Google integriert nun KI in seine Websuche. Das wird grosse Auswirkungen auf die Art haben, wie wir das World-Wide-Web, also das Internet, durchsuchen. (Foto: Shutterstock)

Die jüngste Ankündigung von Google über seine neue KI-gestützte Suchfunktion hat in der Verlagsbranche für Aufregung gesorgt. Da Google seinen Gemini-KI-Engine in das Suchprodukt integriert, befürchten viele Verlage, dass diese Veränderung ihre Besucherzahlen und Einnahmen erheblich beeinflussen könnte. Die Sorge ist weit verbreitet. Die renommierte US-Publikation «Columbia Journalism Review» hat mit Branchenexperten gesprochen. Hier sind ihre Befürchtungen:

Weniger Traffic durch KI-Zusammenfassungen: Mit KI-generierten Zusammenfassungen, die jetzt ganz oben in den Suchergebnissen erscheinen, werden traditionelle Links zu externen Websites weiter nach unten verschoben. Diese Veränderung könnte die Anzahl der Klicks, die Nachrichtenseiten erhalten, erheblich reduzieren. Verlage befürchten, dass Nutzende ihre Seiten nicht mehr besuchen müssen, wenn sie die Antworten direkt von Googles KI-Zusammenfassungen erhalten. Ein Beispiel: Auf die Frage, wo man die Nordlichter am besten sehen könne, antwortete Googles KI mit dem Arktischen Kreis in einem ausführlichen Text, was zusätzliche Klicks überflüssig machte.

Rückgang der Werbeeinnahmen: Der Rückgang von Traffic ist direkt mit einem Rückgang der Werbeeinnahmen verbunden. Da weniger Nutzende Nachrichtenseiten besuchen, sinkt die Anzahl der Werbeeinblendungen, was zu geringeren Einnahmen führt. Gartner, ein Technologie-Forschungsunternehmen, prognostiziert, dass der gesamte Google-Suchverkehr bis 2026 um 25 % sinken könnte. Raptive, das Dienstleistungen für zahlreiche Websites anbietet, schätzt, dass einige Seiten bis zu zwei Drittel ihres bisherigen Google-Traffics verlieren könnten, was einen erheblichen finanziellen Schlag für die Seitenbetreibenden bedeuten würde.

Abhängigkeit vom Google-Ökosystem: Trotz der Zusicherungen von Google, dass es weiterhin Traffic an Verlage weiterleiten möchte, herrscht Skepsis vor. Der Tech-Konzern argumentiert, dass KI-Zusammenfassungen zu einem Wachstum hochwertiger Inhalte führen können, da Nutzende möglicherweise weiterhin auf Links klicken, um detailliertere Informationen zu erhalten. Historisch gesehen hat jedoch der Trend gezeigt, dass die traditionelle Anordnung der ersten 10 blauen Google-Treffer an Bedeutung und Wert verloren hat, da Google immer mehr Funktionen wie Werbung, Infoboxen und Karussells hinzugefügt hat. Verlage befürchten, dass KI-generierte Antworten diesen Traffic weiter verringern werden.

Konkurrenzdruck und rechtliche Bedenken: Googles Vorstoss in Richtung KI-Integration wird teilweise durch den Konkurrenzdruck von Unternehmen wie OpenAI und Microsoft angetrieben. Diese Konkurrenten haben ihre eigenen KI-Technologien entwickelt, was Google zu schnellen Innovationen zwingt. Dieser Eilprozess hat zu Problemen mit sogenannten «Halluzinationen» der KI geführt, bei denen die KI ungenaue oder völlig falsche Informationen generiert. Solche Fehler könnten Google möglicherweise rechtlich haftbar machen, im Gegensatz zu den Listen externer Links, die in den USA durch den Abschnitt 230 des Communications Decency Act geschützt sind.

Unterschiedliche Reaktionen der Verlage: Nachrichtenunternehmen haben unterschiedliche Ansätze zur Bewältigung des KI-Booms gewählt. Einige wie Axel Springer und die Associated Press haben Lizenzverträge mit KI-Unternehmen abgeschlossen und erhalten Zahlungen und Links zu ihren Inhalten im Austausch dafür, dass ihre Archive für das KI-Training genutzt werden dürfen. Andere wie die New York Times und The Intercept beschreiten den juristischen Weg wegen der unbefugten Nutzung ihrer Inhalte zur Schulung von KI-Maschinen. Zudem entwickeln einige Verlage ihre eigenen KI-Modelle, um die Kontrolle über ihre Inhalte und deren Verbreitung zu behalten.

Da sich die Landschaft der Suche und Informationsbeschaffung mit KI stetig weiterentwickelt, bleibt die Zukunft der Nachrichtenverlage ungewiss. Der Schritt von Google zu KI-generierten Inhalten wird von einigen Experten als existenzielle Bedrohung für das traditionelle Modell des Journalismus gesehen, das auf Suchmaschinen-Traffic angewiesen ist, um Einnahmen zu generieren. Ob dieser Wandel eine Katastrophe oder eine Chance für Innovation und Anpassung in der Branche darstellt, ist Gegenstand intensiver Debatten. Die Branche muss sorgfältig durch diese Veränderungen navigieren, um sich in einer zunehmend KI-gesteuerten Welt behaupten zu können.

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