Person nutzt einen KI-Chatbot auf dem Smartphone neben einem Laptop

Die Nationalratswahlen 2027 werden wahrscheinlich noch nicht als erste KI-Wahlen der Schweiz in die Geschichte eingehen. Sie könnten aber die ersten Wahlen sein, in denen sichtbar wird, wie stark sich die politische Kommunikation bereits verändert. Bild: khunkornStudio / Shutterstock

Was passiert, wenn eine Stimmbürgerin oder ein Stimmbürger nächstes Jahr eine KI bitten wird: «Aufgrund meiner bisherigen Fragen, Suchen und der Informationen, die du über mich gesammelt hast: Wen soll ich wählen?» Auch wenn diese Frage heute ziemlich futuristisch klingt, ist sie die logische Fortsetzung einer Entwicklung, die mit ChatGPT begonnen hat und die daran ist, das Internet grundlegend zu verändern.

Vom Link zur Antwort

Das Internet war während Jahrzehnten ein Netzwerk von Links. Wer eine Anfrage stellte, erhielt von Google eine Liste von Webseiten als Antwort. Die Macht lag einerseits bei den Produzenten von Inhalten, den Medien, Parteien, Verbänden und Unternehmen, aber natürlich auch bei Google und den anderen Suchmaschinen. Sie alle kanalisierten den Zugang zu den Informationen.

Mit dem Aufstieg von ChatGPT, Perplexity oder dem KI-Modus von Google verschiebt sich dieses Prinzip fundamental. Die Nutzerinnen und Nutzer suchen nicht mehr nach Links, sondern nach Antworten. Google selbst beschleunigt diesen Wandel massiv. Seit der Einführung der KI-Zusammenfassungen (AI Overviews) erscheinen bei vielen Suchanfragen bereits heute direkt generierte Antworten über den klassischen Suchresultaten.

Studien zeigen, dass dadurch der Anteil der Zero-Klicks (Suchanfragen ohne Klick auf eine Website) stark gestiegen ist. Bereits 2026 endeten in den USA rund 68 % der Google-Suchen ohne einen einzigen Klick auf eine externe Website. AI Overviews können die Klickrate auf Suchresultate um bis zu 60 % reduzieren. Dank Googles Einstieg ist KI sehr niederschwellig geworden, unter anderem auch weil der Service ohne Login oder Abo verfügbar ist.

Was bedeutet dieser Wandel für den Wahlkampf 2027?

ln der politischen Kommunikation gerät die klassische Kampagnenlogik unter Druck. Nicht mehr die Website mit den besten Argumenten gewinnt Aufmerksamkeit, sondern jene Positionen finden Beachtung, die von den KI-Systemen gefunden, verstanden und in ihre Antworten integriert werden. Vor diesem Hintergrund lassen sich drei Thesen für die Nationalratswahlen 2027 und darüber hinaus formulieren:

These 1: Die KI wird zur persönlichen Wahl- oder Abstimmungsempfehlerin

Neben Medien und Parteien könnte künftig KI politische Entscheide prägen. Wer fragt «Welche Partei passt zu meinen Ansichten?», erhält eine zusammenfassende Bewertung. Entscheidend ist, auf welche Informationen sie sich stützt. Websites, Social Media, Medienberichte und vertrauenswürdige Quellen bleiben deshalb zentral. Sie bilden die Grundlage für KI-Antworten. Wer dort fehlt, riskiert politische Unsichtbarkeit.

These 2: Im Wahlkampf zählt zunehmend die Präsenz in KI-Antworten

Wenn KI-Systeme politische Fragen direkt beantworten, wird entscheidend sein, welche Positionen und Argumente sie dafür aufgreifen. Hier braucht es regelmässig gute Inhalte: auf der eigenen Website, auf Social Media und durch aktive Medienarbeit. Die Website liefert fundierte Informationen, Social Media verbreitet sie und PR bringt sie in die Medien und Fachpublikationen. Dieses Zusammenspiel erhöht die Chance, in KI-Antworten vorzukommen.

These 3: 2027 wird zur Übergangswahl – die eigentliche KI-Wahl könnte 2031 folgen

Wie stark KI die Parlamentswahlen 2027 beeinflussen wird, ist noch offen. Sichtbar werden dürfte aber, welche politischen Akteure sich auf den Wandel vorbereiten. 2031 könnten KI-Antworten bereits für viele Menschen zur politischen Orientierung gehören. Die Vorbereitung beginnt deshalb heute: Wer erst 2030 seine KI-Sichtbarkeit aufbaut, könnte zu spät kommen.

Der Wahlkampf der Zukunft beginnt heute

Die Nationalratswahlen 2027 werden wahrscheinlich noch nicht als erste KI-Wahlen der Schweiz in die Geschichte eingehen. Sie könnten aber die ersten Wahlen sein, in denen sichtbar wird, wie stark sich die politische Kommunikation bereits verändert.

Die Einführung von KI-Zusammenfassungen und des Google-KI-Modus markiert einen Wandel von der Suche nach Links zur Suche nach Antworten. Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur durch Suchmaschinenoptimierung oder Reichweite auf Social Media. Entscheidend wird das Zusammenspiel von eigener Website, Medienpräsenz, vertrauenswürdiger Quellen und digitaler Reputation sein.

Die vielleicht wichtigste Frage für die Wahlen 2031 lautet deshalb nicht:

«Wer hat die überzeugendste Kampagne?», sondern: «Auf welche Informationen stützt sich die KI, wenn sie nach einer Wahlempfehlung gefragt wird?»

Und genau deshalb beginnt der Wahlkampf der Zukunft nicht mehr wenige Monate vor dem Urnengang, sondern Jahre zuvor, beim Aufbau von Vertrauen, Glaubwürdigkeit und digitaler Sichtbarkeit.

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