Weshalb die Schweiz zu den innovativsten Ländern Europas zählt

Ranking der Hochschulen mit ETH, EPFL und den Unis Zürich und Basel unter den Top 15.

Die Schweizer Universitäten und Hochschulen dürfen sich über gute Noten freuen: Im europaweiten Hochschulranking «Reuters Top 100 – Europe’s Most Innovative Universities 2018» des britischen Medienkonzerns Thomson Reuters figurieren mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (Platz 4), der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (10), der Universität Zürich (13) und der Universität Basel (15) gleich vier Schweizer Bildungseinrichtungen in den Top 15.

Als innovativste Universität Europas wurde zum dritten Mal nacheinander die Katholische Universität (KU) Leuven in Belgien ausgezeichnet. Die Hochschule in Flandern war 1425 von Papst Martin V gegründet worden. Die KU Leuven habe mit ihren Forschungsergebnissen wesentlich zur Förderung der Wissenschaft, zur Erfindung neuer Technologien und zur Erschliessung neuer Märkte und Branchen beigetragen, so Reuters. Zum dritten Mal in Folge klassierten sich das Imperial College London und die University of Cambridge auf den Rängen 2 und 3.

Die Reuters-Studie fördert noch eine weitere, bemerkenswerte Rangliste zutage. Stellt man das Top-100-Ranking Europas ins Verhältnis zur Anzahl Einwohner der klassierten Ländern, gerät man ins Staunen: Belgien (7 Universitäten) und die Schweiz (5) gelten auf der Pro-Kopf-Basis als innovativste Länder Europas. Das bevölkerungsreichste Land des Kontinents, Russland, ist auf der Reuters-Liste gar nicht erst vertreten.

Zur Erstellung des Rankings von Thomson Reuters wurden verschiedene Kriterien herangezogen; so zum Beispiel die Anzahl angemeldeter Patente und deren Erfolgsquote, die Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen sowie die Zitationshäufigkeit der Forschungsberichte. Das Beratungsunternehmen Clarivate Analytics hatte im Zeitraum zwischen 2011 und 2016 entsprechende Daten zusammengetragen.

Trotz den Plätzen zwei und drei ist Grossbritannien der grosse Verlierer in der diesjährigen Innovationswertung. Die 21 in den Top 100 figurierenden britischen Universitäten verloren im Vergleich zum Vorjahr kumulativ 35 Plätze. Gemäss Reuters habe insbesondere der bevorstehende Brexit zum schlechteren Abschneiden geführt. Die europäische Wissenschaftsgemeinschaft würde Grossbritannien allmählich verlassen, um in anderen Ländern an Forschungsinstitutionen zu arbeiten. Auch britische Doktoranden sähen ihre berufliche Zukunft eher im EU-Raum oder in den USA als im Vereinigten Königreich.

Grosser Gewinner im Innovationsranking 2018 ist Deutschland. Die 23 deutschen Universitäten konnten sich kumulativ um 23 Ränge verbessern – kein anderes Land hat in Europa stärker zugelegt. Laut Reuters sei das gute Abschneiden auf das grosse Engagement der Bundesregierung zurückzuführen. So seien das nationale Forschungsbudget erhöht und die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen in der Höhe von 4,6 Milliarden Euro geschaffen worden. Als Folge davon hätten mindestens 4000 internationale Wissenschaftler nach Deutschland gelockt werden können. Ausserdem habe die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Jahr 2016 insgesamt 2,9 Milliarden Euro an zusätzlichen Forschungsgeldern bereitgestellt. In dieser Hinsicht kann Grossbritannien mit Deutschland nicht konkurrieren.

Die Schweiz hat sich gegenüber 2017 gesteigert. Die fünf helvetischen Bildungseinrichtungen – auf Platz 74 erscheint noch die Universität Genf – konnten im Top-100-Ranking Europas kumulativ acht Plätze zulegen. Nur Deutschland schliesst in dieser Wertung besser ab.

Autor: Thomas Wälti