ZDF-Journalistin Dunja Hayali machte nur ihren Job und ordnete die wichtigsten Positionen des ermordeten US-Politaktivsten Charlie Kirk kritisch ein. Worauf sie Zielscheibe einer orchestrierten Hasskampagne auf Social Media wurde. Laut Analysen fast ein Viertel der beteiligten Accounts Fake-Profile, die als automatische Hassschleudern programmiert sind (Foto: Shutterstock).

Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali wurde nach ihrer kritischen Einordnung des Mordes am US-Aktivisten Charlie Kirk zur Zielscheibe einer orchestrierten Hasskampagne. Morddrohungen, NS-Vergleiche und persönliche Diffamierungen zwangen sie zu einer Social-Media-Pause. Eine Analyse zeigt: 22 Prozent der beteiligten Accounts waren Fake-Profile, die gezielt Empörung schürten und den Eindruck einer breiten Ablehnung erzeugten. Die Analyse stammt vom spezialisierten Dienst Cyabra, der Fake News und Bots identifizieren kann.

Diese Form der digitalen Manipulation ist kein Einzelfall – und betrifft mitunter auch die Schweiz. So wurde etwa SRF-Moderator Sandro Brotz nach verschiedenen «Arena»-Sendungen online angegriffen. Auffällig viele neue oder anonyme Accounts mischten sich auch bei anderen prominenten Journalisten europaweit unter die Diskussion und versuchten, mit extremen Kommentaren die Debatte zu polarisieren.

Während der Corona-Pandemie wurden in der Schweiz auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Marcel Salathé oder Isabella Eckerle gezielt diskreditiert – oft durch automatisierte oder koordinierte Profile, die das Vertrauen in Wissenschaft und Medien untergraben sollten.

Studien belegen die Verwundbarkeit der Schweizer Öffentlichkeit:

  • Laut OECD erkennen nur 55 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer gezielte Desinformation – damit liegt die Schweiz im internationalen Vergleich ganz hinten.
  • Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) zeigt, dass Plattformen wie YouTube und TikTok besonders anfällig für algorithmisch verstärkte Falschinformationen sind.
  • Rund 600’000 Schweizerinnen und Schweizer geben an, nicht zu wissen, wie sie mit Fake News umgehen sollen (BFS, 2023).

Besonders brisant ist der Einfluss aus dem Ausland. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) identifizierte russische Beeinflussungskonten, die im Wahlkampf 2023 gezielt migrationskritische Inhalte verbreiteten. Zudem hat «Russia Today» seine Berichterstattung über die Schweiz seit 2024 verzehnfacht – mit dem Ziel, die Neutralität infrage zu stellen und Misstrauen gegenüber westlichen Werten zu säen.

Die zentralen Narrative solcher Kampagnen sind derjenigen, von der die ZDF-Journalistin betroffen war, sehr ähnlich:

  • «Staatsmedien»: SRF und andere öffentlich-rechtliche Sender werden als Teil einer angeblichen Propagandamaschine dargestellt.
  • «Zensur»: Kritische Stimmen würden unterdrückt, während «Systemtreue» belohnt werde.
  • «Elite gegen das Volk»: Journalistinnen und Experten werden als abgehoben und volksfern diffamiert.

Diese Muster zeigen: Fake-Accounts verzerren die Wahrnehmung dessen, was gesellschaftlicher Konsens ist. Sie erzeugen künstliche Empörung, setzen Einzelpersonen unter Druck und versuchen, Institutionen zu delegitimieren.

Gerade in der direkten Demokratie der Schweiz ist eine informierte Öffentlichkeit zentral. Es braucht mehr digitale Medienkompetenz, transparente Plattformregeln und eine klare Haltung für unabhängigen Journalismus – auch bei uns.

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