Ohne e-ID geht fast gar nichts mehr

Sechs Fragen zur elektronischen Identität.

Die e-ID liefert einen zentralen Beitrag zur Nutzung digitaler Angebote. (Bild: Fotalia)

Die meisten Menschen verfügen schon heute über unzählige digitale Identitäten. Apple, Google, Microsoft, Amazon, Facebook, Swisscom und unsere Bankkonten setzen eine solche voraus. Sie dienen der Identifizierung und Authentifizierung für die Nutzung der angebotenen Dienstleistungen. Der technologische Träger dieser digitalen Identität ist beispielsweise die integrierte Smartcard von Debit- und Kreditkarten und der meisten Krankenkassenkarten.    

Die Schweiz möchte nun eine staatliche e-ID einführen. Die Schweizer Bevölkerung soll sich im Internet in gleicher Art und Weise elektronisch ausweisen können, wie sie dies heute schon in der physischen Welt mit ID und Pass erledigt.

SwissSigns AG, ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden staatsnahen Betriebe Post und SBB, hat kürzlich darüber informiert, dass es ein Verfahren zur Vergabe, Prüfung und Sicherung von elektronischer Identität entwickle, welches der Schweizer Bevölkerung und ausgewählten Firmen zur Verfügung gestellt werden soll. Das gemeinsame Vorgehen von Bund und Privaten entspricht damit dem Kerngedanken des vorliegenden Gesetzesentwurfs.

Weshalb braucht es eine schweizerische e-ID?
Die e-ID liefert einen zentralen Beitrag zur Nutzung digitaler Angebote aus den Bereichen E-Government, E-Banking, E-Commerce, E-Health, E-Education und E-Voting. Die Online-Prozesse erfordern ein gewisses Mass an Vertrauen der Geschäftspartner in die Identität ihres Gegenübers. Darin liegt der Grund, weshalb der Bund rechtliche Rahmenbedingungen für die Anerkennung von e-IDs schaffen möchte.

Weshalb sind bisherige Initiativen gescheitert?
Für die Akzeptanz einer e-ID ist der Nutzen, beziehungsweise die Anzahl konkreter Anwendungsfälle für die Beteiligten entscheidend. Dies war bei der vom Bund initiierten digitalen Identität namens SuisseID nicht in genügendem Ausmass gewährleistet. Dazu beigetragen haben die Kosten in Höhe von 50 Franken pro Jahr für den Kunden, die komplizierte technische Umsetzung sowie die Verteilung. Die SuisseID war nicht markttauglich.

Welche Rollen spielen Staat und Private?
Der Bund erarbeitet die Rechtsgrundlage und betreibt eine elektronische Schnittstelle, über die anerkannte Identitätsdienstleister staatlich geführte Personenidentifizierungsdaten beziehen können. Zudem beaufsichtigt der Bund die Identitätsdienstleister und e-ID-Systeme. Die technologischen Träger sollen aber durch nicht-staatliche Anbieter entwickelt und ausgestellt werden.

Welche Angebote realisieren sich?

Grundsätzlich geht man davon aus, dass jede Person neben der staatlich anerkannten e-ID weitere digitale Identitäten verwenden wird wie jene von Swisscom, Apple, den Banken oder Krankenversicherern. Neben der bereits erwähnten Lösung von SwissSigns möchte zum Beispiel die Stadt Zug ihren Einwohnern eine e-ID auf Basis der Blockchain anbieten. Dabei handelt es sich um eine App, die persönliche Informationen mithilfe von Blockchain-Technologie sichert und mit einer Cryptoadresse verknüpft. Die Einwohner registrieren ihre Identität auf der App. Anschliessend wird die Identität bei der Einwohnerkontrolle der Stadt Zug beglaubigt. Dieses Angebot gibt es ab September 2017 in Zug.  

Wer bezahlt die Kosten für eine e-ID?
Das private Unternehmen muss mit seinen Dienstleistungen Geld verdienen. Jener Teil der Schweizer Bevölkerung, der eine e-ID möchte, muss dafür bezahlen oder zumindest einwilligen, dass seine Daten gewinnbringend eingesetzt werden. Da aber inskünftig sowieso jeder eine e-ID benötigen wird, entsteht eine Situation, in der die Marktteilnehmer zum Konsum verpflichtet sind und die Anbieter durch staatliche Lizenzen geschützt werden. Dies kann zu überteuerten Produkten führen.

Ersetzt die e-ID den Schweizer Pass?
Es dürfte eine Gruppenbildung entstehen, die sich mit zunehmender Bedeutung der e-ID beschleunigt. Physische Identitäten wie ID oder Pass könnten an Bedeutung verlieren. Am Ende einer solchen Entwicklung kann die Identität als «Facebook-ler» plötzlich wichtiger sein als diejenige als Schweizer. Dies muss nicht unbedingt schlecht sein, man muss sich nur über die möglichen Folgen der aktuellen politischen Weichenstellungen bewusst werden.             

Die Botschaft zum e-ID-Gesetz soll bis Mitte 2018 ausgearbeitet werden. Welche Wege für eine e-ID made in Switzerland am Ende beschritten werden respektive wie diese aussehen und wer diese betreiben wird, ist derzeit offen.

Autor: Oliver Heiler