl die Luft als auch Monitore und Tastaturen werden mithilfe von UV-Technologien gereinigt, die an der Decke installiert sind. Oder aber man setzt auf eine intelligente, datengetriebene Bepflanzung des Büros, um perfekte Luftqualität zu erhalten. Etwas, was das Zürcher Start-up «Oxygen at Work» propagiert.

Hybride Sitzungen: Wann die Pandemie vorüber sein wird, ist heute völlig unklar. Darum werden die Firmen gezwungen sein, weitere Unterstützung zu bieten, damit Teams und Abteilungen möglichst gut dezentral arbeiten können. Das verlangt zusätzliche Investitionen in bessere Konferenz-Tools, die den Eindruck einer Sitzung face-to-face noch besser produzieren können. Hierbei geht es vor allem darum, dass hybride Sitzungen – also solche, an denen ein Teil der Leute im Büro teilnimmt, der Rest sich von aussen zuschaltet –, noch optimaler durchgeführt werden können.

Voice-User-Interfaces: Was für den Zugang zum Arbeitsplatz gilt, trifft auch für die Bedienung von Geräten und Installationen im Büro zu. Je weniger Knöpfe, Schalter und Griffe berührt werden müssen, desto sicherer können Virenübertragungen verhindert werden. Das bedeutet, dass hier vermehrt Voice-User-Interfaces zum Einsatz kommen werden. Oder in praktischen Beispielen: Den Drucker oder einen Getränkeautomaten bedient man dann mittels Stimmbefehl.

Putzroboter: Wenn die Büroräume häufiger geputzt und regelmässig desinfiziert werden müssen, werden vermehrt autonome Hygiene-Systeme zum Einsatz kommen. Vielleicht trifft man dann am Arbeitsplatz auf kleine Putzroboter, die Oberflächen reinigen oder WC-Anlagen desinfizieren.

Neue Kommunikationstools: Wenn es um die Sicherheit oder den Seelenfrieden der Angestellten geht, erhalten auch die HR-Abteilungen neue Tools. Diese sollen auch helfen, wenn Mitarbeitende sowohl im Büro als auch an entfernten Standorten betreut werden sollen. Drei Schwerpunkte für diese Instrumente sind Kommunikation, Engagement und Effektivität. Gleichzeitig sollen sie aber auch das Wohlbefinden der Mitarbeitenden in den Fokus rücken. Eine rasche und effektive Mitarbeiterkommunikation ist entscheidend für ungleiche Belegschaften inmitten einer Pandemie. Insbesondere im Falle einer positiven Diagnose ist die Benachrichtigung derjenigen, die über längere Zeit mit dieser Person in Kontakt waren (unter Wahrung der Vertraulichkeit), von entscheidender Bedeutung, um einen Ausbruch zu verhindern.

Telemedizin und virtuelles Coaching: Schliesslich wird der Mobilfunk zu einem immer wichtigeren Mittel, um sowohl Vollzeitmitarbeitenden als auch solchen im Homeoffice zu ermöglichen, den Kontakt untereinander aufrechtzuerhalten. Ein weiterer wichtiger Bereich: Arbeitgeber werden versuchen, Wellness-Vorteile am Arbeitsplatz und Ressourcen auszubauen, die sie anbieten können wie z.B. Telemedizin und virtuelle Coaching-Dienste.

IT-Sicherheit: Es braucht auch Verbesserungen bei der IT-Sicherheit. Muss plötzlich ein Teil der Belegschaft von zu Hause aus arbeiten, sehen sich die IT-Teams mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Stichworte hierzu sind: eine suboptimale private Netzwerksicherheit oder gezielte E-Mail-Phishing-Attacken auf Firmen während der Pandemie. Wenn ein grosser Teil der Arbeitnehmenden persönliche Geräte und Internetverbindungen benutzen muss, sehen sich Firmen mit einer neuen Grenze konfrontiert, die es zu verteidigen gilt. Diese persönlichen Geräte und Netzwerke sind in der Regel weniger sicher, da sie nie für den Schutz sensibler Geschäftsinformationen vorgesehen waren.

Investition in eine sichere und angenehme Arbeitsumgebung lohnen sich immer

Natürlich werden diese Innovationen für neue Bedenken im Hinblick auf die Privatsphäre sorgen. Gerade Gesundheitsdaten sind sensibel und müssen dementsprechend gut geschützt werden. Einige Firmen werden wohl auch die Effizienz ihrer Angestellten im Homeoffice messen wollen. Doch gleichzeitig dürften sich Investitionen in smarte Technologien und intelligente Gebäude doppelt auszahlen. Selbst wenn das Coronavirus eines Tages verschwunden sein sollte: Eine sichere und angenehme Arbeitsumgebung lohnt sich immer – ganz egal, ob die Angestellten von zu Hause aus arbeiten oder im Büro.

«Es gibt auf beiden Seiten Ängste»

Thierry Steinert, Stadtpräsident/ Syndic der Stadt Freiburg/Fribourg, über den Sprachenstreit in der Schweiz

So wird die Schweiz zur «Blockchain Nation»

Wie das Eidgenössische Finanzdepartement die Weichen stellt.

Von der Mühe mit einer Weltsprache

In einem globalen Ranking der englischen Sprachkompetenzen belegt die Schweiz gerade mal den 19. Rang.

«Wir passen bei einer Prüfung immer extrem auf»

Michel Huissoud, Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle EFK, über die Macht der Transparenz – und die magischen Finger seiner Kontrolleure, die Geld sparen und heilen.

Wer Fake-News verbreitet – und weshalb

Wie Führungskräfte ihren guten Ruf und das Vertrauen in die Organisation wiederherstellen.

«Das ist kein Missbrauch, sondern Ausdruck des Zeitgeistes»

SRG-Ombudsfrau Esther Girsberger hat kein Problem mit orchestrierten Beschwerden. Sie erklärt, warum sie nicht mehr Chefredaktorin sein möchte und warum Frauen schneller ernst genommen werden als Männer.

Fatale Folge der Teuerung

Ein Viertel der Bevölkerung in elf Industrieländern kämpft mit finanziellen Problemen.

Fünf gute Gründe für die Impfung gegen Corona

Die Argumente für eine Impfung in diesem Fall sind gut, sagt Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Impf-Kommission.

«Heute würde die AHV nicht mehr eingeführt»

Rosmarie Dormann hat im Nationalrat eine ganze Reihe von AHV-Revisionsversuchen mitgestaltet – und dabei Gemeinsamkeiten ausgemacht. Heute vermisst sie die Solidarität.