Grundstücke gewinnen an Wert, wenn es immer weniger davon gibt. Das ist im virtuellen Raum, dem Metaverse nicht anders. Dennoch sind die Preisanstiege der letzten Zeit überraschend. (Foto: Shutterstock)

Stellen Sie sich vor, Sie lebten in der Zeit, bevor es Internet gab. Als wir alle noch in Büros arbeiteten und in Geschäfte gehen mussten, um einzukaufen. Als das Fernsehen noch nicht auf Abruf gestreamt werden konnte und die meisten Geldtransaktionen mit Scheinen und Münzen getätigt wurden.

Nun stellen Sie sich vor, dass jemand zu Ihnen kommt und Ihnen erzählt, wie etwas, das es noch gar nicht gibt, all diese Dinge wie eine alte Geschichte erscheinen lassen werde. Sie hätten die Idee fantastisch, ja sogar lächerlich gefunden – genauso, wie Sie vielleicht über das sogenannte Metaverse denken und die Tatsache, dass dort gerade ein Immobilienboom stattfindet.

Die Preise sind um bis zu 500 Prozent gestiegen, seit Facebook im Oktober 2021 den Namen seiner Holdinggesellschaft in Meta geändert hat. Die Menschen zahlen Millionen Dollar, um Grundstücke in dieser virtuellen Welt zu kaufen, obwohl sie noch gar nicht existiert.

Warum wollen so viele Menschen Land im Metaverse kaufen?

Das Metaversum ist im Grunde eine 3D-Version des Internets. Man geht davon aus, dass immer mehr Menschen immer mehr Zeit in dieser virtuellen Welt verbringen werden. Bereits jetzt verschmelzen viele Menschen mit dem Internet, warum nicht auch mit dem Metaverse? Vor allem, wenn sie dort Erfahrungen machen können, wie sie auf einer 2D-Website nicht möglich sind, wie Facebook-CEO Mark Zuckerberg prophezeit.

All dies bedeutet, dass sich damit sehr viel Geld verdienen lässt. Laut Tim Sweeney, CEO von Epic Games, dem Unternehmen hinter Fortnite, hat das Metaverse das Potenzial, in den kommenden Jahrzehnten zu einem Teil der Weltwirtschaft zu werden. Er spricht davon, dass es mehrere Billionen Dollar wert werden könnte. «Die nächsten drei Jahre werden für alle aufstrebenden Metaverse-Unternehmen wie Epic, Roblox, Microsoft und Facebook entscheidend sein», sagt er. Es ist eine Art Rennen, um eine Milliarde Nutzer zu erreichen. Wer auch immer zuerst eine Milliarde Nutzer erreicht, wäre der vermeintliche Anführer, der die Standards setzt.

Wie funktionieren Immobilien im Metaverse?

Es gibt ein Metaversum, aber mehrere Plattformen innerhalb dieses Metaversums. Stellen Sie sich diese Plattformen wie Länder auf der Erde vor – verschiedene Landmassen auf demselben Planeten. Wie die Länder ist auch die Grösse dieser Plattformen endlich. Wenn jemand ein Grundstück kauft, kann niemand anders dieses Grundstück nutzen, es sei denn, er ist bereit, es zu mieten oder zu kaufen. Wenn viele Menschen an diesem Land interessiert sind, wird der Preis steigen.

Derzeit gibt es im Metaverse vier grosse Plattformen mit insgesamt 268’645 Parzellen: The Sandbox, Decentraland, Cryptovoxels und Somnium Space.

Im Metaverse – so die Überlegung – wird Land, auf dem sich viele Menschen versammeln, mehr Wert sein, genau wie im wirklichen Leben. Der Wert in einer virtuellen Welt werde dort liegen, wo sich Marken und Werbung versammeln, meint Andrew Kiguel, Gründer und CEO von Tokens.com, einem der grösseren Grundstückseigentümer in Decentraland. Er sagt, dass es für viele Marken im Metaverse eher um Werbetafeln als um Gebäude gehe, und vergleicht den Kauf von Land dort mit dem Kauf von Werbeflächen im Internet heute.

Wer besitzt bereits Grundstücke im Metaverse?

Unternehmen kaufen sich in das Metaversum ein, in der Hoffnung, dass sie damit neue Kunden erreichen können. PricewaterhouseCoopers besitzt ein Grundstück in der Sandbox, wo das Unternehmen «ein Web 3.0-Beratungszentrum einrichten will, um eine neue Generation professioneller Dienstleistungen, einschliesslich Buchhaltung und Steuern, zu ermöglichen». Adidas hat ebenfalls ein Grundstück in der Sandbox gekauft, um «unsere Begeisterung für die Möglichkeiten, die sie bietet, zum Ausdruck zu bringen». Die Warner Music Group arbeitet an der Einrichtung eines virtuellen Konzertortes.

Die grössten Deals im Metaverse wurden von Republic Realm getätigt, das 4,3 Millionen Dollar für ein Grundstück in The Sandbox ausgab. Tokens.com kaufte ein Territorium für 2,4 Millionen Dollar in Decentraland. Microsofts 68,7-Milliarden-Dollar-Deal zum Kauf des Gaming-Konzerns Activision Blizzard ist für viele Beobachter ein Zeichen dafür, dass das Spielen ein wichtiger Bestandteil des Metaversums sein wird, da die Menschen Headsets aufsetzen und in Virtual-Reality-Umgebungen spielen.

Wird der Boom zur Pleite führen?

Einige Experten sind jedoch skeptischer gegenüber dem Konzept der boomenden Immobilienpreise im Metaverse. Sie sind der Ansicht, dass der Standort keine Rolle spielen werde, da man sich mit dem Headset innerhalb von Sekunden an jeden beliebigen Ort teleportieren könne. Wenn sich jedoch alle in dieselben Einkaufszentren oder virtuellen Konzertorte teleportieren, werden diese Gebiete wahrscheinlich immer noch einen besseren Wert für Werbetreibende und Gewerbeimmobilien bieten.

«Obwohl das Interesse an virtuellen Immobilien in den letzten sechs Monaten zugenommen hat, ist es klar, dass die meisten Menschen den tatsächlichen Nutzen dieser Grundstücke noch nicht vollständig verstehen», sagt Artur Sychov, Gründer und CEO von Somnium Space. «Ein echter monetärer Wert sollte nur virtuellen Gütern beigemessen werden, die ihren Besitzern einen echten Nutzen bringen, andernfalls besteht die grosse Gefahr, dass eine Spekulationsblase entsteht, die allen schaden wird.»

Andere befürchten, dass all dieses virtuelle Land schliesslich wertlos werden könnte, da die Plattformen dieses zwar als endliche und begrenzt verfügbare Ressource anbieten, das Metaversum selbst aber keinen Grund dafür sieht, dieser Begrenzung zu entsprechen, da theoretisch immer mehr Plattformen hinzukommen können. Es bleiben viele Fragen über die Zukunft des Metaverse offen, aber eines scheint sicher: Wir werden in den kommenden Monaten wohl noch viel darüber diskutieren.

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