Autofreier Sonntag am 25. November 1973: Als Reaktion auf das reduzierte Ölangebot erlassen verschiedene europäische Länder, darunter auch die Schweiz, ein Sonntagsfahrverbot. (Bild: Screenshot Bericht SRF vom gleichen Tag)

Grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg, grösster Fahrplanwechsel aller Zeiten, grösstes wirtschaftliches Paket der Geschichte: Das Coronavirus hat der Schweiz – ebenso wie der Welt – eine Krise der Superlative beschert. Das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche System wird in einem Ausmass erschüttert, wie es die Menschheit zuletzt in Kriegszeiten gesehen hatte. Was nicht heisst, dass in der Schweiz immer alles rund gelaufen wäre. Hier ein Überblick über die zehn grössten Krisen der letzten rund 100 Jahre:

Erster Weltkrieg, Spanische Grippe und Landesstreik (1914–18)
Aus militärischen Gefechten kann sich die Schweiz heraushalten. Die Mobilmachung, beschlossen vom mit Vollmachten regierenden Bundesrat, dient dem Schutz der Grenze. Doch es ist eine Zeit der Entbehrungen und inneren Unruhen, die 1918 im Armeeeinsatz gegen das streikende Volk gipfelt. Mehr Opfer als der Landesstreik fordert im gleichen Jahr die Spanische Grippe, die «Mutter aller Pandemien»: Offiziell sterben 24’500 Menschen, 0,62 Prozent der damaligen Bevölkerung. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer.

Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash 1929
Zunächst scheint es, als würde die grosse Depression, die mit dem Kurssturz am «Schwarzen Donnerstag», dem 24. Oktober 1929, an der New Yorker Wallstreet beginnt und die Welt an den Rand des Abgrunds bringt, einen Bogen um die Schweiz machen. An der Schweizer Börse ist der Rückschlag gering, der grosse Einbruch erfolgt erst 1931. Auf dem Tiefpunkt zählt die Schweiz 1936 knapp 125’000 Arbeitslose. Die Wirtschaft erholt sich erst nach dem zweiten Weltkrieg.

Zweiter Weltkrieg (1939–45)
Einen militärischen Einmarsch muss die Schweiz wieder nicht hinnehmen, die Furcht davor bleibt aber die ganzen Kriegsjahre über gross. Nach Hitlers Einfall in Polen verfügt der Bundesrat die Mobilmachung. Fortan verteidigen die Truppen das Alpen-Réduit. Grösstes Problem ist die Versorgung des Binnenlandes. Die Anbauschlacht – die Umfunktionierung sämtlicher Grünflächen zu Feldern und Äckern – verhindert eine Hungersnot. Die Schweiz nimmt 300’000 Flüchtlinge auf, weist aber etwa 20’000 an der Grenze zurück, was ihr bis heute Kritik einträgt.

Jura-Konflikt (1970er-/80er-Jahre)
In den Jahrzehnten des wirtschaftlichen Aufschwungs, die dem Krieg folgen, stört eine politische Krise die helvetische Harmonie: die Jurafrage. «Der Jura den Jurassiern», lautet die Parole mehrerer bernischer Bezirke. Nach einer Kaskade demokratischer Abstimmungen löst sich der Nordjura zwar von Bern, 1979 wird der Kanton Jura geschaffen. Weil aber einige Bezirke bei Bern bleiben wollen, kommt es in den 1980er-Jahren zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Projurassiern und Berntreuen, einschliesslich Bomben- und Brandanschlägen.

Ölpreisschock (1973)
Plötzlich wird der Nahostkonflikt bei uns spürbar: Als Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg zwischen Israel und seinen Nachbarn drehen die arabischen Staaten im Herbst 1973 den Ölhahn zu. Bestraft werden nicht nur erklärt proisraelische Länder wie die USA, sondern alle Industriestaaten. Öl wird plötzlich knapp und teuer. Kurzfristig werden der Schweiz drei Sonntagsfahrverbote verordnet, längerfristig beginnt die Wirtschaft zu stottern. Das Land schlittert in eine Rezession.

Rücktritt von Elisabeth Kopp/Fichenaffäre (1989)
Die politische Krise, gleichzeitig mit dem Mauerfall, beginnt mit einem Telefongespräch: Justizministerin Elisabeth Kopp warnt ihren Ehemann wegen Ermittlungen in einem Fall von Geldwäscherei und empfiehlt ihm, aus dem Verwaltungsrat einer verdächtigten Firma auszutreten. Als das publik wird, wird die erste Bundesrätin zum Rücktritt gezwungen und das Parlament setzt eine Parlamentarische Untersuchungskommission ein. Diese findet heraus, dass über 900’000 Menschen und Organisationen staatlich überwacht und fichiert wurden. Die Empörung ist gross. 30’000 Menschen demonstrieren gegen den «Schnüffelstaat».

Holocaust-Gelder auf Schweizer Banken (1995–98)
Es beginnt mit Fragen nach dem Verbleib von nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern auf Schweizer Banken – und steigert sich zu einer Krise, in der die Schweiz weltweit als Kriegsgewinnerin dasteht. In den USA reichen Auschwitz-Überlebende Sammelklagen ein. Der Bund lässt Experten die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg untersuchen. Die Bankiervereinigung veröffentlicht Listen mit Kontoinhabern nachrichtenloser Vermögen. Behörden in den USA beginnen, Sanktionen gegen Schweizer Grossbanken zu ergreifen, bis diese 1998 in einem aussergerichtlichen Vergleich 1,25 Milliarden Dollar zahlen.

Swissair-Grounding (Katastrophenjahr 2001)
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 braucht die Swissair Geld, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Doch erst nachdem die Flugzeuge am 2. Oktober am Boden geblieben und 38’000 Passagiere gestrandet sind, investieren Bund und Banken 3,25 Milliarden Franken. Damit kann die Swiss als Phönix aus der Swissair-Asche aufsteigen. 2001 ist auch sonst ein brandschwarzes Jahr: Kurz vor dem Swissair-Grounding erschiesst ein Attentäter im Zuger Parlament 14 Politiker, kurz danach sterben elf Menschen bei einem Grossbrand im Gotthard-Tunnel einen qualvollen Tod.

UBS-Rettung (2008)
Nach dem Konkurs von Lehman Brothers wollen Bund und Nationalbank verhindern, dass mit der UBS dasselbe geschieht. In einer beispiellosen Hilfsaktion wird die Schweizer Grossbank, die sich auf dem US-Hypothekenmarkt gründlich verzockt hatte, gerettet. Sechs Milliarden Franken Kapital schiesst der Bund ein. Die Nationalbank garantiert der UBS die Übernahme von Schrottpapieren im Wert von 54 Milliarden Franken. Nachträglich erweist sich das als gutes Geschäft: Weil die Papiere später an Wert zulegen, gewinnen Nationalbank und Bund unter dem Strich fast sieben Milliarden.

Frankenschock 2015
Nach der Finanzkrise gewinnt der Franken gegenüber dem Euro stetig an Wert. Als im Herbst 2011 kurzzeitig Parität erreicht ist, reagiert die Nationalbank, indem sie einen Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro einführt. Am 15. Januar 2015 hebt sie den Mindestkurs völlig überraschend auf, was als Frankenschock in die Geschichte eingeht. Der Franken verteuert sich auf einen Schlag um fast 20 Prozent. Die befürchtete Rezession bleibt jedoch aus. Inzwischen gehen Analysten davon aus, dass die Euro-Franken-Parität in naher Zukunft kommen und der Wirtschaft nicht schaden wird.

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