China rüstet auf

611 Milliarden US-Dollar haben die Vereinigten Staaten 2016 in ihre Streitkräfte gesteckt – das ist mehr als ein Drittel der weltweiten Militärausgaben. China erhöhte seine Rüstungsausgaben seit 2007 um 118 Prozent. Die Erdöl exportierenden Länder mussten den Verteidigungshaushalt kürzen.

Die weltweiten Militärausgaben beliefen sich 2016 auf 1,686 Billionen US-Dollar – eine unfassbare Zahl. Diese exorbitante Summe entspricht 2,2 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts vom Vorjahr oder 227 US-Dollar pro Kopf der Weltbevölkerung, rechnet die neuste Studie des internationalen Friedensforschungsinstituts in Stockholm (Sipri) vor. Die globalen Rüstungskosten sind gegenüber 2015 um 0,4 Prozent gestiegen.

Die USA verfügten 2016 über das grösste Budget: 36 Prozent der weltweiten Verteidigungsausgaben oder 611 Milliarden US-Dollar investierten die Vereinigten Staaten in den Militärbereich. China (215 Milliarden) und Russland (69,2 Milliarden) folgen auf den Plätzen 2 und 3. Diese beiden Nationen erhöhten ihre Rüstungsausgaben seit 2007 signifikant; China um 118 Prozent, Russland um 87 Prozent. Ebenfalls beachtlich sind Indiens Investitionen: der Staat erhöhte seinen Militäretat um 54 Prozent. Spitzenreiter in dieser Wertung sind die Vereinigten Arabischen Emirate – Dubai wendete 22,8 Milliarden US-Dollar für das Militär auf (+123%).

Ölkrise wirkte sich aus
Den umgekehrten Weg gingen Erdöl exportierende Länder. Wegen des dramatisch gesunkenen Ölpreises mussten vor allem Venezuela (-56%), Südsudan (-54%), Aserbaidschan (-36%), Irak (-36%) und Saudiarabien (-30%) ihre Verteidigungshaushalte markant zurückfahren. Saudiarabien reduzierte das Budget im Vergleich zum Jahr 2015 um 25,8 Milliarden US-Dollar.

Die Militärausgaben der Schweiz beliefen sich im Jahr 2016 auf 4,61 Milliarden Franken, was einem Plus von sechs Prozent gegenüber 2015 entspricht.

Während Länder in Asien, Ozeanien, Mittel- und Osteuropa sowie in Nordafrika die Militärausgaben tendenziell erhöhten, kürzten Nationen in Mittel- und Südamerika, der Karibik sowie im Nahen Osten und in der Subsahara-Region die entsprechenden Budgets.

Lettland und Litauen reagieren auf russische Bedrohung
Aus europäischer Sicht erstaunen zwei Zahlen aus dem Baltikum: Lettland und Litauen steigerten den Etat für ihre Streitkräfte auch aufgrund der latent drohenden Russland-Ukraine-Krise um satte 44 respektive 35 Prozent. Kein anderes Land in Europa – ja, weltweit – weist prozentuell eine höhere Steigerung auf als Lettland, das 0,4 Milliarden US-Dollar für das Militär bereithält.

Die Friedensforscher untersuchten auch den weltweiten Waffenhandel. Die grössten Exporteure waren gemäss der Studie die USA und Russland, welche 56 Prozent der globalen Rüstungsexporte abdecken (USA 33%, Russland 23%). Indien ist der bedeutendste Importeur von schweren Waffen – 13 Prozent des weltweiten Waffenarsenals befindet sich im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde.

Prozentuell am meisten eingekauft haben seit 2007 Oman (+692%), Bangladesh (+681%) und Taiwan (+647%); Kasachstan (+269%), Katar (245%), Saudiarabien und Thailand (beide 212%) sowie Vietnam (202%) folgen auf den weiteren Plätzen.

Zwei Länder wurden in der Studie der schwedischen Forscher nicht erwähnt: Nordkorea und Syrien. Weder aus Kim Jong-uns Atom-Macht noch aus dem Bürgerkriegsland liegen verlässliche Zahlen vor.

Autor: Thomas Wälti