Die neue Sicherheitsarchitektur: Von Ordnung zu Einflusszonen
Wie das Verhalten der USA der multilateralen Kooperation langsam die Luft abschnürt
Die Weltordnung, wie wir sie kannten, ist wohl definitiv Geschichte. Das hat auch das Weltwirtschaftsforum in Davos gezeigt. Jahrzehntelang galt das Prinzip der multilateralen Kooperation, gestützt auf internationale Institutionen und Regeln. Doch die jüngsten Entwicklungen zeigen: Wir bewegen uns in Richtung einer Ära der Einflusszonen – und das verändert die globale Sicherheitsarchitektur grundlegend.
Die Rückkehr der Monroe-Doktrin im Kontext der US-Politik gegenüber Venezuela ist mehr als nur ein regionales Phänomen. Es ist ein Symptom für eine tektonische Verschiebung: Grossmächte definieren ihre Interessen wieder territorial. Die Idee einer «Sphäre des Einflusses» erlebt ein Comeback. Das hat weitreichende Folgen. So beschreibt Stephen M. Walt, Kolumnist bei Foreign Policy und Harvard-Professor für internationale Beziehungen, die gegenwärtige Entwicklung.
Von Globalisierung zu geopolitischer Fragmentierung
Die Nachkriegsordnung basierte auf der Vorstellung, dass wirtschaftliche Verflechtung und internationale Institutionen Konflikte eindämmen. Heute sehen wir das Gegenteil: Handelskriege, Sanktionen und geopolitische Blockbildung. Die USA, China und Russland setzen auf strategische Räume, in denen sie ihre Regeln diktieren. Für die Weltwirtschaft bedeutet dies, dass Lieferketten politisch und Investitionen geopolitisch werden. Unternehmen müssen sich auf eine fragmentierte Welt einstellen, in der ein Marktzugang nicht nur von Wettbewerb und Macht abhängt.
Mit der Neuordnung wächst auch die Bedeutung militärischer Präsenz. Die USA signalisieren in Lateinamerika wieder klar: «Unser Hinterhof, unsere Regeln.» Russland tut Ähnliches in Osteuropa, China im Südchinesischen Meer. Das ist nicht nur Symbolpolitik, sondern auch eine strategische Botschaft. Sicherheit wird wieder territorial gedacht. Für Europa stellt sich die Frage: Wie behauptet sich ein Kontinent, der auf Normen setzt, in einer Welt der Machtprojektion?
Globale Machtspiele – und ihre ökonomischen Folgen
Die neue Sicherheitsarchitektur ist kein rein militärisches Thema. Sie beeinflusst Märkte, Investitionen und die Kommunikation. Unternehmen müssen geopolitisches Risikomanagement zur Pflicht machen und politische Szenarien in ihre Strategien integrieren – von Sanktionen bis hin zu Lieferkettenrisiken. Globale Blaupausen verlieren an Bedeutung, regionale Resilienz wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Wer in einer Einflusszone operiert, muss lokale Machtlogiken verstehen und sich darauf einstellen. Kommunikation wird zur strategischen Waffe. In einer Welt der Unsicherheit zählt nicht nur, was Unternehmen tun. Ebenso entscheidend ist, wie sie ihre Rolle gegenüber Kundinnen, Investoren und Regierungen erklären. Wer Vertrauen schafft und Verantwortung zeigt, sichert Reputation und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit.
Die Ära der Einflusszonen ist kein Rückfall in die Vergangenheit, sondern eine neue Realität. Wer sie ignoriert, riskiert politische und ökonomische Blindheit. Die Frage ist nicht, ob wir uns anpassen müssen, sondern wie schnell.

Organisation und Eskalation im urbanen Guerillakampf