Der digitale Bruch

40 Jahre Musikindustrie in einer Grafik.

Die alten Musikliebhaber werden Nick Hornbys Roman «High Fidelity» (1995) mit viel Wehmut lesen: Der Plattenladen des Hauptprotagonisten Robert Flemings ist ein Paradies für alle Neugierigen, Schwärmer und Vinyl-Fetischisten. Man taucht ein in die Welt bunter Covers, avantgardistischer Gitarrensoli und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.

Tempi passati. Genauso wie «High Fidelity» ein amüsanter Klassiker aus längst vergangener Zeit ist, verhält es sich mit den analogen Tonträgern Vinyl, Kassetten und Compact Discs (CD). Die Musikindustrie erlebte kurz vor der Jahrtausendwende ihren Höhepunkt mit einem Umsatz von 21,5 Milliarden Dollar. Doch dann kam die Digitalisierung, und die Industrie wurde regelrecht umgepflügt. Am Anfang steht Napster. Die Musiktauschbörse ging 1999 online. Die MP3-Musikdateien konnten leicht über das Internet verteilt werden. Napster wurde zwar 2002 geschlossen, doch der Geist war aus der Flasche. Die Folgen der Piraterie auf die Musikindustrie waren sofort spürbar. Der Umsatz der gesamten Branche brach ein. Der Rückgang dauerte 15 Jahre lang bis 2015. 

Eine neue Technologie läutete die Kehrtwende ein: Streamingdienste wie Spotify und Pandora vermochten zwar die CD-Verkäufe nicht zu ersetzen, doch gelang es der Musikindustrie wieder, ihre Umsätze zu steigern. Und es gibt einen Lichtblick für alle alten Schwärmer und Musikliebhaber. 2017 erreichten die Verkäufe der Vinyl-Platten, denen zu früh der Tod prophezeit worden war, den höchsten Stand seit 25 Jahren. Der Visual Capitalist hat die bewegte Geschichte der Musikindustrie in den letzten 40 Jahren schön illustriert. Die Zahlen stammen von der US-Musikindustrie (Recording Industrie Association of America, RIAA).

Autor: Pascal Ihle