Mit Gewehr und Steuerrecht gegen das organisierte Verbrechen
Politik im Film #26: Wie «The Untouchables» Chicago von Al Capone befreien
The Untouchables (Die Unbestechlichen)
USA 1987, von Brian de Palma, mit Kevin Costner, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy García und Robert De Niro
Spoiler-Alert
Chicago im Jahr 1930. Eliot Ness, Beamter des Bureau of Prohibition, soll gemeinsam mit der lokalen Polizei den Alkoholhandel bekämpfen. Letztere ist durch und durch korrupt, weshalb eine erste Razzia kläglich misslingt. Dies beschert Ness medial einen miserablen Start und lässt ihn schon als gescheitert erscheinen, bevor er richtig loslegen kann.
Auf einem Spaziergang lernt Ness zufällig den kantigen und aufrechten Streifenpolizisten Malone kennen. Mit dem gemeinsam rekrutierten Aspiranten Stone – noch nicht im Polizeidienst und folglich noch nicht korrumpiert, aber ein exzellenter Scharfschütze – und dem Bundesbeamten Wallace, einem Buchhaltungsexperten, bilden Malone und Ness ein Team, das es trotz Gefahr an Leib und Leben mit dem organisierten Verbrechen aufzunehmen wagt. Die Medien feiern die vier nach erfolgreicher Beschlagnahmung von illegalem Hochprozentigem als «die Unbestechlichen».
Ein wütender Capone schlägt mit roher Gewalt zurück, ermordet einen Verantwortlichen innerhalb seiner Organisation mit einem Baseballschläger und lässt Wallace und Malone umbringen. Beide konnten jedoch vor ihrem Tod wertvolle Beiträge im Kampf gegen Capone leisten: Wallace hatte entdeckt, dass Capone jahrelang keine Steuererklärungen ausgefüllt hatte, weshalb ihm jahrzehntelange Gefängnisstrafen drohen, sobald ein Mittelfluss aus dem undurchsichtigen Geflecht der von ihm kontrollierten Organisationen auf seine Konten nachgewiesen werden kann. Malone hat im Kampf mit einem korrupten Polizeioffizier herausgefunden, mit welchem Zug der Buchhalter von Capones Organisation aus der Stadt geschafft werden soll.
Ness und Stone schaffen es, den Buchhalter in Gewahrsam zu nehmen. Als Kronzeuge sagt er vor Gericht gegen Capone aus. Korrupte Geschworene können ausgetauscht werden, auch der bestochene Richter wird in die Mangel genommen, so dass Capone schliesslich im Gefängnis landet.
An Ness’ letztem Arbeitstag wird die Prohibition aufgehoben. Auf die Frage, was er nun zu machen gedenke, kündigt er an, sich einen Drink zu gönnen.
Sehenswert für
Mode von Giorgio Armani, Musik von Ennio Morricone, Robert de Niro als widerwärtiger, aber irgendwie cooler Psychopath, Sean Connery als einfacher Polizist von brutaler Unbeugsamkeit und Kevin Costner als aufrechter und fürsorglicher Teamchef, Ehemann und Vater – in einer Inszenierung aus den 80er-Jahren, die alle Zeit der Welt hat, die Charaktere aufzubauen und deren Geschichte zu erzählen.
Siegreiche Strategie
Wenn das organisierte Verbrechen Politik, Polizei und Justiz vollständig durchdringt – «you are (…) in effect the mayor of Chicago», schmeichelt ein Journalist Al Capone –, kann nur ein Team von Aussenseitern Recht und Ordnung wieder herstellen. Es tut dies mit grosser Brutalität, an der Grenze zur Illegalität und teilweise darüber hinaus. So wird der Weg zum Kronzeugen aus einem korrupten Polizeioffizier herausgeprügelt. Dass der Buchhalter von Capones Organisation letztlich die zentrale Figur ist, erkennt aber ein Mitglied des Viererteams, das fünfundzwanzig Zentimeter kleiner als Sean Connery ist und vermutlich vor diesem Einsatz noch nie eine Waffe abgefeuert hatte. Die Kombination von Muskeln, Grenzüberschreitung und einem kreativen Strafverfolgungsansatz macht den Erfolg möglich.
Erfolglose Strategie
Al Capone scheint unantastbar und hat alle geschmiert. Doch während ihm seine Straftaten im Bereich körperlicher Gewalt nicht nachgewiesen werden können, hinterlässt sein Geld Spuren. «I’m just a businessman», behauptet er im Gespräch mit einem Journalisten. Strafrechtlich wird ihm genau diese Ebene zum Verhängnis. Seine Welt ist geprägt von Glamour, ein Opernhaus und eine riesige runde Dinnertafel sind Schauplätze von Szenen mit ihm, Champagner und Smoking omnipräsent. Als es Ness aber gelingt, die Korruption zu durchbrechen, fällt Al Capones noble Fassade im Gerichtssaal in sich zusammen, und die Urteilsverkündung mündet in einer wütenden Prügelei.
Wie wird Politik dargestellt?
Die Politik gerät in diesem Film, der an der Oberfläche eher ein Polizei- als ein Politfilm ist, nur dreimal kurz in den Fokus: zuerst in Form eines «Alderman», der nach einer ersten erfolgreichen Razzia mit einem Couvert voller Geld in Ness’ Büro auftaucht, um ihn zu bestechen; später in Form eines Streichholzbriefs, auf dem der Bürgermeister einem üblen Schergen des organisierten Verbrechens seine Protektion zusichert; und zuletzt in Form der Frontseite einer Zeitung über die Aufhebung des Volstead Act, des Alkoholverbots, durch den Kongress. Die ersten beiden Schlaglichter zeigen, dass die Herrschaft von Verbrechern nur mit lokalpolitischer Protektion möglich ist. Letzteres, das Alkoholverbot, ist der nationale regulatorische Rahmen, der den Aufstieg des organisierten Verbrechens stark gefördert hat. Die Aufhebung der Prohibition relativiert den Sieg der «Untouchables» vor dem Publikum natürlich stark: Der enorme Ressourceneinsatz und das grosse Blutvergiessen, die der Kampf gegen den Alkoholhandel erforderte, scheinen rückblickend sinnlos.
Zitat
«What the hell, you’ve gotta die of something!»
Themen
Organisiertes Verbrechen, Korruption, Strafverfolgung, Prohibition

Ein Nebel liegt über der Zukunft