Arbeitgeber müssen für ihre Mitarbeitenden flexible Arbeitsformen zulassen. (Bild: Shutterstock)

Der rasante technologische Wandel, Digitalisierung und Globalisierung haben grosse Auswirkungen auf unseren Arbeitsmarkt. Sie spalten die Unternehmen und die Gesellschaft in zwei Lager. Die Optimisten betonen den Fortschritt, die Entstehung neuer Geschäftsmodelle und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Pessimisten prophezeien, dass Roboter und künstliche Intelligenz die Arbeits- und Geisteskraft der Menschen zusehends ersetzen werden.

Was also braucht es, damit die Arbeitnehmer fit bleiben für die künftigen Veränderungen? Wie sollen wir uns verhalten, damit wir optimistisch bleiben? Und welche Trends kommen auf die Unternehmen zu, worauf müssen sie gefasst sein? Die soziale Geschäftsplattform LinkedIn hat eine globale Umfrage unter 5000 Personalverantwortlichen gemacht sowie Verhaltensmuster und Profile analysiert. Dabei haben sich vier Trends herauskristallisiert, die unsere Arbeitswelt nachhaltig beeinflussen – und die Unternehmen entsprechend antizipieren sollten.

#1 «Soft Skills» werden wichtiger
Unter «Soft Skills» versteht man vieles: Empathie, emotionale Intelligenz, Kreativität oder die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und Kommunikation – also Faktoren, die sich schlecht messen lassen und in kein Excel-Sheet passen. Gleichwohl werden «Soft Skills» laufend wichtiger. So sehr, dass 80 Prozent der von LinkedIn befragten Personen sagen, dass sie für den Geschäftserfolg eines Unternehmens essenziell seien. Die Herausforderung für die Arbeitgeber ist, dass sie in einem Einstellungsprozess schwer zu identifizieren sind. Oftmals werden sie erst dann sichtbar, wenn jemand bereits im Job ist oder seine Arbeit verlassen hat.

Die unstrukturierte Bewertung von «Soft Skills» vor der Einstellung ist eine grosse Herausforderung. 68 Prozent der befragten HR-Spezialisten geben an, dass sie diese bewerten, indem sie soziale Hinweise in Interviews aufgreifen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Befragten eine authentische Version von sich selbst präsentieren. Arbeitgeber müssen möglicherweise damit beginnen, ihren Ansatz zur Bewertung von Soft Skills zu formalisieren, indem sie eine klare Vorstellung davon haben, welche Fähigkeiten sie benötigen. Und dann die richtigen Tools einsetzen, um zu analysieren, inwieweit Kandidaten über diese Fähigkeiten verfügen.

#2 Flexible Arbeit
Für Jason Phillips, Vizepräsident von Digital Human Ressources & Global Chief of Staff bei Cisco, ist eines klar: «Die Flexibilität der Arbeit wird zur Norm.» Und: «Die Herausforderung ist, wie schnell Unternehmen darauf reagieren können.» Verantwortlich für diese neue Norm ist die Technologie. Von E-Mails über Instant-Messaging bis hin zu Telefonkonferenzen und sozialen Plattformen, es war noch nie so einfach, mit Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben.

Ebenso verändert sich die Einstellung der Menschen zur Arbeit. Das Konzept eines «Job-for-Life» existiert nicht mehr. Die Menschen wollen mehr Ausgeglichenheit in ihrem Leben. Stichwort: Work-Life-Balance. Um die besten und loyalsten Mitarbeitenden zu gewinnen und zu behalten, müssen die Arbeitgeber flexible Arbeitsformen zulassen. Darüber hinaus können sie aber damit auch die Kosten für die Büroinfrastruktur senken. Der Tech-Riese Dell soll mit seinem flexiblen Arbeitsprogramm auf diese Weise durchschnittlich 12 Millionen Dollar pro Jahr eingespart haben.

#3 Null-Toleranz gegenüber Belästigung und Mobbing
Die Arbeitgeber sind moralisch verpflichtet, ihre Mitarbeitenden vor Mobbing und allen Formen von Belästigung zu schützen. Sie haben auch eine rechtliche Verpflichtung dazu. Dazu müssen sie eine entsprechende Unternehmenskultur fördern, wenn sie wollen, dass ihre «Anti-Harassment»-Politik erfolgreich ist. Denn sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist untolerierbar und nicht mehr länger ein Tabuthema. 2017 wurde #MeToo zu einem viralen Phänomen, als eine Reihe bekannter Frauen Männer anprangerte, die sie belästigt oder gemobbt hatten. Solche Fälle gelangen heute an die Öffentlichkeit. Personen und Organisationen, die es versäumen, Massnahmen zu ergreifen, um die Belästigungen zu beenden, riskieren erhebliche Reputationsschäden.

#4 Transparenz bei der Vergütung
Jeder Mensch soll für seine Arbeit einen angemessenen Lohn erhalten. Transparenz trägt dazu bei, dass die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede offengelegt und die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen am Arbeitsplatz verringert werden. Transparenz leistet auch einen grossen Beitrag zur Vertrauensbildung in den Arbeitgeber und stärkt die Unternehmenskultur, die in der Arbeitswelt von morgen einen zentralen Erfolgsfaktor ausmacht.

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