Die Artificial intelligence – auf Deutsch künstliche Intelligenz  – ist der Versuch, menschliches Lernen und Denken auf einen Computer zu übertragen. Der Computer soll eine Art eigenständige Intelligenz entwickeln, die ihm hilft, selbstständig Funktionen auszuführen, welche zuvor nicht programmiert werden mussten. (Foto: Shutterstock)

Schon seit Jahrhunderten studieren Denker, Erfinder und Wissenschaftler am Bau von künstlicher Intelligenz (AI) herum. Auch in der Literatur hat dieser Urwunsch Spuren hinterlassen. Man denke nur an Mary Shelleys Frankenstein. Den eigentlichen Begriff «Artificial Intelligence» verwendete der Engländer John McCarthy dann 1956 erstmals an der Tagung «Summer Research Project on Artificial Intelligence». Seither gingen aus Computerprogrammen selbstlernende Algorithmen hervor. Doch erst seit Ende der 2000er-Jahre machen sich die eigentliche Anwendungen der AI-Technologie auch in unserem Alltag breit. Wie kam es dazu?

Explodierende Datenmengen forderten nach einer Antwort

Die Verarbeitung massiver Datenmengen in einer angemessenen Zeitspanne ist mit herkömmlichen statistischen Methoden nicht mehr möglich. Die Start-ups im Silicon Valley machten ihren Service für User vor allem deshalb kostenlos nutzbar, weil sie im Gegenzug auf die Bereitschaft der Nutzerinnen und Nutzer zählen konnten, dass sie ihre Daten teilen würden. Damit erhielten die Tech-Riesen Zugang zu einer schier unvorstellbar grossen Menge an Daten, aus denen man noch nie dagewesene Erkenntnisse über das menschliche Verhalten ziehen konnte.

Doch die traditionellen statistischen Lösungen hatten sich zuvor typischerweise auf feste Analysen konzentriert, die wiederum auf die verfügbaren Stichproben beschränkt sind. Diese waren nur auf einen bestimmten Zeitpunkt beschränkt und lieferten unter Umständen sogar trügerische Schlussfolgerungen.

Als Antwort darauf begannen die Ingenieure automatische Analysen zu programmieren, die die gleiche Analyse schneller und häufiger durchführen konnten. Im Fachjargon hiess das Cognitive-Computing. Das Ziel ist es, menschliche Denkprozesse in einem computergestützten Modell zu imitieren. Mit Hilfe selbstlernender kognitiver Algorithmen, welche Data Mining, maschinelles Lernen, Mustererkennung und natürliche Sprachverarbeitung nutzen, ahmt der Computer die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns nach.

Das bedeutet, Computerprogramme zu bauen, die menschliche Intelligenz imitieren und in einem zweiten Schritt in der Lage sind, sich selbst zu verbessern. Das wiederum wird unter maschinellem Lernen verstanden. Kurz: Die Spezialisten machten sich an die Entwicklung schneller, effizienter und kognitiver Algorithmen.

Diese ermöglichen die Echtzeitverarbeitung riesiger Datenmengen. Sie machen darin enthaltene Muster erkennbar und liefern darauf basierend präzise Vorhersagen. Diese können unterschiedlichste Empfehlungen sein, etwa welches die richtigen Produkte für eine bestimmte Jahreszeit sind oder wie eine Kundensegmentierung vorgenommen werden soll. Sie helfen Betrug und Risiken zu identifizieren oder die Prioritäten in der Kundenbindung zu setzen.

Was die Lernalgorithmen von den traditionellen statistischen Techniken unterscheidet, ist, dass ihr Schwerpunkt auf Echtzeit- und hoch skalierbaren Vorhersage-Modellen liegt. Ihre vollautomatischen Methoden erleichtern allesamt die Aufgaben von Datenwissenschaftlern markant.

Was kann das kognitive Computing nun leisten?

Man kann es an einem Beispiel aus dem Gesundheitswesen zeigen: Hier analysieren inzwischen Algorithmen Röntgen-, MRI- oder CT-Bilder. Weil man sie mit einer riesigen Menge schon bestimmter Anomalien trainiert hat, können sie eine Abweichung von der Norm schneller, genauer und zuverlässiger als ein Mensch erkennen. Mit anderen Worten: Das Ziel dieser Algorithmen ist es aber nicht, den Arzt oder die Ärztin zu ersetzen. Vielmehr sollen sie deren Fähigkeiten erweitern, indem sich die Mediziner für ihre Diagnose auf eine riesige Datenmenge abstützen können, die kein Mensch je verarbeiten und im Kopf behalten könnte.

Oder man könnte es an einem Beispiel aus der Sozialhilfe im Vereinigten Königreich zeigen. Eine Untersuchung im Auftrag des Essex County Council ergab, dass die öffentliche Hand Gelder im Schulwesen besser einsetzen könnte, wenn man statt Symptomen die Ursachen von Lernschwierigkeiten beseitigen könnte. Dafür aber müsste man bestimmte Kinder in eine spezielle Frühförderung schicken können. Wobei man aus Gründen der Gleichbehandlung und wegen Diskriminierungsverboten weder Eltern noch gefährdete Kinder präventiv dazu verpflichten wollte.

In beiden notwendigen Schritten kamen erwähnte Logarithmen zur Anwendung: Gestützt auf Daten von Schulbehörden und Sozialämtern, analysierte man Zehntausende Werdegänge von Schülerinnen und Schülern und konnte so Muster abgrenzen, welche Faktoren im Leben eines Kindes potenziell negative Folgen haben können. Damit konnten die Behörden gefährdete Kleinkinder im ganzen County auffinden. Nun musste man nur noch sicherstellten, dass die Kinder auch von den Hilfsmassnahmen profitierten. Der einzige vorschriftsgemässe Weg: Man müsste die entsprechenden Angebote für die freiwillige, kostenlose Frühförderung exakt über das Gebiet verteilen, damit möglichst viele der gefährdeten Kinder in den Genuss kämen. Auch diese Aufgaben liessen die Verantwortlichen von einem Computer erledigen, der die besten Orte identifizierte. Kein Mensch hätte so viele Daten in so kurzer Zeit derart bearbeiten können. Auch hier: Die Sozialarbeiter und Lehrerinnen werden die Logarithmen nicht ersetzen können. Sie helfen ihnen aber in der Arbeit, wenn man die Ressourcen dank der künstlichen Intelligenz effektiver verteilen kann. Denn jedes Jahr lässt das County nun der Logarithmus durchrattern und weiss nun, wo es die Schwerpunkte in dieser Arbeit setzen muss.

Was die beiden Beispiele aber gleichzeitig zeigen: Diese Technologien versprechen uns eine Ära, in der Computer das menschliche Wissen und den menschlichen Einfallsreichtum auf völlig neue Weise ergänzen können.

Wie man seine Passwörter vor AI schützt

Jedes zweite Kennwort ist in weniger als einer Minute geknackt – deshalb: je länger und komplizierter, desto sicherer

«Der Föderalismus ist eine Ideenküche»

Gaby Szöllösy, Generalsekretärin der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK), erklärt, was wir bei aller Kritik über den Kantönligeist nicht vergessen sollten und weshalb es gut ist, dass die Kantone noch immer über sehr viel Macht verfügen.

«Wir müssen die Kinder in den Schnee bringen – nicht in die Karibik»

Gian Franco Kasper, Präsident des Weltskiverbands FIS, über die Heim-WM in St. Moritz, das Nein der Bündner zu Olympia und den Boom des Skisports in China.

Warum eine Botschaft ohne Bedeutung keinen Wert hat

Eindrücke vom Web Summit 2023 in Lissabon – die mit 70'000 Besucherinnen und Besuchern weltgrösste Tech-Konferenz

«Es ist leicht, Minderheit zu sein in der Schweiz.»

Wie die fehlende Tessiner Vertretung im Bundesrat der Schweiz schadet und was der Calimero-Komplex ist, erklärt Festival Locarno-Präsident Marco Solari.

Ein eindringlicher Weckruf

Wie der Westen den Kampf um Narrative verliert und Autokraten an Einfluss gewinnen

«Hymnen darf man nicht zelebrieren»

Lukas Niederberger, Geschäftsleiter der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG, über die Bedeutung des Schweizerpsalms und die ungebremste Symbolkraft des Rütli.

Umstrittener Wettstreit der Städte um Amazon in den USA

Die Schweiz will keine Ansiedlung von Unternehmen «um jeden Preis».

Grosse und reiche Kantone dominieren bei der Digitalisierung

Die Unterschiede bei der digitalen politischen Partizipation sind beträchtlich – und es bleibt bei allen Ständen Luft nach oben