KI verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch Selbstverständnis, Kommunikation und Führung. (Foto: Shutterstock)

Viele Unternehmen und Organisationen sprechen über künstliche Intelligenz – doch wenige wissen wirklich, wie sie genutzt wird. Die aktuelle Studie der «Harvard Business Review» (April 2025) zeigt, dass es nicht nur um Effizienz oder Automatisierung geht. Sondern um etwas viel Persönlicheres.

  1. Generative KI wird mehr für private als berufliche Zwecke genutzt 
    Die Mehrheit der befragten Angestellten nutzt generative KI ausserhalb der offiziellen Aufgaben. Am häufigsten für emotionale Selbstreflexion, Entscheidungsfindung im Alltag, Karriereplanung und sogar für mentale Gesundheit. Nur ein Drittel verwendet sie regelmässig für konkrete Arbeitsprozesse.
    Das zeigt: KI wird nicht nur als Arbeitsinstrument betrachtet, sondern als persönlicher Begleiter. Das hat Implikationen für die Unternehmenskultur und für den Umgang mit Technologie.
  2. Vertrauen in KI ist gering – aber nicht aus technischen Gründen 
    Lediglich 27 % der Mitarbeitenden vertrauen den Ergebnissen generativer KI. Der Grund ist nicht mangelnde Qualität, vielmehr das Gefühl von Intransparenz und fehlender Kontrolle. Paradoxerweise wünschen sich 67 % eine noch stärkere Personalisierung, also eine individuellere, empathischere KI.
    Die Herausforderung liegt nicht in der Funktionalität, sondern im Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Wer Vertrauen schaffen will, muss Kommunikation, Erklärbarkeit und psychologische Sicherheit priorisieren.
  3. Führungskräfte profitieren – doch viele überlassen die Nutzung dem Zufall 
    84 % der Manager berichten von Produktivitätsgewinnen durch generative KI. Doch diese Erfolge beruhen häufig auf individuellen Initiativen, nicht auf strukturierten Strategien. Nur ein Bruchteil der Unternehmen verfügt über ein systematisches KI-Rahmenwerk.
    KI-Einsatz darf jedoch kein Zufallsprodukt sein. Führungskräfte brauchen eine klare Governance und befähigende Strukturen, um das Potenzial von KI gezielt zu heben.
  4. Berufseinsteiger spüren die Auswirkungen zuerst 
    Ein Viertel der jungen Angestellten zwischen 22 und 28 Jahren sieht ihre klassischen Einstiegstätigkeiten wie Recherchen, administrative Aufgaben oder Textentwürfe bereits als ersetzt oder entwertet. Der Übergang in den Beruf wird dadurch brüchiger, unsicherer.
    Unternehmen sollten diese Entwicklung ernst nehmen. Nachwuchsarbeit muss neu gedacht werden – nicht trotz, sondern wegen generativer KI.
  5. KI wird fragmentiert genutzt – in einem wachsenden Tool-Ökosystem 
    Die Studie zeigt, dass Nutzerinnen und Nutzer durchschnittlich drei verschiedene KI-Tools parallel verwenden. ChatGPT bleibt verbreitet, doch Alternativen wie Claude, Copilot oder spezialisierte Branchenlösungen gewinnen an Bedeutung. Es entsteht eine Tool-Landschaft, die nicht zentral gesteuert wird, sondern sich organisch entwickelt.
    Unternehmen müssen die Fragmentierung verstehen und begleiten. Es reicht nicht, ein Tool auszurollen – es braucht Kompetenzen im Orchestrieren von Tools, Schnittstellen und Use Cases.

KI ist längst mehr als ein Produktivitätstool 
Die Studie macht deutlich: KI verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch Selbstverständnis, Kommunikation und Führung. Wer die Technologie ernst nimmt, muss nicht nur Tools evaluieren, sondern die Kultur gestalten, Fähigkeiten entwickeln und neue Leitlinien für den Umgang mit KI setzen.
Das erfordert Mut zur Veränderung. Aber auch die Bereitschaft, neue Fragen zu stellen:
Wie lässt sich Vertrauen in algorithmische Systeme fördern?
Welche Kompetenzen werden in Zukunft wirklich gebraucht?
Wie können wir KI einsetzen, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren?

Quelle:
How People Are Really Using Gen AI in 2025 – Harvard Business Review (April 2025) 

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