In der Debatte über die Corona-Massnahmen versuchen deren Gegner mit grossem Einsatz harte wissenschaftliche Fakten zu relativieren. Viele lehnen die Erkenntnisse der Wissenschaft mitunter ganz einfach ab. Immerhin: Diese Wissenschaftsskepsis ist nicht neu, es gab sie schon, als es erst um AIDS und später um den Klimawandel ging. Anders noch als in den 1960er- und 1970er-Jahren kann sich die Wissenschaft nicht mehr darauf verlassen, dass ihr die Menschen einfach alles abnehmen.

Doch wie soll die Wissenschaft auf die immer grössere Zahl von Gegnern reagieren? Wie soll man mit einer Skepsis umgehen, die von gewissen Kreisen systematisch geschürt wird? Und die mit Fake-News auf sozialen Medien viel weiter und tiefgreifender unter die Leute gebracht werden kann.

Schon 2007 merkte Mark Hoofnagle in seinem Wissenschafts-Blog «Denialism» an, dass Skeptiker zu verschiedenen Themen wie Klimawandel, Evolution und HIV/AIDS immer die gleichen rhetorischen Techniken nutzten, um Verwirrung zu stiften. Die fünf allgemeinen Techniken, die Hoofnagle unterschied, waren Verschwörung, Selektivität (Rosinenpicken), Pseudo-Experten, unmögliche Erwartungen und allgemeine Trugschlüsse der Logik.

Im Jahr 2013 wollte der australische Wissenschaftler John Cook beim jährlichen Treffen der Organisation Youth ClimateCoalition einen Workshop über Falschinformationen zum Thema Klima leiten. Bei der Vorbereitung seiner Präsentation suchte er nach Möglichkeiten, die fünf Techniken der Leugnung in ein leicht zu merkendes Akronym zu giessen. Am Schluss entschied er sich für FLICC, hergeleitet von den englischen Begriffen «fake experts» (Pseudo-Experten), «logical fallacies» (logische Trugschlüsse), «impossible expectations» (unerfüllbare Erwartungen), «cherry picking» (Rosinenpickerei) und «conspiracy theories» (Verschwörungsmythen). Im Deutschen ergab sich daraus dann PLURV als Abkürzung.

Um dem ganzen mehr Anschauungskraft zu geben, haben wir hier Beispiele für die fünf Grundtechniken für die Corona-Debatte aufdatiert.

  1. Pseudoexperten

Wenn man als Skeptiker oder Leugner diese Technik anwendet, präsentiert man eine unqualifizierte Person oder Institution als Quelle glaubwürdiger Informationen. Das passiert etwa so: «Ein pensionierter Hausarzt zweifelt den Konsens zum Coronavirus an und behauptet, dass die hohe Ansteckungsrate medizinisch völlig problemlos zu bewältigen sei.»

  1. Logische Trugschlüsse

Hier geht der Wissenschaftsgegner folgendermassen vor. Er postuliert, dass wenn zwei Dinge in gewisser Weise gleich seien, dann müssten sie auch in anderer Hinsicht gleich sein. Im Fall von Corona könnte das dann etwa so lauten: «Corona-Leugner sind wie Galileo, der den wissenschaftlichen Konsens zum Geozentrismus über den Haufen warf.»

  1. Unerfüllbare Erwartungen

Hierbei fordern die Skeptiker unrealistische Standards der Sicherheit ein, bevor man die Wissenschaft akzeptiert. Das würde im Zusammenhang mit Corona in etwa so tönen: «Infektiologen können heute noch nicht einmal die Ansteckungsrate der nächsten Woche vorhersagen. Wie sollen sie also in der Lage sein, Empfehlungen zu geben, welche Massnahmen wirklich nötig sind?»

  1. Rosinenpickerei

Hierbei verwenden die Skeptiker persönliche Erfahrungen oder isolierter Beispiele anstelle solider Argumente oder überzeugender Beweise. Im Fall der Corona-Debatte hiesse das: «Ich hatte noch nie die Grippe – warum sollte mich ausgerechnet jetzt das Corona-Virus erwischen?»

  1. Verschwörungsmythen

Für Anhänger von Verschwörungsherorien ist eines immer klar: Nichts passiert zufällig, und zufällige Vorkommnisse müssen darum als Teil der Verschwörung interpretiert werden. «Im Altersheim gab es Impfdurchbrüche, aber niemand spricht darüber? Sie müssen versuchen, unbequeme Daten zu vertuschen!»

Inzwischen wurde die PLURV-Kategorisierung immer genauer dokumentiert. Verschiedene Wissenschaftler haben innerhalb der Grundtechniken weitere Einzeltechniken taxiert und beschrieben. Spannend ist darum, einen Beitrag eines Skeptikers oder Verschwörungstheorektikers mithilfe dieser Website genauer zu analysieren.

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