Nationalrat Franz Grüter und Ständerat Ruedi Noser. (Bild: parlament.ch)

«Wie hältst du es mit der Schweizer Politik?» Mit dieser Frage haben Wirtschaftsführerinnen und -führer in den letzten 20 Jahren zusehends Schwierigkeiten. Wo es früher selbstverständlich war, dass sich Spitzenkräfte der Schweizer Wirtschaft auch persönlich als Milizpolitiker engagieren, ist diese Haltung dem Credo gewichen, dass man sich da besser raushalten solle. Vielfach geht es auch um die Furcht davor, der Firma mit einem politischen Engagement negative Präsenz zu verursachen.
Wirtschaft fühlt sich zu wenig von der Politik vertreten
Nun kommt Sandro V. Gianella, einer der grossen Kenner der Schweizer Wirtschaft, zu einer überraschenden Neubeurteilung. Seit 32 Jahren sucht er oberste Führungskräfte für Geschäftsleitung und Verwaltungsrat von grossen Schweizer Firmen. Vor kurzem hat sein Executive Search Unternehmen Knight Gianella in der jährlichen Umfrage unter Verwaltungsratsmitgliedern eine Kehrtwende in dieser Frage festgestellt.
Gegenüber influence erklärt Gianella, dass er von der Deutlichkeit überrascht sei, wie die Verwaltungsräte eine Rückbesinnung auf das politische Engagement fordern. Denn in den vergangenen Jahren war das Thema nationale Politik bei grossen börsenkotierten und nicht-börsenkotierten Schweizer Firmen weniger ein Thema, so Gianella. Als Gründe für den Meinungsumschwung sieht er die folgenden: «Die Wirtschaft fühlt sich generell nicht genügend von der Politik vertreten. Unternehmensführer und Verwaltungsräte haben das Gefühl, sie würden zu wenig von der Politik gehört.» Das sehe man auch daran, dass kaum mehr Vollblutunternehmer in der nationalen Politik vertreten seien, die grössere Unternehmen führen.
Zwei Vollblutunternehmer, die sich trotz allem in der Bundespolitik persönlich engagieren, sind Nationalrat Franz Grüter und Ständerat Ruedi Noser (FDP, ZH). Sie haben influence verraten, wie sie die verschiedenen Ansprüche unter einen Hut bringen.
Franz Grüter: «Es braucht Politiker, die im Wirtschaftsleben stehen».
Für Grüter ist es klar, dass es in der Tat ein Spagat ist, wenn man gleichzeitig in der Politik und in der Wirtschaft tätig ist. Damit das überhaupt möglich sei, müsse man sich sehr gut organisieren: «Und ohne Unterstützung in der operativen Führung wird es schwierig, gleichzeitig beide Mandate auszuüben.» In seinem Fall habe er die operative Führung des Unternehmens abgegeben und sich auf das VR-Präsidium konzentriert: «Nur so war es möglich sowohl die Führung des Unternehmens weiterhin gut zu gewährleisten, als auch die politische Aufgabe gut ausführen zu können.» Grüter erachtet es als sehr wichtig, dass die Schweiz weiterhin Milizpolitiker hat, die sich nicht nur auf ihre politischen Aufgaben konzentrieren, sondern mit beiden Beinen auch noch im Wirtschaftsleben stehen.
Ruedi Noser: «Auch Politik braucht Führung, nicht nur Kompromisse!»
Einen anderen Aspekt rückt Ständerat Noser in den Vordergrund. Zum Mit- und Gegeneinander von Politik und Wirtschaft meint er: «Die Wirtschaft wird von der Politik immer mehr herausgefordert und auch direkt angegriffen.» Ein aktuelles Beispiel sei die 99-Prozent-Initiative, eigentlich eine Unternehmensenteignungs-Initiative. Noser: «Ohne Wirtschaftsvertreter in der Politik werden solche Vorstösse nicht richtig pariert, weil Verbandsvertreter nicht überzeugend genug Nein sagen können. Und übrigens: Auch Politik braucht Führung, nicht nur Kompromisse!»

«Wir haben in Europa zu wenig Wettbewerb»

Was läuft in der EU schief? Antworten von Markus J. Beyrer, Generaldirektor von Buisnesseurope.

«Geld macht glücklich»

Der Topökonom und Glücksforscher Bruno S. Frey kommt zum Schluss: Die Lebenszufriedenheit nimmt mit steigendem Einkommen klar zu. Aber nicht nur.

Konsens statt Krawall

Angesichts alternativer Energiequellen ist Putins Versuch, Europa in Sachen Energie zu erpressen, gescheitert.

Die Weltwirtschaft braucht Russland nicht mehr

Angesichts alternativer Energiequellen ist Putins Versuch, Europa in Sachen Energie zu erpressen, gescheitert.

Ein Plädoyer für den Händedruck

Weshalb der der persönliche Kontakt in der Kommunikation so wichtig ist. Und wieso Sie gerade jetzt zu Ihren Kolleginnen und Kunden gehen sollten.

Was für eine Schweiz mit der EU auf dem Spiel steht

Der Journalist und ehemalige Chefredaktor Felix Müller schreibt eine «kleine Geschichte des Rahmenabkommens».

«Das ist kein Missbrauch, sondern Ausdruck des Zeitgeistes»

SRG-Ombudsfrau Esther Girsberger hat kein Problem mit orchestrierten Beschwerden. Sie erklärt, warum sie nicht mehr Chefredaktorin sein möchte und warum Frauen schneller ernst genommen werden als Männer.

«Es dominiert ungezähmtes Kantonslobbying»

Föderalismusforscherin Rahel Freiburghaus erklärt, was die Schweiz von Deutschland lernen könnte – und warum die Zentralisierung immer mehr zunimmt.

So machen US-Wahlleugner Stimmung in Europa

Ob Kritik an den Covid-Massnahmen oder russische Kriegspropaganda, US-Influencer sorgen weltweit für die massenhafte Verbreitung von Fake News