Populistische Wählende sind nicht grundsätzlich antidemokratisch eingestellt sind. Sie wünsche sich aber eine Demokratie, die stärker auf die direkte Umsetzung des Volkswillens ausgerichtet ist. Dies geht einher mit dem Wunsch nach einem «starken Führer». (Foto: Shutterstock).

Weltweit bröckelt das Vertrauen in die Demokratie. Immer mehr Menschen fühlen sich von ihrer Regierung entfremdet – selbst in etablierten Demokratien. Laut der jüngsten Umfrage «Are You Ruled by ‹The Will of the People›?», veröffentlicht von der Gallup International Association 2025, geben viele Bürgerinnen und Bürger an, dass sie sich von politischen Entscheidungen ausgeschlossen fühlen. In den USA, Grossbritannien oder Frankreich etwa wird die Demokratie zunehmend als elitär wahrgenommen. Populistische Bewegungen gewinnen an Boden, während Polarisierung und Instabilität die Gesellschaften spalten. Woran liegt das?

Gründe für das schwindende Vertrauen 
Ein wesentlicher Grund ist der Mangel an echter Mitbestimmung in repräsentativen Demokratien. Bürgerinnen und Bürger wählen zwar ihre Abgeordneten, doch danach haben sie oft kaum Einfluss auf politische Entscheidungen. Hinzu kommen Korruption, Intransparenz und die wachsende Macht von Lobbygruppen, die den Eindruck erwecken, dass Regierungen nicht im Interesse der Bevölkerung handeln.
Zudem verstärken die zunehmende Verbreitung von Desinformation und die Fragmentierung der öffentlichen Meinung durch soziale Medien das Gefühl der Ohnmacht. All das führt dazu, dass viele Menschen ihre Regierung nicht mehr als Vertretung des «Willens des Volkes» wahrnehmen.

Direkte Demokratie: das Schweizer Erfolgsmodell 
Während in vielen Ländern die Vertrauenskrise wächst, steht die Schweiz mit ihrem aussergewöhnlichen demokratischen System im Kontrast zur globalen Entwicklung. Hier ist die Demokratie nicht nur ein politisches Konzept, sondern eine aktiv gelebte Praxis. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Über 85 % der Schweizer Bevölkerung sind mit der Funktionsweise ihrer Demokratie zufrieden oder sehr zufrieden – ein aussergewöhnlich hoher Wert, der weltweit seinesgleichen sucht.

Ein Hauptgrund für die hohe Zufriedenheit ist die direkte Demokratie, die in der Schweiz tief verwurzelt ist. Das Schweizer Stimmvolk hat die Möglichkeit, durch Volksinitiativen und Referenden direkt Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Seit 1900 fanden in der Schweiz über 600 nationale Volksabstimmungen statt. Diese regelmässige Partizipation sorgt dafür, dass politische Entscheidungen den Willen der Bevölkerung widerspiegeln. Der direkte Einfluss stärkt das Vertrauen in die Regierung und gibt den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, wirklich mitzubestimmen.

Vertrauen durch Transparenz und Bürgernähe 
Ein weiterer Grund für die Stärke der Schweizer Demokratie ist die Transparenz ihrer politischen Prozesse. Entscheidungen werden offen kommuniziert, Politikerinnen und Politiker gelten als nahbar und bodenständig. Viele von ihnen nutzen öffentliche Verkehrsmittel und leben wie normale Bürgerinnen und Bürger – ein Kontrast zu den oft privilegierten politischen Eliten anderer Länder. Diese Nähe trägt dazu bei, dass die Menschen ihre politische Vertretung als glaubwürdig wahrnehmen. Korruption ist in der Schweiz selten, was das Vertrauen in Institutionen weiter stärkt.

Föderalismus und Stabilität 
Die föderale Struktur der Schweiz ist ein weiterer Grund für ihre demokratische Stärke. Die Kantone haben weitreichende Autonomie, was es ermöglicht, politische Entscheidungen auf lokaler Ebene zu treffen. Diese Dezentralisierung schafft eine enge Verbindung zwischen dem Stimmvolk und seiner Regierung, da Entscheidungen oft direkt auf regionale Bedürfnisse zugeschnitten sind. Gleichzeitig sorgt das Konsensmodell der Schweizer Politik – die sogenannte «Zauberformel», in der die grössten Parteien eine gemeinsame Regierung bilden – für Stabilität und vermeidet extreme politische Polarisierung.

Top 5 und Flop 5 im globalen Vergleich 
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, wie unterschiedlich hoch das Vertrauen in die Demokratie in westlichen Ländern ist. Die Schweiz führt die Liste der Länder mit der grössten Zufriedenheit an:

  1. Schweiz: 85 % Zufriedenheit mit der Demokratie
  2. Norwegen: 82 %
  3. Neuseeland: 80 %
  4. Kanada: 75 %
  5. Schweden: 73 %

Am anderen Ende der Skala stehen Länder, in denen die Menschen ihrer Demokratie kaum noch vertrauen:

  1. USA: 45 %
  2. Grossbritannien: 50 %
  3. Italien: 50 %
  4. Griechenland: 50 %
  5. Frankreich: 55 %

Die Schweiz hebt sich in diesem globalen Vergleich deutlich ab. Während in vielen Ländern politische Instabilität, Korruption und ein Gefühl der Ohnmacht die Demokratie schwächen, zeigt das Schweizer Modell, wie eine enge Verbindung zwischen Bürgerinnen und Bürgern und ihrer Regierung geschaffen werden kann. Die Kombination aus direkter Demokratie, Transparenz und kulturellen Werten macht das Land zu einem globalen Vorbild – und zeigt, dass Demokratie auch in schwierigen Zeiten erfolgreich sein kann.

«Aufruf zum Vegetarismus, und die Hälfte der Mitglieder ist weg»

SP-Co-Generalsekretärin Rebekka Wyler erklärt, was ihre Aufgabe besonders anspruchsvoll macht, was die Generalsekretäre über die Parteigrenzen hinweg verbindet, und worin ihre Macht besteht, obwohl sie keine Befehle erteilen können.

«Ich nahm den Kugelschreiber aus der Jacke»

Nationalratspräsident Eric Nussbaumer schildert, wie er bei der Bundesratswahl den Namen des Gewählten herleiten und selber hinschreiben musste – und warum er Zäune niedertrampeln will.

«Ein schlechter CEO kann dramatische Schäden anrichten»

UZH-Professor Thomas Keil hat ein praxisorientiertes Buch über das Scheitern von CEOs geschrieben.

«Eine extrem wichtige Errungenschaft»

Thomas Christen, im Bundesamt für Gesundheit für die Krankenversicherung zuständig, verteidigt das Sozialwerk trotz steigender Prämien. Er vergleicht es mit einem Velo, das Bewegung und Gleichgewicht braucht.

AI lässt Brexit- und Trump-Kampagnen wie Anfänger dastehen

Neue Technologien sind in der Lage, personalisierte politische Werbung zu automatisieren.

Wie Trump und die Tech-Giganten die Demokratie herausfordern

Buchbesprechung: «L’Heure des prédateurs» von Giuliano da Empoli

Prophet im eigenen Land

Christoph Blocher machte die SVP von Zürich aus zur grössten Partei des Landes. Als Disruptor überraschte er alle mit dem Gegenteil des Erwartbaren.

«Ein dauerhafter Zustand der Unsicherheit»

Cybersicherheits-Spezialistin Myriam Dunn Cavelty erklärt, warum die Cyberangriffe trotz Kriegen nicht ungeahnte Ausmasse erreichen – und was die USA und Israel besser machen als Russland.

Die Städte und ihre Vororte ticken ziemlich anders

Prioritäten und Gegensätze in sieben Charts.