Die Faulheit der Eidgenossen rächt sich

Die Schweiz hat im globalen Demokratie-Index des «Economist» wieder einen Platz eingebüsst – wegen zu niedriger Stimmbeteiligung.

Das britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» hat zum 10. Mal seinen Demokratie-Index veröffentlicht. Dieser veranschaulicht, wie sich der Demokratie-Status in 165 Staaten der Welt entwickelt.

Die ersten drei Plätze werden von den nordischen Ländern Norwegen, Schweden und Island belegt, gefolgt von Neuseeland und Dänemark. Die Schweiz befindet sich nur auf Platz 9 der Liste, gemeinsam mit Finnland. Doch mehr dazu später. Am hinteren Ende der Rangliste liegen Nordkorea, Syrien, Tschad, die Zentralafrikanische Republik sowie die Demokratische Republik Kongo.

Demokratie weltweit auf dem Rückgang
Der Befund des Reports für das Jahr 2017 ist aber allgemein nicht berauschend, wie die Autoren schreiben: So hat die Demokratisierung weltweit abgenommen, und zwar so viel, wie seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Insgesamt haben sich 89 Länder in der Bewertung verschlechtert, nur 27 konnten im Demokratisierungsprozess aufsteigen.

Besonders unter Beschuss geraten sind dabei die freie Meinungsäusserung und die Medienfreiheit. Sie litten sowohl unter staatlichen Repressionen wie auch unter Eingriffen von nicht-staatlichen Akteuren.

Der Index basiert auf 5 Faktoren:

  • Wahlverfahren und Pluralismus
  • Bürgerrechte
  • Funktionsfähigkeit der Regierung
  • politische Partizipation
  • politische Kultur


Die untersuchten Länder werden in vier Kategorien eingeteilt:

  • Volle Demokratie
  • Mangelhafte Demokratie
  • Hybrid-Regime
  • Autoritäres Regime


Warum liegt die Schweiz «nur» auf Platz 9?
Der «Hort der direkten Demokratie» liegt bloss im Mittelfeld der besten Demokratien weltweit. Im Vergleich zum letztjährigen Index hat unser Land einen Platz eingebüsst und liegt jetzt gleichauf mit Finnland.

Hier sind die Gründe:

  1. Wahlverfahren und Pluralismus: In dieser Kategorie erreicht die Schweiz – obwohl bei uns das Volk regelmässig abstimmen kann – nur den zweithöchsten Wert. Länder wie Norwegen, Island, Neuseeland, Dänemark, Australien, Finnland, Luxemburg und Uruguay erreichen hingegen die volle Punktzahl.
  2. Funktionsfähigkeit der Regierung: Hier erreicht die Schweiz ebenfalls den zweithöchsten Wert. Vor ihr liegen nur Norwegen, Schweden und Kanada.
  3. Politische Partizipation: Bei der politischen Partizipation schneidet unser Land mit 7.78 Punkten sogar nur auf dem vierten Platz ab. Die höchste Punktzahl erreicht auch hier Norwegen.
  4. Politische Kultur: Hier erreicht die Schweiz hinter Norwegen, Island, Schweden und Irland und gemeinsam mit Dänemark die zweithöchste Punktzahl.
  5. Bürgerrechte: Die Schweiz erreicht nur die vierthöchste Punktzahl zusammen mit Dänemark, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Österreich.

Dass die Schweiz nicht unter den Top 3 liegt und sogar im Vergleich zu vor einem Jahr noch einen Rang verloren hat, mag unter anderem auch daran liegen, dass die Schweizer zwar häufig abstimmen dürfen, dies aber nicht sehr diszipliniert tun. So gibt es für Stimmbeteiligungen unter 50 Prozent im Rating ziemliche Abzüge.

In Westeuropa hat sich der Demokratie-Wert generell leicht verschlechtert, von 8.40 im Jahr 2016 auf 8.38. Dennoch sind 7 der Top Ten im Feld der «Echten Demokratien» europäische Länder. Westeuropa hat insgesamt 14 «Echte Demokratien» und sechs «Mangelhafte Demokratien». Unter letzteren sind überraschenderweise auch unsere Nachbarn Frankreich und Italien sowie Portugal rangiert. Und dann gibt es auch noch die Türkei, die als «Hybrides Regime» eingestuft wird. Das ist die letzte Vorstufe vor den Diktaturen.

Autor: Matthias Halbeis