Dank der Blockchain-Technologie erhalten Kunstbesitzer Gewähr, dass ihre Bilder echt sind – etwas, das gerade bei digitalen Werken zentral ist. Und jetzt garantiert ist. (Foto: Shutterstock)

Nach einer veritablen Bieterschlacht – mehr als 180 Geboten gingen in der letzten Stunde der Versteigerung ein – verkaufte das Auktionshaus Christie’s Mitte März in einer Online-Auktion für 69,3 Millionen Dollar inklusive Gebühren ein Kunstwerk.

Als «einzigartiges Werk in der Geschichte der digitalen Kunst» bezeichnet, ist «Everydays – The First 5000 Days» eine Collage aller Bilder, die der Künstler Beeple seit 2007 jeden Tag online gestellt hat. Er, der bereits mit Louis Vuitton und Popstars wie Justin Bieber und Katy Perry zusammengearbeitet hat, nutzt Software, um einen respektlosen visuellen Kommentar zum Leben des 21. Jahrhunderts zu schaffen, wie Kritiker es zusammenfassen.

NFT – drei Buchstaben elektrisieren den Kunstmarkt

An diesem Vorgang sind, abgesehen vom Preis, zwei Aspekte bemerkenswert:

  1. Es handelt sich beim Werk um eine JPG-Datei, also um reine Bilddaten, die der unter seinem Pseudonym Beeple bekannte Digital-Künstler Mike Winkelmann geschaffen hat. Mit diesem Preis erzielte der Auktionator einen neuen Höchststand für ein Kunstwerk, das nur digital existiert. Damit schlug das Werk Auktionsrekorde für physische Gemälde von museumswürdigen Grössen wie J. M. W. Turner, Georges Seurat und Francisco Goya. Die Gebote bei der zweiwöchigen Beeple-Auktion, die aus nur einem Los bestand, begannen bei 100 Dollar.
  2. Laut der New Vork Times ist der Verkauf des rein digitalen Werks bei Christie’s das bisher stärkste Anzeichen dafür, dass NFTs, oder «nonfungible tokens», den Kunstmarkt im Sturm erobert und den Sprung von spezialisierten Websites zu führenden Auktionshäusern geschafft haben. Beeple, ein Neuling in der Kunstwelt, der vor fünf Monaten zum ersten Mal von NFTs hörte, ist der profilierteste Künstler, der von dem enormen Verkaufsboom dieser viel gehypten, aber wenig verstandenen Waren profitiert.

Blockchain-Technologie erobert den Kunstmarkt

NFT ist ein Vermögenswert, der mit Hilfe der Blockchain-Technologie verifiziert wird, bei der ein Netzwerk von Computern Transaktionen aufzeichnet und den Käufern einen kryptographischen, das heisst fälschungssicheren Nachweis der Authentizität und des Eigentums gibt. Der aktuelle Boom gilt vor allem für digitale Assets, darunter Bilder, GIFs, Songs, Videos oder sogar Tweets. Vor allem aber machen NFTs digitale Kunstwerke einzigartig und damit verkaufbar.

Der Käufer einer NFT erwirbt nicht unbedingt ein Urheberrecht oder sogar den alleinigen Zugang zu einem Werk. Viele der Werke bleiben für jeden mit einer Internetverbindung verfügbar. Jedoch sind offenbar zahlreiche Leute bereit, viel zu bezahlen, um den Besitz des «nachweislich echten Dings» für sich beanspruchen zu können.

Monetarisierung digitaler Güter, die bis anhin gratis waren

In der Tat ist die Kunstwelt mit dieser Art von Verkauf vertraut: Jeder könnte eine Banane mit Klebeband an die Wand kleben, aber es wäre nicht Maurizio Cattelans «Comedian». Ebenso könnte jemand leicht eine digitale Kopie von Beeples «Everydays – The First 5000 Days» machen, indem er es einfach über seinen Internetbrowser herunterlädt. Doch obschon der Inhalt genau derselbe wäre, würde er das Kunstwerk selbst ohne Blockchain-Verifizierung nicht besitzen.

Inzwischen nutzen Künstler, Musiker, Influencer und Sportclubs NFTs, um digitale Güter zu monetarisieren, die bisher billig oder kostenlos waren. Die Technologie reagiert auch auf das Bedürfnis der Kunstwelt nach Authentifizierung und Provenienz in einer zunehmend digitalen Welt, indem sie eine digitale Datei dauerhaft mit ihrem Schöpfer verknüpft.

Beeples collagiertes digitales Bild wurde im Februar als NFT hergestellt beziehungsweise «geprägt», wie der Fachausdruck besagt. Damit wird auf die Schaffung von Wert verwiesen, wie das auch beim Prägen einer Münze der Fall ist. Ein sicheres Netzwerk von Computersystemen, das den Verkauf in einem digitalen Hauptbuch, der sogenannten Blockchain, aufzeichnet, gibt den Käufern einen Beweis für die Echtheit und den Besitz.

Das altehrwürdige Auktionshaus Christie’s akzeptiert Kryptowährung

Zur Erinnerung: Die meisten zahlen mit der Kryptowährung Ethereum. «Everydays» war das erste rein digitale NFT, das von Christie’s verkauft wurde. Dieses bot an, Zahlungen in Ethereum zu akzeptieren, eine weitere Premiere für das 255 Jahre alte Auktionshaus. Gegenüber der New York Times reagierte Todd Levin, ein New Yorker Kunstberater, der den Verkauf von Leonardos «Salvator Mundi» bei Christie’s für 450,3 Millionen Dollar im Jahr 2017 miterlebt hatte, mit «gemischten Gefühlen» über den Verkauf von Beeple: «Auf der einen Seite ist es superspannend, einen historischen Wendepunkt zu erleben.» Auf der anderen Seite könne diese schiere Menge an Geld den aufstrebenden Markt verzerren und beschädigen.

NFTs sind auch zu einem bevorzugten Medium für neue Performance-Künstler geworden. Anfang März verkaufte Burnt Banksy, eine anonyme Gruppe von «Technik- und Kunstenthusiasten», ein einzigartiges NFT, das aus einer digitalen Kopie eines Banksy-Drucks aus dem Jahr 2006 mit dem Titel «Morons» bestand. Die Gruppe behauptete, sie habe den Originaldruck, der Zehntausende von Dollar wert war, in einer «Kunstverbrennungszeremonie» zerstört, die auf YouTube und Twitter gezeigt worden war. Die Blockchain-zertifizierte «Morons» NFT war alles, was vom Original übrigblieb.

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