Wir haben uns daran gewöhnt: Publizieren das Weltwirtschaftsforum (WEF) oder die renommierte Business School IMD in Lausanne ihre Studien zur globalen Wettbewerbsfähigkeit, so belegt die Schweiz in den Rankings immer Spitzenplätze. Wir nehmen es gerne zur Kenntnis, bauen diese Top-Resultate in Powerpoint-Präsentationen ein, sonst aber reagieren wir mit dem uns eigenen helvetischen Understatement. Wir wollen nicht allzu sehr als Musterschüler auffallen, obwohl wir längst als solche wahrgenommen werden.

Dabei sollten wir uns durchaus intensiver mit den Resultaten auseinandersetzen. Denn ein wettbewerbsfähiges Land ist meistens auch sehr produktiv. Das Weltwirtschaftsforum zeigt in einem kürzlich erschienenen Beitrag, weshalb solche Vergleichsstudien wichtig sind und welche Schlüsse man daraus ziehen kann.

Weshalb sollten uns die Rankings etwas angehen?
Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass Produktivität einer der wesentlichen Treiber für Wachstum und steigende Einkommen ist. Und diese beiden Faktoren sind eng gekoppelt mit der Wohlfahrt eines Staates. Vereinfacht ausgedrückt: Höhere Produktivität führt zu grösserem Wohlstand. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Laut Weltwirtschaftsforum ist die Wettbewerbsfähigkeit erst dann gegeben, wenn sich eine Volkswirtschaft sowohl zur Nachhaltigkeit als auch dazu verpflichtet, die gesamte Bevölkerung an den Erfolgen es Wachstums teilhaben zu lassen.

Wie misst man Wettbewerbsfähigkeit?
Das WEF unterteilt die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes in zwölf Bereiche, die wiederum in drei Indizes kategorisiert werden. Zu den grundlegenden Bereichen oder Pfeilern gehören die Institutionen, die Infrastruktur, das makroökonomische Umfeld, das Gesundheitswesen und die Bildung. Daneben werden der Arbeits-, der Güter- und der Finanzmarkt analysiert, die akademische und die Berufsausbildung sowie die Technologie, die im Fachjargon «technological readiness» heisst und misst, wie gut die Wirtschaft und deren Unternehmen auf die digitale und technologische Transformation vorbereitet sind. Schliesslich werden die beiden Bereiche Innovation und Entwicklungsgrad (auf English: Sophistication) ausgewertet.

Was fällt 2018 auf?
Zum einen weist das WEF darauf hin, dass das Finanzsystem auf Grund der analysierten Daten weniger robust ist als noch vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 (siehe Grafik). Das Risiko eines externen Schocks, der eine neue Finanzkrise verursachen könnte, sei gross. Das ist umso bedenklicher, als die Regierungen auf Grund der nach wie vor sehr hohen Verschuldungsquote nur einen sehr beschränkten finanziellen Spielraum haben, um eine neuerliche Bankenkrise zu bewältigen.

Zum anderen schliessen sich flexible Arbeitsmärkte, eine Forderung neoliberaler Kräfte, und Arbeitnehmerschutzmassnahmen, eine Forderung linker und gewerkschaftlicher Kräfte, nicht aus. Die WEF-Daten belegen, dass jene Volkswirtschaften, denen es gelingt, beides zu kombinieren, punkto Wettbewerbsfähigkeit, Vollbeschäftigung und tiefer Ungleichheit deutlich besser abschneiden.

Schwächt die Digitalisierung die Produktivität?
Der Einfluss der Digitalisierung auf die Produktivität gehört zu den am heissesten diskutierten Themen der Ökonomie. Weshalb führen all die Investitionen in neue Technologien nicht zu den erhofften Produktivitätssprüngen? Die Daten des WEF belegen, dass viele Länder, namentlich in Schwellenmärkten, die stark in neue Technologien investieren, beim Index «technological readiness» schlechter abschneiden, respektive bescheidenere Fortschritte erzielen. Mit anderen Worten: Fortschritte in der Innovation schlagen sich selten ebenso klar auf den Arbeitsmarkt, die Masse der Arbeitskräfte und die Produktivität nieder.

Was die Wettbewerbsfähigkeit verschweigt?
Die Studien des WEF und IMD sind wertvolle Instrumente für Wirtschaftsführer und Politiker, um die richtigen Entscheide zur Steigerung des wirtschaftlichen Wohls eines gesamten Landes zu treffen. Doch die Wettbewerbsfähigkeit verrät nichts über die Zukunft, beispielsweise über die Auswirkungen und Folgen der vierten industriellen Revolution. Ebenso gibt es noch keinen Index, der den Einfluss der Umwelt, deren Belastung durch die einzelnen Volkswirtschaften sowie das Verhältnis zwischen Natur und von Menschen erstellten Systemen misst – obschon man heute weiss, dass das Klima und die Umwelt in Zukunft eine immer stärkere und entscheidendere Rolle spielen wird punkto wirtschaftlichen Erfolgs und Produktivität.

Zusammenhalt, Kreativität und Leistung trotz Homeoffice

Die weltweit tätige Firma Ultranauts arbeitet seit ihrer Gründung dezentral und macht beste Erfahrungen damit.

«Die Politik sollte nicht die Wissenschafter angreifen»

Sabine Süsstrunk, Präsidentin des Schweizerischen Wissenschaftsrats, hält den angedrohten Maulkorb aus dem Parlament für ebenso schädlich wie polemisierende Wissenschaftler.

Ein Plädoyer für den Händedruck

Weshalb der der persönliche Kontakt in der Kommunikation so wichtig ist. Und wieso Sie gerade jetzt zu Ihren Kolleginnen und Kunden gehen sollten.

«Der Anstieg trifft nicht alle gleich»

Der Präsident der Sozialhilfekonferenz SKOS, Christoph Eymann, erklärt, was die Pandemie für die Sozialhilfe bedeutet – und warum er der liberalen Fraktion nachtrauert.

Diese Länder geben am meisten für F&E aus

Und was der Spitzenplatz der Schweiz in Europa über ihre Innovationsstärke aussagt

«Ein Symptom der polarisierten Parteienlandschaft»

Politologin Silja Häusermann erklärt, warum Reformen der Altersvorsorge hierzulande reihenweise scheitern – und wie es doch gehen könnte.

«Ein Schlagabtausch ist eine gute Sache»

Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, stellt sich nach dem jüngsten Abstimmungssieg auf einen heissen Lohnverhandlungsherbst ein.

Wie man schwere Entscheidungen trifft: Ein Leitfaden

Mit diesen neun Schritten treffen Sie die bestmögliche Wahl

Genf: Die unterschätzte Welthauptstadt in der Schweiz

Das internationale Genf ist das Herzstück globaler Zusammenarbeit und ein unverzichtbarer Teil der Schweizer Identität