Fehlende KI-Kenntnisse werden zunehmend zu einem Wettbewerbsnachteil – sowohl für Unternehmen als auch für jeden Einzelnen. (Foto: Shutterstock)

Die Revolution kommt auf leisen Sohlen. In den Bürotürmen vom Silicon Valley bis Zürich verändern sich die Grundfesten einer Branche, die lange als krisensicher galt. Programmierer, einst die Architekten der digitalen Welt, sehen sich mit einer existenziellen Frage konfrontiert: Wer braucht noch menschliche Coder, wenn künstliche Intelligenz den Job übernehmen kann?

Eine aktuelle Analyse der Washington Post zeigt einen markanten Wendepunkt: Seit der spektakulären Einführung von ChatGPT Ende 2022 verzeichnen die USA einen beispiellosen Rückgang an Programmiererstellen. Was als technologische Sensation begann, entwickelte sich schnell zum Katalysator einer Branchentransformation. Allein im vergangenen Jahr verschwanden tausende Stellen in der Softwareentwicklung – nicht wegen wirtschaftlicher Flaute, sondern als direkte Folge der ChatGPT-Ära.

Der Artikel zitiert Mark Muro vom Brookings Institution, der erklärt, dass besonders Berufe mit routinemässigen, vorhersehbaren Prozessen wie Programmierung von der KI-Revolution betroffen sind. Der Wandel trifft dabei vor allem Einsteigerpositionen. In amerikanischen Tech-Unternehmen werden zunehmend KI-Tools für Aufgaben eingesetzt, die früher Junior-Entwicklern vorbehalten waren.

Dank KI arbeiten weniger Programmierer effizienter als bei Vollbestand

Die Zahlen aus dem amerikanischen Markt sprechen für sich: Der Artikel verweist auf eine Goldman Sachs-Studie, wonach KI langfristig etwa 300 Millionen Vollzeitjobs automatisieren könnte – viele davon im Programmiersektor. Besonders aufschlussreich ist der Fall eines im Bericht zitierten ehemaligen Google-Entwicklers, der beschrieb, wie sein Team von acht auf drei Personen reduziert wurde, während die Produktivität dank KI-Unterstützung gleichblieb.

Diese Entwicklungen haben Signalwirkung für den globalen Markt, auch für die Schweiz mit ihrer stark digitalisierten Wirtschaft. Die technologischen Umwälzungen, die derzeit in den USA zu beobachten sind, könnten in ähnlicher Form bald den Schweizer Arbeitsmarkt für Programmierer beeinflussen – vom Finanzsektor in Zürich bis zu den Technologiezentren rund um die ETH und die EPFL.

Wer KI-Tools einsetzen kann, ist dafür sehr gefragt

Besonders bemerkenswert ist, was der Washington Post-Artikel über die veränderten Stellenprofile berichtet: Chris Thornett von Stack Overflow bestätigt, dass Unternehmen verstärkt nach Kandidaten suchen, die KI-Programmiertools effektiv einsetzen können. Diese Qualifikationsverschiebung dürfte auch für Schweizer Entwickler relevant werden, die im internationalen Wettbewerb bestehen müssen.

Der Artikel beschreibt  einen Paradigmenwechsel: Statt Code von Grund auf zu schreiben, besteht die Aufgabe von Programmierern zunehmend darin, sauber zu definieren, welche Aufgabe die KI erfüllen soll, und dann den generierten Code zu verfeinern – eine Entwicklung, die wohl auch vor der Schweizer Tech-Szene nicht haltmachen wird.

Was bedeutet dies für die Zukunft? Die befragten Experten sind sich einig: Die Programmierbranche wird nicht verschwinden, aber ihr Gesicht ändert sich fundamental. John Loucks von Accenture wird mit der Einschätzung zitiert, dass wir einen «grundlegenden Wandel des Berufsbildes» erleben.

Diese Entwicklung spiegelt einen breiteren Trend: ChatGPT hat nicht nur transformiert, wie in den USA programmiert wird, sondern verändert die globale Tech-Landschaft. Die Lehren aus dem amerikanischen Markt könnten für Schweizer Unternehmen und Fachkräfte wertvolle Hinweise liefern, wie sie sich auf das neue Zeitalter der KI-gestützten Softwareentwicklung vorbereiten können.

Diese Länder geben am meisten für F&E aus

Und was der Spitzenplatz der Schweiz in Europa über ihre Innovationsstärke aussagt

«Irgendwann ist das Matterhorn nur noch ein Steinhaufen»

Der einstige Skistar Bernhard Russi über seine sportlichen Erfolge, die Olympischen Spiele und den Klimawandel – zweiter Teil des Gesprächs.

«Die Entfremdung von Wirtschaft und Politik bereitet mir Sorgen»

Für den Headhunter Sandro V. Gianella wäre es wichtig, dass Schweizer Verwaltungsräte und Politiker mehr miteinander zu tun hätten – gerade angesichts der grossen wirtschaftspolitischen Baustellen. Doch dieser Wunsch sei leider unrealistisch.

«Es gibt Frustration über das Verhalten der Schweiz»

Die EU-Spezialistin Stefanie Walter analysiert in Umfragen, wie die EU-Bevölkerung auf den Brexit reagiert.

«Das war fast ein Sechser im Lotto»

Nationalratspräsident Martin Candinas schildert, wie er die Bundesratswahl gemanagt hat – und warum auch junge Mütter und Väter politische Ämter übernehmen sollen.

«Es ist ein riesiger Tanker»

Jan Flückiger, Generalsekretär der Energiedirektorenkonferenz, erklärt, wie schwierig es ist, 26 Kantone auf Linie zu bringen – und welche Vorteile das Nein zum Stromabkommen hat.

«Wir müssen die Kinder in den Schnee bringen – nicht in die Karibik»

Gian Franco Kasper, Präsident des Weltskiverbands FIS, über die Heim-WM in St. Moritz, das Nein der Bündner zu Olympia und den Boom des Skisports in China.

Carla Del Ponte und ihr Einsatz für die Opfer von Kriegen und Gewalt

Das Buch erklärt, warum sie sich im Sommer 2017 als UNO-Sonderberichterstatterin in Syrien zurückzog.

Kein Spitzenplatz für die Schweiz

Die Forscher beim WEF rechnen mit einem einzigartigen, unsicheren und turbulenten Jahrzehnt