Während der Kampagne spielten Social-Media-Influencer und Podcaster wie Joe Rogan und Alex Cooper eine Schlüsselrolle bei den Wähleransprachen von Kamala Harris und Donald Trump. (Foto: Dall-E)

Junge amerikanische Erwachsene beziehen ihre Nachrichten zunehmend von Social-Media-Influencern. Die Mehrheit sind Männer und stehen politisch eher rechts, wie eine neue Studie des Pew Research Center zeigt. Während ein Fünftel der US-Erwachsenen angab, «regelmässig» ihre Nachrichten von Online-«Nachrichten-Influencern» zu erhalten, die über aktuelle Ereignisse berichten, stieg diese Zahl bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren auf fast 40 Prozent. Unter denjenigen, die ihre Nachrichten von Influencern beziehen, gaben 65 Prozent an, dass dies ihr Verständnis von aktuellen Ereignissen und gesellschaftlichen Themen beeinflusst habe. 

Klassische Medienangebote werden immer weniger genutzt
In der Schweiz zeigen sich Parallelen: So ergab eine Studie von Schweizer Forscherinnen und Forschern («Keine News und dann? Junge Erwachsene zwischen News Deprivation und Informationsorientierung»), dass klassische Nachrichtenangebote bei den jungen Menschen eine untergeordnete Rolle spielen. Die Befragten halten klassische Medienangebote grundsätzlich für wichtig, können aber auch klar begründen, warum sie diese nicht nutzen. Gleichzeitig interessieren sie sich für Themen, die einen direkten Bezug zu ihrer Lebenswelt haben.  

Dies deutet darauf hin, dass junge Menschen zwar weniger klassische Nachrichten konsumieren, aber dennoch informationsorientiert sind und sich aktiv mit relevanten Themen auseinandersetzen. Was einen deutlichen Hinweis darauf liefert, dass jüngere Leute andere Kanäle zur Informationsbeschaffung nutzen als die klassischen Medien. Hinzu kommt, dass diese Kanäle gar nicht mehr zwingend national betrachtet werden müssen. Ein Podcaster in den USA kann auch für junge Schweizerinnen und Schweizer spannende Themen aufbereiten. 

Zurück in die USA: Dort untersuchte die Pew-Studie 500 beliebte Nachrichten-Influencer mit über 100’000 Followern und befragte 10’658 Amerikanerinnen und Amerikaner zu ihrem Nachrichtenkonsum. Die Studie wurde über drei Wochen im Juli und August während des Präsidentschaftswahlkampfs durchgeführt. Während der Kampagne spielten Social-Media-Influencer und Podcaster wie Joe Rogan und Alex Cooper eine Schlüsselrolle bei den Wähleransprachen von Kamala Harris und Donald Trump, wobei letzterer sogenannte «Manosphere»-Influencer umwarb, um männliche Wähler direkt anzusprechen. 

Influencer müssen sich nicht politisch neutral verhalten
Die meisten Nachrichten-Influencer hatten nie eine berufliche Verbindung zu einem Nachrichtenmedium. Laut der Studie gaben 77 Prozent an, weder aktuell noch in der Vergangenheit mit einer Nachrichtenorganisation verbunden (gewesen) zu sein. Interessanterweise zeigen Influencer mit einer solchen Verbindung seltener eine klare politische Haltung. Wenn sie jedoch eine politische Orientierung äusserten, verlinkten sie häufiger auf rechtsgerichtete Nachrichtenorganisationen. 

Social-Media-Influencer unterscheiden sich von ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten in der Art und Weise, wie sie über Fakten berichten. Sie weben oft ihre eigenen Ansichten in aktuelle Ereignisse ein oder präsentieren Meinungen als berichtenswerte Fakten. Während Nachrichtenorganisationen klar abgegrenzte Bereiche für Berichterstattung und Meinung haben, produzieren Nachrichten-Influencer oft einzelne Produkte wie Podcasts und Newsletter, die sich kaum bezüglich der präsentierten Informationen unterscheiden. 

In den letzten Monaten vor der Wahl nahm der politische Inhalt, der von Nachrichten-Influencern geteilt wurde, für die Kampagnen eine herausragende Bedeutung ein. Influencer nutzten ihre massiven Follower-Basen, um mit unentschlossenen Wählerinnen und Wählern zu interagieren. Im Gegensatz zu politischen TV-Werbespots sind Nachrichten-Influencer nicht verpflichtet, offenzulegen, ob sie von einem der Kandidierenden bezahlt wurden, um ein Thema zu diskutieren oder eine Meinung zu teilen. 

Interviews nur mit «freundlichen» Podcastern
Obwohl beide Kandidierenden Influencer-Interviews nutzten, entschied sich der gewählte Präsident Trump fast ausschliesslich dafür, mit ihm wohlgesinnten Nachrichten-Influencern zu interagieren. Diese forderten ihn nicht mit Fragen zu seiner bisherigen politischen Bilanz und seinen politischen Absichten heraus, was Millionen jungen Wählerinnen und Wählern einen überwiegend positiven Eindruck von Trump als Kandidat vermittelte. Pew stellte fest, dass der Bereich der Nachrichten-Influencer von Männern dominiert wurde, wobei sich 63 Prozent als männlich identifizierten, verglichen mit nur 30 Prozent, die sich als weiblich identifizierten. Die Geschlechterlücke zeigte sich auf den meisten Social-Media-Plattformen, einschliesslich YouTube, Facebook, X und Instagram, wo Männer Frauen im Verhältnis von zwei zu eins übertrafen. 

 Die Studie ergab, dass TikTok unter den Plattformen die geringste Geschlechterlücke aufwies und die einzige war, auf der konservative Influencer nicht die Liberalen übertrafen.  

Was Sie jetzt über KI wissen sollten

Fünf überraschende Erkenntnisse einer neuen Studie, die zum Umdenken anregen sollten

So spüren Wissenschafter neue Varianten von COVID-19 auf

Aktuell breitet sich die Delta-Variante auf der ganzen Welt aus. Wie können Forscher bei den Mutationen überhaupt Schritt halten?

Weshalb die Flut an negativen News auf die Psyche schlägt

Drei Tipps, um der Weltuntergangsstimmung zu entkommen.

Die Welt von heute verstehen

Eine kurze Geschichte der Gegenwart von Philipp Sarasin - anhand der zentralen Weichenstellungen in den 70er-Jahren.

«Es ist extrem kompetitiv»

Weltraumforscherin Salome Gruchola erklärt, wie sie ein Instrument baut, um Leben im All nachzuweisen.

Warum Basel von den Expats geliebt wird

Die Liste der 50 wertvollsten Sportteams zeigt, dass Europa gegen die USA keine Chance hat.

Die neue Welt der Musikindustrie

2021 erzielte die Musikbranche einen Rekordumsatz von 25,9 Milliarden Dollar. Zu verdanken hat sie dies dem Streaming-Geschäft, das 65% der Einnahmen ausmacht.

Streit um Milliarden

Was der Brexit für den EU-Haushalt bedeutet.

Warum sich für die zweite Landessprache der Effort lohnt

Französisch in der Schule wird oft als Last empfunden