Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zu 5G

Bald entscheidet das Bundesamt für Kommunikation über die Vergabe der Mobilfunkfrequenzen für die neue Technologie.

Die Einführung von 5G wird für eine deutliche Erhöhung der Datenübertragungskapazitäten via Mobilfunknetz sorgen. (Bild: Shutterstock)

Im Kontext der Digitalisierung gilt 5G als notwendige Basisinfrastruktur. Länder erhoffen sich durch die frühzeitige Einführung einen Startvorteil im wirtschaftlichen Wettbewerb. In den kommenden Wochen wird in der Schweiz mit der Vergabe der Mobilfunkfrequenzen durch das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Doch was genau ist 5G? Hier kommen die Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen rund um 5G.

1. Was heisst 5G?
5G ist die kommende fünfte Generation drahtloser Breitbandtechnologie. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Generationen von Mobilfunknetzen war bis anhin hauptsächlich die erreichte Übertragungsgeschwindigkeit. Die erste Generation umfasste den Start von Sprachdiensten mittels drahtloser Funktechnologie in den USA in den 1980er-Jahren. Der Wechsel zur digitalen Übertragung in den 1990er-Jahren gilt als 2G. Die Entwicklung zur Jahrtausendwende führte zum UMTS (Universal Mobile Telecommunications System), das als Mobilfunkstandard 3G gilt. Hiermit wurden erstmals Übertragungsraten erreicht, die Videotelefonie und mobiles Breitband-Internet ermöglichten. Long Term Evolution (LTE, auch als 4G bezeichnet) ist der aktuelle und derzeit schnellste Datenübertragungsstandard.

2. Was bringt 5G im Vergleich zu heute?
Der neue Mobilfunkstandard hat sechs Vorteile:

  • Reaktionszeit (Latenz): Mit 5G sinkt die Reaktionszeit (Zeit, die zwischen dem Absenden und Empfangen von Daten vergeht) von heute 25 bis 35 Millisekunden auf weniger als eine Millisekunde, das bedeutet, die Übertragung findet praktisch in Echtzeit statt.
  • Kapazität: Dank erhöhter Datenübertragungsrate können 100-mal mehr Endgeräte gleichzeitig angeschlossen werden.
  • Geschwindigkeit: Mit 5G sind Download-Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s möglich. Damit wird die Datenübertragung via Mobilfunk dank 5G-Technologie etwa zehnmal schneller als mit dem heutigen 4G-Netz oder via fixe Glasfaseranschlüsse.
  • Effizienz: Mit 5G kann der Energieverbrauch um den Faktor Tausend gesenkt werden. Das Netz wird dadurch nachhaltiger und günstiger im Betrieb.
  • Dezentrale Cloud: Mit 5G werden dezentrale, mobil miteinander verbundene Clouds möglich. Diese können verschiedenen Anwendungen die benötigten Ressourcen agiler und flexibler zur Verfügung stellen.
  • Network Slicing: Mit 5G können einzelnen Anwendungen separate und garantierte Netzkapazitäten zugeordnet werden. Das stellt die für viele Anwendungen (z. B. im Bereich Gesundheit, Sicherheit oder Mobilität) wichtige Netzstabilität sicher.


3. Warum braucht es 5G?
Jedes Jahr verdoppelt sich die Datenmenge, die wir via Mobilfunknetz übertragen. Die heutigen Technologien stossen zunehmend an ihre Grenzen. Die Einführung von 5G wird für eine deutliche Erhöhung der Datenübertragungskapazitäten sorgen. Vor allem aber machen die genannten Vorteile 5G zur Schlüsseltechnologie für das «Internet der Dinge», den Anschluss von Maschinen und Geräten an das Internet. Mobilfunknetze gelten zunehmend als entscheidende Infrastruktur. Länder, die früh über ein 5G-Mobilfunknetz verfügen, erhoffen sich einen Startvorteil bei der Entwicklung neuer Technologien und der Erschliessung neuer Geschäftsfelder.

4. Wer wird von 5G profitieren?
Vom Betrieb und Ausbau profitieren primär die Netzbetreiber Salt, Sunrise und Swisscom sowie ihre Netzausrüster Nokia, Huawei und Ericsson. Konsumentinnen und Konsumenten wird die neue Technologie noch schnelleres und zuverlässigeres Surfen ermöglichen und lebensechte Erfahrungen mit Augmented und Virtual Reality bieten. Die Chance von 5G besteht aber vor allem in neuen Anwendungen für verschiedene Wirtschaftszweige. Hiervon profitiert dann wiederum die ganze Gesellschaft.

Quelle: Bakom

Auch der Bundeshaushalt wird profitieren. Für den neuen Mobilfunkstandard 5G braucht es zusätzliche Frequenzen. Diese werden in einem Auktionsverfahren vergeben, welches die Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) konzipiert hat und durch das Bakom umgesetzt wird. Der Bund wird durch den Verkauf dieser zusätzlichen Frequenzen mindestens 220 Millionen Franken von den Telekomkonzernen Salt, Sunrise und Swisscom einnehmen.

5. Wann wird 5G eingeführt?
Das 5G-Netz von Swisscom ist punktuell bereits in sechs Schweizer Städten auf einer Testfrequenz aufgeschaltet. Sunrise hat bereits seine erste 5G-Antenne real in Betrieb. Und auch Salt führte bereits 5G-Demonstrationen durch. Generell wird erwartet, dass 5G in der Schweiz bis im kommenden Jahr eingeführt sein wird. Swisscom will bis dann sogar 99 Prozent der Bevölkerung mit 5G erschlossen haben. Im europäischen Vergleich ist die Schweiz gut dabei, nur die skandinavischen Länder sind progressiver unterwegs. Die Vorreiter beim 5G-Netzausbau kommen jedoch aus China, Asien generell sowie den USA. Dort soll die neue Mobilfunkgeneration spätestens Ende 2019 starten. Gleichzeitig wird die Präsentation erster 5G-tauglicher Smartphones bereits Ende Februar an der «MWC Barcelona» erwartet.

Ein flächendeckendes 5G-Netz in der Schweiz könnte sich jedoch verzögern, wurde es politisch doch vorerst ausgebremst. Der Ständerat hat sich im vergangenen Jahr gegen eine Erhöhung der Strahlengrenzwerte in der NISV (Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung) ausgesprochen. In städtischen Gebieten können dadurch über 90% der Anlagen nicht auf die 5G-Anforderungen ausgebaut werden, es bräuchte neue Antennen. Dieser Bau wiederum ist (zu) teuer und kann aufgrund der meist vielen Einsprachen Jahre dauern. Mitte 2019 werden Empfehlungen einer von der ehemaligen Bundesrätin Doris Leuthard eingesetzten Arbeitsgruppe zu den Bedürfnissen und Risiken beim Aufbau von 5G-Netzen erwartet.

Autor: Claudio Looser