Der Niedergang der wirtschaftlichen Stärke Europas und Japans verändert die globale Machtbalance grundlegend. Die internationale Politik steht vor einem tiefgreifenden Wandel (Foto: Shutterstock)

Das Jahr 2024 könnte als Wendepunkt in die Geschichte eingehen – ein Moment, in dem die Machtverhältnisse in der Welt aus dem Gleichgewicht geraten. Konflikte, Handelskriege und wirtschaftliche Turbulenzen haben das geopolitische Gefüge erschüttert und zu einer nie dagewesenen Unsicherheit geführt. Das Weltwirtschaftsforum spricht von einer «neuen, konfliktreicheren geopolitischen Ära», in der die einst stabile Weltordnung einem turbulenten und fragmentierten globalen Szenario weicht.

Fünf Entwicklungen verdeutlichen, wie stark diese Verschiebungen sind und welche Herausforderungen die Welt in diesem Jahr bewältigen muss:

  1. Demokratie im Sturm
    Mit einem Viertel der weltweit erwachsenen Bevölkerung, das in diesem Jahr wahlberechtigt ist, stehen die demokratischen Prozesse auf der ganzen Welt vor einer Belastungsprobe. Die Verbreitung von Fehl- und Desinformationen stellt eine massive Bedrohung dar. Der Global Risks Report 2024 warnt davor, dass falsche Informationen Wahlergebnisse beeinflussen und die Legitimität von Regierungen untergraben könnten. Bereits 2,3 Milliarden Menschen haben ihre Stimme abgegeben, doch die alles entscheidende US-Wahl im November steht noch bevor.
  2. Der Aufstieg der geopolitischen Schlüsselländer
    Während sich globale Handelsstrukturen neu ausrichten, gewinnen sogenannte «geopolitische Swing-Staaten» an Bedeutung. Diese Mittelmachtländer nutzen ihre Beziehungen zu rivalisierenden Grossmächten, um ihre nationalen Interessen voranzutreiben. Indien zum Beispiel profitiert sowohl von den USA als auch von China, während Golfstaaten wie Saudi-Arabien ihre Wirtschaft diversifizieren und ihre regionale und globale Einflussnahme ausbauen.
  3.  Geopolitische Spannungen treiben CO2-Emissionen in die Höhe
    Der jahrzehntelange freie Handel wird durch geopolitische Konflikte immer stärker behindert – mit schwerwiegenden Folgen für das Klima. Besonders betroffen ist der Schiffsverkehr im Roten Meer aufgrund der Konflikte in der Region, insbesondere dem anhaltenden Krieg im Jemen und den Spannungen zwischen Israel und seinen Nachbarn. Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der eskalierende Konflikt zwischen den USA und China beeinflussen die globalen Lieferketten. Um Angriffen auszuweichen, müssen Schiffe lange Umwege in Kauf nehmen, was nicht nur die Transportzeiten verlängert, sondern auch täglich zehntausende Tonnen zusätzlicher CO2-Emissionen verursacht.
  4. Eine Welt in der geopolitischen Rezession
    Während die alten Machtzentren des Westens schwächeln, gewinnen neue Akteure an Einfluss. Der Politikwissenschaftler Ian Bremmer beschreibt dies als «geopolitische Rezession». Der Aufstieg Chinas und des Globalen Südens, gepaart mit dem Niedergang der wirtschaftlichen Stärke Europas und Japans, verändert die globale Machtbalance grundlegend. Die internationale Politik, so Bremmer, stehe vor einem tiefgreifenden Wandel.
  5. Neue Wege zur globalen Zusammenarbeit
    Inmitten dieser geopolitischen Fragmentierung bleibt die Frage, wie globale Zusammenarbeit trotz tiefen Misstrauens möglich ist. Der Bericht «Shaping Cooperation in a Fragmenting World» des Weltwirtschaftsforums fordert, dass internationale Akteure Wege finden sollen, trotz Differenzen gemeinsam an globalen Herausforderungen zu arbeiten – von der Sicherheit über den Klimaschutz bis hin zu Technologien und Handel.
    2024 zeigt uns eindrucksvoll, wie fragil die globale Ordnung geworden ist. Inmitten von Unsicherheit und Spannungen wird die Fähigkeit zur Zusammenarbeit entscheidend sein, um den Übergang in diese neue Ära zu gestalten und die Risiken einer zersplitterten Welt zu bewältigen.

«Polizei und Behörden müssen wissen, wer da ist»

Florian Düblin, Generalsekretär der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz, erklärt, wie die Ukraine-Krise die Sicherheitsbehörden in den Kantonen fordert – und warum ein Nein zu Frontex katastrophal wäre.

Weltmacht des Wissens und der Technologie

Chinas unaufhaltsamer Aufstieg in zwei Charts.

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