Besonders exponiert sind wissensintensive Berufe. Generative KI kann Texte zusammenfassen, Daten auswerten, Präsentationen erstellen, Softwarecodes entwerfen oder Kundenanfragen bearbeiten. (Bild: Shutterstock)

Künstliche Intelligenz hat den Schweizer Arbeitsmarkt erreicht. Nicht als Zukunftsvision, sondern als Technologie. Sie verändert bereits heute Stellenprofile, Kompetenzanforderungen und betriebliche Abläufe. Eine Untersuchung der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich zeigt, dass sich die Spuren von KI auf dem Arbeitsmarkt zunehmend erkennen lassen. Damit verschiebt sich die Debatte: Es geht nicht mehr darum, ob KI die Arbeitswelt verändert, sondern wie die Schweiz diesen Wandel gestaltet.

KI verändert Aufgaben, nicht nur Berufe 
Besonders exponiert sind wissensintensive Berufe. Generative KI kann Texte zusammenfassen, Daten auswerten, Präsentationen erstellen, Softwarecodes entwerfen oder Kundenanfragen bearbeiten. Betroffen sind nicht nur repetitive Tätigkeiten, sondern auch Aufgaben in Beratung, Kommunikation, Finanzwesen, Verwaltung und Informatik. KI ersetzt meist nicht vollständige Berufe. Sie zerlegt Stellenprofile, übernimmt einzelne Arbeitsschritte und erhöht den Wert jener Fähigkeiten, die sich weniger einfach automatisieren lassen.

Für Unternehmen entsteht daraus ein Produktivitätspotenzial. Mitarbeitende können von Routinearbeiten entlastet werden und mehr Zeit in Analyse, Beratung oder kreative Problemlösung investieren. Dieser Effekt stellt sich jedoch nicht automatisch ein. Wer bestehende Abläufe lediglich mit einem KI-Werkzeug ergänzt, digitalisiert unter Umständen nur ineffiziente Prozesse. Produktivitätsgewinne entstehen dort, wo Unternehmen Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege konsequent neugestalten.

Weiterbildung wird zur Standortfrage 
Damit wächst auch die Bedeutung der Weiterbildung. Die entscheidende Kompetenz wird künftig nicht allein darin bestehen, ein bestimmtes KI-Programm bedienen zu können. Gefragt sind Urteilsvermögen, Datenkompetenz, Qualitätskontrolle und die Fähigkeit, Resultate kritisch einzuordnen. Da sich die Werkzeuge rasch verändern, braucht die Schweiz Weiterbildungsmodelle, die zugänglich, praxisnah und berufsbegleitend sind. Besonders kleine und mittlere Unternehmen benötigen Unterstützung, weil sie weniger Ressourcen für eigene Lernprogramme besitzen – ein Punkt, den auch die OECD in ihren Analysen zu KI, Arbeit und Kompetenzen betont.

Politisch stellen sich drei Aufgaben:

  • Das Bildungssystem muss KI-Kompetenzen auf allen Stufen vermitteln.
  • Die Arbeitsmarktpolitik sollte berufliche Übergänge erleichtern, bevor Stellen verloren gehen.
  • Es braucht verlässliche Regeln für Datenschutz, Mitwirkung und Verantwortlichkeit.

Beschäftigte müssen beispielsweise wissen, ob KI zur Beurteilung ihrer Leistung oder zur Auswahl von Bewerbungen eingesetzt wird. Die Internationale Arbeitsorganisation weist in ihrer Forschung darauf hin, dass generative KI viele Tätigkeiten eher verändert als vollständig ersetzt, vorausgesetzt, der Übergang wird aktiv gestaltet.

Wandel braucht Gestaltung 
Die Schweiz bringt gute Voraussetzungen mit: ein leistungsfähiges Bildungssystem, eine innovative Wirtschaft und eine etablierte Sozialpartnerschaft. Doch ihr Erfolg im KI-Zeitalter wird nicht nur daran gemessen werden, wie viele Technologien sie entwickelt. Der AI Index der Stanford University zeigt, wie schnell sich Technologie, Nutzung und Investitionen international entwickeln. Entscheidend ist deshalb, ob es der Schweiz gelingt, Produktivitätsgewinne breit nutzbar zu machen. Die zentrale Frage lautet nicht, ob Mensch oder Maschine gewinnen wird. Sie lautet, wie Arbeit gestaltet werden muss, damit Menschen mit intelligenten Maschinen erfolgreicher arbeiten können.

Ein Nebel liegt über der Zukunft

Wie «AI Fog» unsere Lebensplanung verändert

Grosse Alpentäler als Retter des Berggebiets

Statt auf «Geld aus Bern» zu warten, sollen die Gebirgskantone ihre Haupttäler zu neuen Zentren aufwerten: Das empfiehlt eine Studie von Avenir Suisse.

Jetzt tobt auch ein Krieg um Information und Wahrheit

Konflikt im Nahen Osten zeigt wie Kriegsparteien die Deutungshoheit erlangen oder verteidigen wollen.

«Aufgrund der tiefen Schuldenquote hat die Schweiz einen Startvorsprung»

Die Schweiz und der Euroraum marschieren in entgegengesetzte Richtungen. Die Schuldenquote in der Schweiz ist gesunken, jene im Euroraum markant gestiegen. Ökonom Markus Schmieder nimmt die Staatsfinanzen unter die Lupe.

Neue Weltordnung, neue Regeln

Welche Prioritäten Wirtschaftsführer setzen sollten, um in einer multipolaren Welt wettbewerbsfähig zu bleiben

Politik im Gruppen-Chat

Wo Tech-Milliardäre mit Vertretern aus Poltik und Medien ungestört über Politik debattieren

«Die 2-Stunden-Schallmauer hat etwas von ihrem Schrecken verloren»

Der deutsche Arzt und Ex-Europameister Thomas Wessinghage spricht im ersten Teil des Gesprächs über die 2-Stunden-Schallmauer im Marathon, das Modeprodukt Städtemarathon und darüber, wie gesund ein Lauf über 42,195 Kilometer ist.

«Die Politik sollte nicht die Wissenschafter angreifen»

Sabine Süsstrunk, Präsidentin des Schweizerischen Wissenschaftsrats, hält den angedrohten Maulkorb aus dem Parlament für ebenso schädlich wie polemisierende Wissenschaftler.

Warum Basel von den Expats geliebt wird

Die Liste der 50 wertvollsten Sportteams zeigt, dass Europa gegen die USA keine Chance hat.