«Blockchain macht das System und die Infrastruktur sicherer»

Die FDP-Nationalrätin und Unternehmerin Doris Fiala engagiert sich für Blockchain. Sie ist überzeugt, dass die Technologie die Gesellschaft und die Demokratie verändern und stärken wird.

Pascal Ihle
Doris Fiala, Nationalrätin FDP und Verwaltungsrätin des Startups Procivis. (Bild: ZVG)

Sie engagieren sich stark für die Blockchain-Technologie. Wo sehen Sie die grössten Vorteile?
Doris Fiala: Die Blockchain-Technologie garantiert Sicherheit, Transparenz und Nachverfolgbarkeit. Das stärkt das Vertrauen!

Wie wird Blockchain unsere Gesellschaft verändern?
Die neue und revolutionäre Technologie wird alle Lebensbereiche erfassen. Viele denken dabei irrtümlicherweise nur an den Finanzplatz, respektive an die äusserst volatilen Kryptowährungen. Das greift viel zu kurz: Blockchain wird vielmehr auch das Gesundheitswesen, die Industrie, die Direkte Demokratie oder die Entwicklungshilfe verändern.

Woran denken Sie konkret?
Zum Beispiel an die e-Identity für papierlose Flüchtlinge oder an kostengünstigere Geldüberweisungen von der sogenannten Diaspora in die Heimatländer. Das ist für einen Teil der Menschheit, der vom Finanzsystem oder einer funktionierenden Verwaltung ausgeschlossen und auf der Flucht ist, von allergrösster Bedeutung.

Welche Auswirkungen wird Blockchain auf die Schweizer Demokratie haben?
Leider bildet die Schweiz punkto eGovernment gemäss neuster EU-Studie mit Bulgarien und Rumänien das Schlusslicht. Das muss uns sehr nachdenklich stimmen. Ich bin überzeugt: Wollen wir die kommenden Generationen im Boot behalten und diese für die Direkte Demokratie begeistern, müssen wir mit eGovernment vorwärts machen. Dank Blockchain können wir in diesem Bereich künftig mehr Sicherheit gewährleisten und so hoffentlich besser überzeugen.

Müsste die Schweiz als Gralshüterin der Demokratie eine Vorreiterrolle spielen?
Zwingend! Aber bei uns sind Bedenkenträger bekanntlich immer zahlreich.

In Zug gibt es erste Versuche mit Abstimmungen auf Blockchain. Was halten Sie davon?
Das ist die Zukunft. Andere Kantone und Länder werden folgen.

Für Sie ist Blockchain also die Zukunft von eVoting, eDemokratie und eGovernment.
Da bin ich mir sicher. Man hat es in der Schweiz nur noch zu wenig erkannt und dadurch teilweise zu negativ positioniert. Unnötigerweise.

Ist das nicht verständlich angesichts des angeschlagenen Vertrauens in die Blockchain-Technologie?
Unglücklicherweise haben wir bis heute zu sehr von Krypto- und Blockchain-basierten Währungen gesprochen. Das hat das Bild zum Teil negativ zementiert. Man hat den Begriff der Spekulation über Gebühr strapaziert und demgegenüber die unglaublichen Chancen der Technologie kommunikativ stiefmütterlich behandelt. Kryptowährungen bedrohen allenfalls in gewisser Weise tatsächlich den Finanzplatz, allerdings nur indirekt.

Inwiefern?
Die meisten Banken haben die unglaublichen Möglichkeiten und Chancen der neuen Technologie zu spät erkannt und viel zu lange zu wenig ernst genommen hat. Die vorwiegend negative Einschätzung und Beurteilung der Blockchain-Technologie halte ich für eine ungünstige Verteidigungsstrategie.

Sind die Datendiebstähle, Datenmanipulationen und Hackerangriffe denn keine Bedrohung für die eDemokratie und die gesamte Infrastruktur?
Hackerangriffe stellen ein ernsthaftes internationales Risiko dar - und dies nicht nur für die Schweiz. Dem Datenschutz kommt daher eine wachsende Bedeutung zu. Blockchain macht das System und die Infrastruktur sicherer. In einer Güterabwägung bin ich trotz Risiken für den digitalen Fortschritt und deshalb auch für Zusatzinvestitionen. Gerade der Bund muss entsprechend in die Sicherheit investieren. Auch hier gilt für mich: Sicherheit ist erste Staatsaufgabe!

Welches wäre die Rolle des Bundes? Müsste er eine entsprechende Infrastruktur zu Verfügung stellen?
Absolut. Der Bund darf das Heft abschliessend auch keinesfalls einfach aus der Hand geben. Gerade das hat mit Vertrauen zu tun. e-Identity-Ausgabestellen an die Post, Swisscom oder die Grossbanken zu delegieren, erachte ich als falsch. Nicht überall ist der Private besser oder die richtige Lösung.

Sie sind selber als Verwaltungsrätin engagiert im Startup Procivis, das weltweit eGov-Lösungen auf Blockchain-Basis anbietet. Weshalb?
Ich glaube an die neue Technologie Blockchain und daran, dass sie für den Bürger von grossem Nutzen sein kann, sofern sie richtig eingesetzt wird. Procivis sagt es bereits im Namen: «Für den Bürger». Zudem bin ich vom Gründer und VR-Präsidenten des Unternehmens, Daniel Gasteiger, seinem Können, seiner Geschäftsstrategie und seiner Ethik sowie vom Team überzeugt. Als Nationalrätin und Berufsfrau betrachte ich Risikofaktoren umfassend, bevor ich mich engagiere - und bin begeistert. Am Puls der Zeit, ganz vorne mit jungen Menschen einen Beitrag leisten zu dürfen, gibt mir täglich richtig «good vibes».

Am 3. Dezember findet in Bern erstmals die Infrachain 18 statt. Es ist die einzige Schweizer Blockchain-Konferenz, die sich an die öffentliche Verwaltung und Infrastrukturbetreiber richtet, die konkrete Projekte vorstellen.

Weitere Informationen unter infrachain.ch.

Gespräch: Pascal Ihle