Die Schweiz gewinnt einen Rang im «International Tax Competitiveness Index 2022» der US-amerikanischen Tax Foundation gegenüber dem Vorjahr und stösst von Platz 5 auf Platz 4 vor. Geschlagen wird sie nur von Estland (1), Lettland (2) und Neuseeland (3). Die drei Ländern auf den Podestplätzen schneiden vor allem in Sachen Unternehmens- und Vermögenssteuern besser als die Schweiz ab. Dafür kann die Schweiz ihren 4. Rang dank guter Regeln bei grenzüberschreitenden Steuern, vor allem aber aufgrund der tiefen Konsumsteuern behaupten. Zwar hat die Eidgenossenschaft – wie viele Länder – weniger Punkte als noch im Vorjahr geholt. Weil aber Tschechien, das im Index 2021 noch vor der Schweiz platziert war, den Spitzensteuersatz für die Individualbesteuerung von 15 auf 27 Prozent erhöhen musste, macht die Schweiz diesen einen Platz gut. Spannend, dass die gleiche Massnahme in Neuseeland – Spitzensteuersatz für die Individualbesteuerung von 33 auf 39 Prozent – weniger Einfluss hatte, und das Land den 3. Platz trotzdem behaupten konnte. Unter der Führung der populären Labour-Premierministerin Jacinda Ardern schaffte es Neuseeland sogar trotz Steuererhöhungen, bei der Tax Foundation mehr Punkte zu holen. Auf Tschechien folgt Luxemburg mit Platz 6 auf der Rangliste. Deutschland platziert sich auf dem 15. und Österreich auf dem 18. Platz. Italien und Frankreich belegen die Ränge 37 und 38.

Warum veröffentlicht die konservative Tax Foundation, die eng mit den US-Republikanern verbunden ist, überhaupt einen solchen Index? Wenn das Steuerrecht einfach strukturiert sei, dann sei es für die Steuerzahlenden leichter nachzuvollziehen, schreibt die Tax Foundation im Vorwort zu ihrem «International Tax Competitiveness Index 2022». So könne es die wirtschaftliche Entwicklung fördern und gleichzeitig ausreichende Einnahmen für Projekte der Regierung generieren. Im Umkehrschluss seien schlecht strukturierte Steuersysteme dagegen kostspielig, sie verzerrten die wirtschaftliche Entscheidungsfindung und schadeten somit der heimischen Wirtschaft.

Genau das hätten viele Länder inzwischen erkannt und darum ihre Steuergesetze reformiert. In den letzten Jahrzehnten seien deshalb auch die Grenzsteuersätze für Einkommen von Unternehmen und Privaten deutlich gesunken. Laut dem Think-Tank realisierten die meisten OECD-Länder einen beträchtlichen Teil ihrer Staatseinnahmen aus breiter angelegten Steuern sowie in kleinerem Umfang über die Mehrwertsteuer oder eine generelle Steuer auf Löhne.

Doch längst nicht alle Änderungen in der Steuerpolitik der OECD-Länder hätten die Struktur der Steuersysteme verbessert; einige hätten sich sogar negativ ausgewirkt. Zudem hätte die COVID-19-Pandemie viele Länder zu vorübergehenden Änderungen ihrer Steuersysteme veranlasst.

Die Vielfalt der steuerlichen Ansätze in den OECD-Ländern mache es nötig, diese Systeme im Vergleich zueinander zu bewerten, findet die Tax Foundation. Und zu diesem Zweck habe man den International Tax Competitiveness Index entwickelt, der einen relativen Vergleich der Steuersysteme der OECD-Länder im Hinblick auf Wettbewerbsfähigkeit und Neutralität zulasse.

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