Goldenes Händchen am Olympia-Herd

Während Olympia geht es im Schweizer Fernsehen nicht nur um Gold, Silber oder Bronze: Die Berner Köchin Eve Angst bruzzelt im TV-Studio jeden Tag eine Spezialität aus ihrem Geburtsland Südkorea.

Korea-Küche: Die Berner Köchin Eve Chun Hee Angst will ihren Gästen die gut gewürzte und aromatische koreanische Küche näherbringen. (Bild: Thomas Wälti)

Bulgogi («Feuerfleisch») ist der Renner auf der koreanischen Speisekarte. Rindshohrücken mit würzigen Beilagen bestellen die Gäste im Restaurant Chun Hee in Bern sehr gerne. In geselliger Runde um den Tischgrill oder vor einem mit Leckereien gefüllten Teller haben schon Berner Stadtpräsidenten, aber auch der südkoreanische Botschafter und Schweizer Politiker jeglicher Couleur getafelt. Wirtin Eve Chun Hee Angst, Bernerin mit südkoreanischen Wurzeln, bereitet in der Küche gerade eine Reisrolle Kimbap zu. «Die koreanische Küche ist sehr vielfältig. Essen hat bei uns einen hohen Stellenwert», sagt die 50 Jahre alte Geschäftsfrau. Ab heute lernen die Deutschschweizer Fernsehzuschauer Köstlichkeiten aus dem Olympia-Land kennen: Köchin Eve Angst verwöhnt im Rahmen der Sendung «Chaempieon» prominente Studiogäste und das TV-Publikum – jeweils zu später Stunde auf SRF zwei beziehungsweise SRF 1.

Eve Angst hat sich im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang als charmante Botschafterin ihres Heimatlandes einen Namen gemacht. Im Auftrag des «Blick» und Swiss Olympic gibt sie in witzigen Videoclips überraschende Einblicke in eine fremde Kultur.

Mit der Schärfe nicht übertreiben

Eve Angst empfängt ihre Gäste während Olympia in der Giesserei Oerlikon, wo eigens für die TV-Sendung ein Strassenrestaurant mit typisch koreanischer Dekoration aufgebaut wurde. Die Köchin wird keine One-Woman-Show abziehen; Ehemann Martin Mühlethaler, ein Spezialist für Multimedia-Produktionen, arbeitet im Hintergrund und serviert die Amuse Bouche. «Ich möchte meinen Gästen die gut gewürzte und aromatische koreanische Küche näherbringen. Die grösste Herausforderung wird sein, mit der Schärfe nicht zu übertreiben», sagt die sympathische Gastgeberin mit einem Schmunzeln. Die Namen der asiatischen Spezialitäten klingen exotisch: Kimchi-Jjigae (Eintopf-Gericht), Bibimbap (Reistopf), Mandu (Teigtaschen mit Fleischfüllung). Zu den Köstlichkeiten werden gewöhnlich koreanisches Bier oder der Reisschnaps Soju gereicht. «Koreas Weinkultur befindet sich im Aufbau», meint Eve Angst.

Fusion-Küche und Herzblut

Im «Chun Hee» dagegen kann der Gast sehr wohl ein gutes Glas Wein geniessen. Auch auf ein 200 Gramm schweres Rindsfilet aus dem Emmental braucht er nicht zu verzichten – es wird lediglich koreanisch veredelt. Das Restaurant an der Münstergasse 39 orientiert sich an Asien und bietet eine Fusion-Küche an. Darunter versteht man die Verschmelzung von Aromen und Einflüssen aus verschiedenen Teilen der Welt. Das Lokal hat sich unter Berns Lauben zum Geheimtipp entwickelt; es empfiehlt sich, am Abend einen Tisch zu reservieren. «Wir haben ein schönes Ambiente mit Kachelofen und koreanischen Accessoires. Die Gäste fühlen sich wohl und schätzen es, dass unsere Angestellten mit Herzblut arbeiten», äussert sich Eve Angst zum Erfolgsgeheimnis. Und fügt an: «Vor zwei Jahren habe ich mit der Eröffnung eines eigenen Lokals ein Herzensprojekt realisiert.»

Gemeinsamer Einmarsch als hoffnungsvolles Signal

«Es freut mich sehr, dass nun alle Augen auf Südkorea gerichtet sind. Die Olympischen Winterspiele 2018 werden dank Globalisierung und medialer Entwicklung viel besser wahrgenommen als die Sommerspiele 1988 in Seoul», sagt Angst. Die südkoreanische Bevölkerung werde sich dem Grossanlass mit Begeisterung zuwenden und mit Leib und Seele dabei sein. An der Eröffnungsfeier laufen die Sportlerinnen und Sportler aus Nord- und Südkorea gemeinsam hinter einer Vereinigungsflagge ins Stadion – wie schon 2000 in Sydney, 2004 in Athen und 2006 in Turin. «Es ist ein hoffnungsvolles Signal. Ich möchte es aber nicht überbewerten. Sport funktioniert anders als Politik. Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich dadurch viel verändern wird», sagt Angst.

Als Adoptivkind in die Schweiz

«Annyeonghaseyo», sagt Eve Angst als Erstes in den witzigen Videoclips des «Blick» und Swiss Olympic – «Grüezi miteinander». Es ist eines der wenigen Worte, das sie auf Koreanisch aussprechen kann. «Ich habe meine Muttersprache nach der Adoption verlernt», sagt Eve Angst. Mit 5 Jahren verliess sie ihre Geburtsstadt Busan. Sie wurde von einer Zürcher Familie aufgenommen. Über ihre Kindheit möchte die studierte Lehrerin und spätere Projektleiterin bei der Stadt Bern nicht viel erzählen, die Erinnerungen hat sie verdrängt. Den Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter, die nach wie vor in Busan lebt, hat Eve Angst 1994 aber wieder hergestellt. Seither hat sie sie regelmässig besucht – wie auch ihre Schwester und die beiden Brüder. «Die Konversation ist jedoch schwierig. Meine Mutter und die Geschwister sprechen nur Koreanisch», sagt Eve Angst. Mit der Messenger-App Kakao Talk, einem rudimentären Übersetzungsprogramm oder mit Hilfe eines Dolmetschers kann sich die Mutter von drei erwachsenen Söhnen mit ihren Familienmitgliedern in Asien austauschen.

Schweiz und Südkorea weisen Gemeinsamkeiten auf

Eve Angst findet, dass Schweizer und Koreaner viele Gemeinsamkeiten aufweisen: «In beiden Ländern gibt es schaffige, freundliche und hilfsbereite Leute, bisweilen etwas konservativ und gerne im vertrauten Kreis.» Wie viel Korea steckt in Eve Angst? «Als Mensch fühle ich mich wie eine Schweizerin. Ich habe einen Hang zum Perfektionismus und bin selbstständiges Denken gewohnt.» Der Koreaner sei weniger pingelig, lasse auch mal fünf gerade sein. «In der Seele jedoch bin ich eine Koreanerin. Freunde attestieren mir eine grosse Gastfreundschaft. Ich koche halt sehr gerne.»

Na dann: Zu Tisch! 

Autor: Thomas Wälti