Chinas Angriff auf die US-Tech-Giganten

Die 20 grössten Technologieunternehmen weltweit stammen entweder aus den USA oder aus China.

Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft, Facebook: Noch führen die USA das Ranking der nach Börsenwert grössten Technologiekonzerne geschlossen an. Doch China holt auf. Laut einer Statistik des kanadischen Medienunternehmens Visual Capitalist figurieren neun internetbasierte Tech-Giganten aus dem Reich der Mitte in den Top 20 (siehe Grafik) – vor fünf Jahren war China in dieser Wertung mit lediglich drei Firmen vertreten gewesen. 

Während 2013 auch Japan (2 Konzerne), Russland (1) und Südkorea (1) im Konzert der Grossen mitspielten, sind die Vereinigten Staaten und China im Ranking der 20 wertvollsten Technologieunternehmen inzwischen unter sich. 12 Tech-Giganten stammen aus den USA, 9 aus China – auf Platz 20 sind zwei Unternehmen ex aequo klassiert. Eine solche Länderkonzentration gibt es im Vergleich zu anderen Branchen nicht. Die Automobilindustrie, um nur ein Beispiel zu nennen, ist auf der Weltkarte breit verteilt – VW (Deutschland), Renault (Frankreich), Fiat (Italien), Lada (Russland), Tata (Indien), Toyota (Japan), Hyundai (Südkorea), Ford (USA).

Der Börsenwert der fünf US-Tech-Giganten liegt zwischen 915 und 556 Milliarden Franken. Der Online-Händler Alibaba (484 Milliarden Franken) und Tencent (477), Betreiber des Kurznachrichtendienstes WeChat, folgen als beste Vertreter Chinas auf den Plätzen 6 und 7. Wieso ist China so erfolgreich? Das Schweizer Anlegerportal finanzen.ch sieht China als Vorreiter im innovativem Einzelhandel. Ausserdem biete ein robuster Entertainmentmarkt mit neuen Technologien viel Spielraum für Wachstum, schreibt die Redaktion. Um anzufügen: «Aber auch mobile Bezahlmöglichkeiten haben es der chinesischen Wirtschaft ermöglicht, so erfolgreich zu wachsen. Deutsche Händler wie Rossmann oder der Münchner Flughafen akzeptieren sogar bereits die chinesischen Bezahlmethoden.»

Die 20 weltweit grössten Technologiekonzerne haben einen Börsenwert von insgesamt 5,9 Billionen Franken, wovon die US-Firmen 75 Prozent dieser Summe auf sich vereinen. Was auffällt: Die grosse Lücke zwischen Rang 7 (Tencent) und 8 (Netflix). Unternehmen mit einem Börsenwert zwischen 200 und 450 Milliarden Franken fehlen im Ranking gänzlich. Das zeigt, wie schwierig es sein wird, in die Phalanx der Top 7 einzubrechen, die für 81 Prozent des gesamten Börsenwerts verantwortlich zeichnen.

Bemerkenswert: Samsung fehlt im Ranking. Womöglich hat das damit zu tun, dass der südkoreanische Elektronik- und Smartphone-Gigant auf Diversifikation setzt.

Autor: Thomas Wälti