Politischer PR-Marathon

Wie eine Volksinitiative in Politik und Gesellschaft Zustimmung findet: eine Kurzanleitung.

Die Attraktivität der Volksinitiative ist ungebrochen: Zurzeit befinden sich auf eidgenössischer Ebene neun Initiativen im Sammelstadium und 13 sind zurzeit bei Parlament oder Bundesrat hängig. Wer eine Initiative kommunikativ professionell begleiten will, muss sich bereits bei den ersten Abklärungen zum Initiativtext Gedanken über die Kommunikation machen: Ein Kommunikationskonzept mit der politischen und kommunikativen Zielsetzung steht idealerweise vor der juristischen Arbeit am Initiativtext: Strategen und Kommunikationsspezialisten sollten Juristen die Vorgaben machen, nicht umgekehrt. Fragen nach dem Namen des Komitees, den Initianten (Geschlecht, Sprachregionen, Parteien) und allfälligen Allianzpartnern sind ebenso zentral wie eine sorgfältige kommunikative Planung des Starts der Unterschriftensammlung nach dem Motto «der Start muss gelingen».

Der Strategieansatz von furrerhugi bei der kommunikativen Begleitung einer Volksinitiative.

 
Im Sammelstadium dürfen neben der eigentlichen logistischen Parforce-Leistung des Sammelns auch die Medienarbeit, die Pflege der sozialen Medien, das aktive Stakeholder Management mit bestehenden und potentiellen Allianzpartnern sowie der weitere Ausbau des Komitees nicht vernachlässigt werden. Wie bei jeder Kampagne müssen zudem genügend personelle und finanzielle Ressourcen für ein attraktives «Schlussbouquet» eingeplant werden, welches in der Regel mit der traditionellen Einreichung der Unterschriften bei der Bundeskanzlei beendet wird.

Zu diesem Zeitpunkt muss zudem bereits die Public Affairs-Strategie für die bundesrätliche Behandlung und die parlamentarische Phase definiert sein: Wird die Unterstützung der Initiative angestrebt oder peilt man einen indirekten oder direkten Gegenvorschlag an? Wie können Komitee und Allianzpartner als Multiplikatoren für die Überzeugungsarbeit im Parlament genutzt werden? Die parlamentarische Debatte ist für das Initiativkomitee handwerkliche Lobbyarbeit und mit viel Aufwand verbunden. Darüber hinaus muss bereits der Abstimmungskampf geplant werden: ein separates Konzept, weiteres Fundraising und eine neue Suche nach Unterstützerinnen und Unterstützern ist gefragt, denn der Abstimmungskampf des Initiativkomitees beginnt am Tag der Schlussabstimmung der eidgenössischen Räte. Eine Volksinitiative ist also ein währschafter PR-Marathon.

Autor: Andreas Hugi