Der Name Amazon erinnert an einen der grössten Flüsse der Welt, das Logo ist weltweit inzwischen omnipräsent. (Bild: Shutterstock)

Über ein Modem gelangte man auf die Webseite. Wohlgemerkt, Amazon war nicht die erste Online-Buchhandlung. Books.com wurde 1992 gegründet. Doch Amazon wollte nie nur eine übliche Buchhandlung im virtuellen Raum sein. Gründer Jeff Bezos verfolgte von Anfang an das Ziel, ein Online-Warenhaus für alles aufzubauen.
25 Jahre später hat Bezos’ Vision dazu geführt, dass der Einzel- und Detailhandel nachhaltig umgekrempelt wurde und Amazon zu den drei wertvollsten Unternehmen der Welt gehört. Mit einer Marktkapitalisierung von 1 Billion Dollar liegt es über dem Bruttoinlandprodukt von fast 200 Ländern. Die Wertvermehrung ist phänomenal. Aktien, die 1997 für 100 Dollar gekauft wurden, sind heute rund 120’000 Dollar wert.
Neudefinition des Einzelhandels
Amazon hat den Einkaufskomfort kontinuierlich verbessert und auf ein neues Niveau gehoben. Das Unternehmen machte den Einkauf bequemer durch Funktionen wie personalisierte Empfehlungen, Abholung von Paketen an Amazon-Hubs und Schliessfächern, Bestellung von Produkten mit nur einem Tastendruck («1-click») und Hauslieferung.
Käuferinnen und Käufer können auch über den sprachgesteuerten Lautsprecher Echo oder durch Anklicken eines Instagram- oder Pinterest-Bildes nach Artikeln suchen und diese bestellen. Amazon hat jetzt sogar einen kassenlosen «Go»-Laden in Seattle. Die Folge dieser Innovationen ist, dass jedes Jahr in den USA und Europa Tausende von Geschäften schliessen müssen, weil sie mit den digitalen Veränderungen im Einzelhandel und den veränderten Einkaufsgewohnheiten nicht Schritt halten können.
Mehr Mitarbeitende als die grössten Tech-Unternehmen
Die Auswirkungen von Amazon erstrecken sich auch auf andere Branchen, darunter Smart Consumer Devices (Alexa), Cloud Services (Amazon Web Services) sowie Technologieprodukte und -dienstleistungen (Drohnen). Es erstaunt nicht, dass Amazon heute auch ein Technologieunternehmen ist und dabei mit Abstand der grösste Tech-Arbeitgeber. Der Konzern beschäftigt mehr Mitarbeitende als die nächsten fünf Technologiefirmen (siehe Grafik).
Wie sieht Amazon’s Zukunft aus?
Bezos setzt alles daran, dass Amazon nicht stirbt, dass es sich permanent weiterentwickelt und wie in den letzten 25 Jahren der technologische und innovative Taktgeber bleibt. Beobachter gehen davon aus, dass die Zukunft untrennbar mit dem Aufstieg der Künstlichen Intelligenz verbunden ist. Beim virtuellen Assistenten Alexa setzt Amazon bereits voll auf Künstliche Intelligenz.
So testet Amazon den vorausschauenden Versand. Der Konzern versucht vorwegzunehmen, was die Kunden brauchen, und sendet ihnen die Artikel per Post zu, ohne dass die Kunden sie bestellen. Die Käufer können die Artikel, die ihnen gefallen, behalten und die nicht erwünschten kostenlos zurückgeben.
Gesundheit und Finanzen
Mit Neugierde oder Befürchtung wird Amazon’s Eintritt in das Gesundheitswesen und in die Finanzwelt aufgenommen, zwei stark regulierte Bereiche. Im Juni 2018 erwarb Amazon die US-Versandapotheke PillPack für 753 Millionen Dollar und will nun den 500-Milliarden-Dollar-Markt für verschreibungspflichtige Medikamente knacken.
Parallel dazu baut Amazon mit 310 Millionen Kundenkonten eine Reihe von Tech-Finanzdienstleistungen auf, wie Amazon Cash, eine Möglichkeit, Geld zu Online-Guthaben hinzuzufügen, und Amazon Pay, ein Online-Zahlungsdienst. Diese Finanzdienstleistungen zielen auf Entwicklungsmärkte wie Indien ab, deren riesige Bevölkerung die Banken nicht benutzt.
In den letzten 25 Jahren hat Amazon den Detailhandel radikal umgestaltet. In den nächsten 25 Jahren könnte der US-Konzern neu definieren, wie die Welt einkauft, und zwar alles.

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