Nicht jede KI wird für die genau gleichen Aufgaben genutzt. Das haben Nutzungsanalysen von ChatGPT und Claude klar herausgearbeitet. (Foto: Shutterstock)

Zwei Namen prägen den Markt für grosse Sprachmodelle: ChatGPT von OpenAI und Claude von Anthropic. Auf den ersten Blick wirken sie wie Geschwister – beide antworten flüssig in natürlicher Sprache, beide sollen unseren Alltag erleichtern. Doch aktuelle Analysen zeigen: Die Art, wie Menschen mit den Systemen arbeiten, unterscheidet sich deutlich. Während ChatGPT längst in der privaten Routine angekommen ist, wird Claude vor allem dort eingesetzt, wo Produktivität, Automatisierung und präzise Arbeitsprozesse gefragt sind.

Millionen von Konversationen weltweit ausgewertet
Im September 2025 veröffentlichte OpenAI die bislang umfassendste Untersuchung zur Nutzung von ChatGPT. Sie wertete rund 1,5 Millionen Konversationen weltweit aus und zeigte, wie tief das Modell in den Alltag integriert ist. Fast die Hälfte der Anfragen dreht sich um Wissensfragen oder Entscheidungshilfen, weitere 40 Prozent um konkrete Aufgaben wie Texte, Pläne oder Programmcodes. Auffällig ist zudem der gesellschaftliche Wandel: Immer mehr Frauen nutzen ChatGPT, und in Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen wächst die Zahl der Zugriffe besonders schnell.

Zentrale Erkenntnisse zu ChatGPT

  • Knapp 49 Prozent der Nutzung entfallen auf Informationssuche und Beratung («Asking»).
  • Rund 40 Prozent betreffen praktisches Arbeiten wie Schreiben, Planen, Programmieren («Doing»).
  • Etwa 11 Prozent sind kreative oder persönliche Interaktionen («Expressing»).
  • Rund drei Viertel aller Gespräche finden ausserhalb des Berufs statt, doch der professionelle Anteil wächst stetig.
  • Die Nutzung nimmt besonders in Regionen mit niedrigerem Einkommen sowie bei Frauen und jüngeren Zielgruppen zu.

Anthropic hat parallel untersucht, wie Menschen seinen Assistenten Claude verwenden. Die Daten aus Millionen Konversationen und API-Zugriffen zeigen einen anderen Fokus: Claude wird vor allem als Werkzeug für Effizienz und Automatisierung genutzt. Viele Aufgaben stammen aus Forschung, Programmierung oder Büroorganisation – ganze Arbeitspakete werden delegiert. Persönliche oder emotionale Gespräche sind hingegen selten.

Zentrale Erkenntnisse zu Claude

  • Der Schwerpunkt liegt auf Produktivität: Programmieren, Datenanalyse, Recherche und Textautomatisierung.
  • Claude erledigt häufig komplette Aufgaben selbstständig, nicht nur beratend.
  • Emotionale oder private Gespräche machen weniger als drei Prozent der Nutzung aus.
  • Besonders beliebt ist Claude bei technisch versierten Nutzerinnen und Nutzern, in Wissenschaft, Bildung und bei Unternehmen.
  • Die API-Nutzung zeigt, dass Claude stärker in professionelle Workflows eingebettet ist als in Freizeitaktivitäten.

ChatGPT als digitaler Begleiter, Claude als Werkzeug für Effizienz

Vergleicht man beide Modelle, entsteht ein klares Muster: ChatGPT ist der digitale Begleiter, der Antworten liefert, erklärt und kreative Impulse gibt – stark verankert im privaten, informellen Kontext. Claude hingegen ist das Werkzeug für Effizienz: ein Assistent, der strukturiert arbeitet, Prozesse automatisiert und präzise Ergebnisse liefert.

Gleichzeitig wächst der Zugang zu Sprachmodellen rasant. Schulen, Start-ups, Behörden und private Haushalte integrieren KI längst selbstverständlich in ihre Abläufe. Doch mit dem Tempo steigt auch die Verantwortung, Fragen von Datenschutz, Transparenz und fairem Zugang mitzudenken.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: ChatGPT und Claude sind mehr als nur Tools. Sie eröffnen zwei Blickwinkel auf denselben technologischen Fortschritt – der eine neugierig, kreativ, gesprächig; der andere sachlich, präzise, arbeitsteilig. Gemeinsam erzählen sie davon, wie wir beginnen, Sprache und Intelligenz in neuer Form zu nutzen und wie sehr diese Entwicklung bereits Teil unseres Alltags geworden ist.

Quellen:

  • OpenAI (2025): How People Are Using ChatGPT
  • Anthropic (2025): Anthropic Economic Index report: Uneven geographic and enterprise AI adoption

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