Finnair first beim Sicherheitscheck

Das sind die verlässlichsten Airlines der Welt.

Finnlands nationaler Carrier ist vom renommierten Hamburger Flugunfallbüro JACDEC zur sichersten Airline der Welt im Jahr 2018 ernannt worden. Mit einem Risikoindex von 93,91 Prozent verweist die finnische Fluggesellschaft die Billigairlines Scoot Tigerair aus Singapur und Norwegian Air Shuttle auf die Plätze zwei und drei.

Die Lufthansa erreicht im jährlichen Sicherheitsranking, das JACDEC gemeinsam mit dem Luftfahrtmagazin «Aero International» erstellt, den 21. Platz – weiter vorne ist keine andere Fluglinie aus dem deutschsprachigen Raum klassiert. Die Swiss verliert gegenüber 2017 weitere 20 Ränge und taucht erst auf Platz 60 auf.

Emirates, Gewinnerin 2017, landet auf dem vierten Platz. Im hintersten Bereich der Wertung, die ausschliesslich für die Zivilluftfahrt bestimmt ist, figurieren Airlines aus Äthiopien, Russland und Indonesien.

Pro Jahr werden über vier Milliarden Passagiere befördert
Laut JACDEC-Studie starben im Jahr 2018 weltweit 562 Menschen bei Flugzeugunglücken – allein 189 Opfer gab es beim Absturz einer Boeing 737 MAX 8 der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air zu beklagen. Die Maschine stürzte am 29. Oktober 2018 wenige Minuten nach dem Start nordöstlich von Jakarta ins Meer. «Es wird immer ein Restrisiko geben, jedoch wird sehr viel getan, um dies so gering wie möglich zu halten», sagt Jan-Arwed Richter, Gründer und Leiter des deutschen Flugunfallbüros. «Der riskanteste Teil einer Flugreise ist und bleibt die Autofahrt zum Flughafen.»

Laut Angaben des Internationalen Luftfahrtverbands (IATA) haben die Fluggesellschaften im Jahr 2017 weltweit über 4 Milliarden Passagiere befördert.

Die JACDEC-Studie erfasst die weltweit 100 Linien mit der grössten Verkehrsleistung. JACDEC definiert den Begriff «Sicherheit» als die Abwesenheit von Unfällen. Hierzu analysiert das deutsche Flugunfallbüro laufend sämtliche verfügbaren Sicherheitsdaten aller aktiven Airlines der Welt. Dazu zählen neben den einzelnen Unfällen und Zwischenfällen im Flugbetrieb auch spezifische Risikofaktoren, die aktuell auf eine Airline einwirken – wie etwa Wettereinflüsse, Topographie, Flottenalter, Netzwerkprofil, Sicherheitsaudits und vieles mehr. Für den Index werden nur Unfallereignisse gezählt, bei denen Passagiere an Bord waren. Es werden also keine Fracht-, Überführungs- oder Testflüge oder am Boden geparkte Flugzeuge berücksichtigt.

Risiko-Index mit über 30 Parametern
Insgesamt gibt es über 30 Parameter, die in den Risiko-Index einfliessen. Jeder Faktor wirkt sich unterschiedlich belastend auf den Index aus – der Maximalwert von 100 Prozent ist nur theoretisch erreichbar. Dem entgegen steht die Flugleistung, gemessen in geflogenen Passagierkilometern positiv gegenüber. Um einen Index zu erhalten, muss eine Airline mindestens vier Jahre dauerhaft operieren und eine Mindestgrösse von 1 Million Passagierkilometern aufweisen. Die Unfallgeschichte wird 30 Jahre zurück berechnet, hierbei werden aktuelle Jahre am stärksten, weiter zurückliegende Jahre entsprechend geringer für den Index gewichtet, sodass sich beispielsweise die Belastung eines tödlichen Unfalls bei einer kleineren Airline nicht 30 Jahre lang dauerhaft belastend auswirkt.

Platz 60 – Swiss ist nicht beunruhigt
Die Swiss kommentierte den 60. Platz im JACDEC-Sicherheitsranking wie folgt: Das Ranking vermöge die Komplexität des Themas Flugsicherheit leider nicht zu spiegeln. Auch wenn die Kriterien der Datenerhebung teilweise angepasst worden seien, müsse die Statistik kritisch betrachtet werden, liess eine Sprecherin der Swiss im «Blick» verlauten. Einerseits werde 30 Jahre zurückgeblickt, als manche Airline wie auch die Swiss noch gar nicht existiert habe. Andererseits liessen die Rankings keinen Rückschluss auf die Zukunft zu. Die Statistik sage auch nichts über den Grund von Totalverlusten aus und damit auch nichts über die firmeninterne Sicherheitspolitik. Die Swiss operiere nach höchsten Sicherheitsstandards und sei auch 2018 wiederum unfallfrei geblieben, so die Sprecherin der Swiss.

Autor: Thomas Wälti