Dr. Strangelove or How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb
(Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben)
USA 1964, von Stanley Kubrick, mit Peter Sellers, George C. Scott und Sterling Hayden

Spoiler-Alert
General Jack D. Ripper befiehlt einem amerikanischen Bomber auf Trainingsflug einen Angriff auf ein Ziel in Russland – und sieht dies als Reaktion auf kommunistische Infiltration, denn die Sowjets seien daran, Amerika durch Fluoridisierung zu vergiften. Der ausgelöste Angriffsplan basiert auf dem Szenario, dass die Regierung in Washington die Kontrolle verloren hat, und kann deshalb ohne Einverständnis des Präsidenten erfolgen. Um nicht zum Widerruf seines Befehls gezwungen werden zu können, erschiesst sich General Ripper.
Im War Room des Pentagon versucht Präsident Merkin Muffley im Dialog mit den Sowjets die Katastrophe abzuwenden, u. a. durch den Abschuss des eigenen Flugzeugs. Letztlich sind die Bemühungen aber vergeblich: Die Sowjetunion hat eine «Doomsday Machine», die im Fall eines Angriffs auf ihr Land die Welt zerstört. Über diese zwecks Abschreckung entwickelte Waffe hätte schon bald informiert werden sollen.

Sehenswert für

  • eine unsterbliche, furchterregende Satire auf die Abschreckungslogik des Kalten Kriegs
  • herausragende darstellerische Leistungen von George C. Scott als Hyper-Militarist und Peter Sellers in gleich drei Paraderollen als US-Präsident, britischer Offizier und deutscher Wissenschaftler

Siegreiche Strategie
Keine – die Doomsday Machine legt die Erde in Schutt und Asche

Erfolglose Strategie
Die Logik der Abschreckung provoziert die USA und die Sowjetunion, irreversible Vorgehensweisen zu entwickeln und damit das atomare «chicken game» auf die Spitze zu treiben: Ein amerikanischer General erschiesst sich nach dem Angriffsbefehl, um ihn nicht widerrufen zu können. Wird die Sowjetunion angegriffen, zerstört ihre Doomsday Machine die ganze Welt. Trotz guten Willens beider Regierungen löst der Kommandant eines Luftwaffenstützpunkts eine Kaskade aus, die zum Weltuntergang führt.

Wie wird Politik dargestellt?
Die politische Führung der beiden Supermächte – der amerikanische Präsident im War Room im Bild, sein sowjetisches Gegenüber scheinbar nicht ganz nüchtern bei seiner Geliebten am Telefon mit ihm – üben sich in Dialog und Deeskalation, um die Zerstörung, die ein zu Verschwörungstheorien neigender General in Gang gesetzt hatte, doch noch zu verhindern. Sie wirken aber schwach und können der militärischen Logik wenig entgegensetzen. Der im War Room im Zentrum stehende amerikanische Offizier scheint es letztlich positiv zu finden, dass sein Stützpunktkommandant Stärke gezeigt hat, ebenso wie der titelgebende deutsche Wissenschaftler, der zum amerikanischen Sicherheitsestablishement gehört, aber offensichtlich nicht ganz entnazifiziert wurde. Der sowjetische Botschafter gibt dem amerikanischen Präsidenten Tipps im Umgang mit seinem sowjetischen Pendant, das er offensichtlich nicht ernst nimmt.

Themen
Präsidentschaft, Diplomatie, Krieg

Zitat
«War is too important to be left to the politicians.»

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