Die DNA der WM-Teams

Während Frankreichs Weltmeister Kylian Mbappé noch in der heimischen Liga bei Paris Saint-Germain spielt, hat Kroatien im WM-Final ein Team aus Legionären gestellt. Verblüffendes zur Fussball-WM in Russland.

Jeder dritte Akteur im Kader des frischgebackenen Fussball-Weltmeisters Frankreich spielt noch in der heimischen Ligue 1 – dank starken Klubs wie Paris Saint-Germain, Olympique Marseille oder AS Monaco. Kroatien dagegen setzte auf seinem Weg in den WM-Final nur marginal auf einheimisches Schaffen: 21 der 23 Akteure Kroatiens standen bei Vereinen ausserhalb ihres Heimatlandes unter Vertrag.

Das Schweizer Fussball-Forschungsinstitut CIES hat von sämtlichen 32 WM-Teilnehmern vor Turnierbeginn in Russland ein Profil erstellt. Die Neuenburger Fussballforscher analysierten dabei die Qualifikationsphase zur WM 2018. Der automatisch qualifizierte Gastgeber Russland wurde aufgrund seiner Länderspiele bewertet.

Die erhobenen Zahlen und Fakten beinhalten die Bereiche Alter, Grösse, Geburtsland und Klubzugehörigkeit. 1032 Spieler waren in die WM-Kampagne 2018 involviert. Die CIES-Studie förderte bemerkenswerte Ergebnisse zu Tage, die im Kontext zu der in der Schweiz geführten Doppelbürger-Debatte beziehungsweise zur Causa Mesut Özil in Deutschland, wo der Weltmeister vom DFB-Präsidenten aufgefordert wird, öffentlich zum umstrittenen Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan Stellung zu beziehen, zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Marokko: 61,5 Prozent nicht im Land geboren

98 der 1032 in die WM-Qualifikation involvierten Spieler – 9,1 Prozent oder fast jeder Zehnte – sind nicht in dem Land geboren, für das sie antreten. Marokkos Auswahl, die zahlreiche Fussballer mit doppelter Staatsbürgerschaft vereinigt, «gewann» diese Wertung mit 61,5 Prozent und deutlichem Vorsprung auf Senegal (39,4%) und Portugal (32,1%), welche ebenfalls etliche Spieler mit Migrationshintergrund einsetzten.

Die Schweiz (31,0%) folgt auf Platz vier. In diesem Zusammenhang liess der Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic verlauten, dass die kulturelle Vielfalt das Geheimnis des helvetischen Erfolgs sei. «Wir haben es geschafft, verschiedene Kulturen, verschiedene Talente und verschiedene Ideologien zusammenzubringen. Das hilft uns, richtig guten Fussball zu spielen.» Diese Worte sagte Petkovic an einer Medienkonferenz vor der WM.

Brasilien, Deutschland, Iran, Kolumbien, Mexiko, Saudi-Arabien und Südkorea stellten in der WM-Qualifikation andererseits keinen einzigen im Ausland geborenen Sportler.

Gemäss CIES-Forschern standen in der vergangenen WM-Kampagne 64,6 Prozent der Nationalspieler bei Klubs ausserhalb ihres Heimatlandes unter Vertrag. Während Island, Kroatien und Schweden im Aufgalopp zur Fussball-WM in Russland ausschliesslich auf Legionäre bauten, setzten England und Saudi-Arabien nur Akteure ein, die in der heimischen Liga engagiert waren (siehe Grafik).

Panama hält Altersrekord

Panama qualifizierte sich als ältestes Team für die Welttitelkämpfe in Russland. Die Kicker aus Mittelamerika wiesen nach der WM-Qualifikation ein Durchschnittsalter von 29,4 Jahren auf – im Schnitt waren die Spieler des WM-Neulings 4,5 Jahre älter als die Vertreter Nigerias, jüngste Equipe in der Vorausscheidung. Serbien marschierte mit den grössten Spielern durch die Qualifikation (Durchschnittsgrösse: 185,6 Zentimeter), Saudi-Arabien grüsste in dieser Wertung vom Tabellenende – die Durchschnittsgrösse des 23-Mann-Kaders von Trainer Juan Antonio Pizzi betrug 176,2 Zentimeter.

Autor: Thomas Wälti