WhatsApp steht weltweit nicht überall an der Spitze

Je nach Sprachregion oder Staatsform werden ganz andere Messenger-Dienste genutzt.

Nicht mehr wegzudenken: WeChat ist in China der wichtigste Messenger. (Bild: Shutterstock)

Es ist heute nicht mehr auszudenken, wie wir früher unser Sozialleben gemanagt haben. Denn heute funktionieren Schulklassen, Vereine, Nachbarschaften oder auch Büros vielfach nur dank eines Gruppenchats auf WhatsApp. Der Messenger im Besitz des US-Tech-Giganten Facebook hilft uns, Informationen zu teilen, Absprachen zu treffen oder Projekte effizienter zu meistern.

Zahlen von Ende 2018 gehen von 6,5 Millionen Nutzern des Nachrichtendienstes in der Schweiz aus. Und gerade im Wahljahr 2019 haben neue Anwendungen für diesen Kanal für den Wahlkampf Konjunktur. Bei so vielen Nutzerinnen und Nutzern wird das gute alte SMS langsam aber sicher aus dem Markt gedrängt. Ähnlich dürfte es wohl bald auch dem Messaging-Dienst von Apple namens iMessage ergehen, der auf jedem iPhone vorinstalliert ist. Denn ein Vorteil von WhatsApp ist, dass es auf jedem Smartphone, Computer oder Tablet läuft.

Messenger versus WhatsApp
Doch nicht überall auf der Welt sind die Hierarchien so verteilt wie hierzulande. Je nach Weltregion gibt es andere Platzhirsche, wenn es um die Vorherrschaft der Messaging-Dienste geht. So koordinieren die meisten Franzosen, Portugiesen oder auch die Skandinavier ihre Sozialkontakte mehrheitlich über den Facebook-Messenger. Dieser gehört zwar auch Facebook, ist aber ein Konkurrenzprodukt zu WhatsApp, das das Mutterhaus ja in einem der grössten Tech-Deals überhaupt erworben hat. 2014 blätterte Facebook-Chef Mark Zuckerberg nämlich schlappe 19 Milliarden US-Dollar für die Firma hin, die vor allem dank einer ausgeklügelten Verschlüsselung ihren Nutzern ein Mehr an Datenschutz versprach. Im Mutterland USA von Facebook und WhatsApp ist die Hierarchie denn auch anders. Dort hat der Facebook-Messenger die Nase vorn, ebenso wie in Kanada und Australien.

WhatsApp ist demgegenüber in Südamerika, fast in ganz Afrika – die Maghreb-Staaten gehören in den Einflussbereich von Facebook – und einem wichtigen Teil von Asien der meistverwendete Messenger-Dienst. Dazu kommen Russland und viele Länder der ehemaligen Sowjetunion. Mit Indonesien und Indien gehören auch zwei der bevölkerungsreichsten Länder zum Reich, das von WhatsApp dominiert wird.

Sonderfall Telegram
Dank ausgefeilter Kryptographie-Technik noch stärker abgesichert gilt der Messenger Telegram, den ein Russe programmiert hat. Kein Wunder, wird er im Iran und in Äthiopien von den meisten Leuten verwendet. Dies, weil die Sicherheitsdienste dieser beiden autokratischen Regimes den Nachrichten-Austausch nicht mitlesen können. Denn Telgram-Gründer Pawel Durow lehnt als Libertärer die Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen ab. Das hat sogar dazu geführt, dass er trotz Druckversuchen von Wladimir Putin den russischen Behörden keinen Zugang zu seinen Servern gewährte. Putin blieb nichts anderes übrig, als Telegram zu verbieten, um sein Gesicht zu wahren. 

WeChat und die chinesische Logik
Schliesslich bleibt auf der Weltkarte noch China übrig. Den Fehler der Russen, bei den Messenger-Anbietern um Zugang betteln zu müssen, haben die Chinesen nämlich vermieden. Die kommunistische Partei, die Wirtschaft und Gesellschaft noch immer unangefochten dominiert, hat dem Land einen eigenen Dienst verordnet: WeChat. Diesen kontrolliert das Regime auch bis in alle noch so kleinen Kanäle. Weil er die Nummer 1 in China ist, macht das die Überwachung sogar effizient.

Autor: Matthias Halbeis