Trotz Taucher des Bitcoin-Kurses: Don Tapscott, Präsident des renommierten Blockchain Research Institute in Toronto, rechnet mit einer positiven Entwicklung der Krypto-Währungen. (Bild: Pixabay)

Auguren leben gefährlich. Insbesondere, wenn sie ihre Prognosen im unberechenbaren Feld der Crypto-Währungen tätigen. Das bekam Don Tapscott zu spüren, Co-Gründer und Präsident des Blockchain Research Institute im kanadischen Toronto. Als er und seine Mitstreiter Ende 2016 behaupteten, der Wert des Bitcoin werde sich im kommenden Jahr verdreifachen, erntete der Think Tank Häme zuhauf. «Ihr spinnt», lautete noch einer der freundlicheren Kommentare in den sozialen Medien. Mittlerweile steht die bekannteste digitale Währung bei der 13’000-Dollar-Marke – weit mehr als die 2000 Dollar, die Tapscott & Co. für den Bitcoin prophezeiten. Die Crypto-Experten deuteten den Trend zwar richtig. Aber sie lagen dennoch meilenweit neben der Realität.

Dennoch liessen sie sich davon nicht entmutigen und wagen nun auch für 2018 zehn Voraussagen für die Crypto-Branche, die zum Nachdenken anregen. Das amerikanische Magazin «Quartz» hat diese aufgelistet:

1. Der Bitcoin-Crash bleibt aus 
Zwar rechnet auch Tapscott mit volatilen Crypto-Währungskursen. Zum grossen Crash werde es aber nicht kommen, versichert er. Denn mittlerweile liessen sich die digitalen Devisen auch von Grossinvestoren nicht mehr ignorieren, was das Feld für institutionelles Geld weit öffnet. 2018 wird dieses Geld den zehn bedeutendsten Crypto-Währungen zuströmen und diese fest als Anlageklasse etablieren.

2. Der Aufstieg der Blockcoms hat begonnen
Die Technologie hinter digitalen Währungen wie dem Bitcoin, die Blockchain, werde ihren Siegeszug fortsetzen, versichert das Blockchain Research Institute. Nicht nur das Finanzwesen verändere sich dadurch von Grund auf, sondern auch Handel, Transport, Industrie, Medien, die Bildung, das Staatswesen und die Demokratie. Auf dem Weg dorthin werden zahlreiche «Blockcoms» aus dem Boden schiessen, ähnlich den «Dotcom»-Unternehmen der Nullerjahre. Einige wenige werden sich dereinst als Marktführer etablieren – als die Apples und Amazons von morgen –, so die Voraussage.

3. Das Internet des Werts entsteht 
Kritiker sehen Crypto-Währungen als einen grossen Betrug an. Dennoch festigt sich die Meinung, dass etwa der Bitcoin als Zahlungsmittel und zur Wertaufbewahrung tauge. Tapscott und seine Vordenker sehen hier die Anfänge des «Internet des Werts», das die dezentrale Speicherung von Vermögen erlaubt. Leisten sollen das neue Plattformen wie Cosmos, Aion, ICON, und Polkadot. Deren Lösungen tragen wichtigen Anforderungen wie Skalierbarkeit, Governance und der Brückenfunktion zwischen verschiedenen Anwendungsgebieten bereits Rechnung.

4. Bald feiern wir den 10-Milliarden-Dollar-ICO
Die grösste Erstausgabe einer digitalen Währung holte 2017 rund 257 Millionen Dollar bei Investoren ab. Insgesamt lag das ICO-Volumen letztes Jahr bei 3,5 Milliarden Dollar. Tapscott erwartet, dass diese Wegmarken 2018 in den Schatten gestellt werden. Digitale «Token» können künftig alles Mögliche repräsentieren: Einen Anteil an Produkten, Loyalitäts-Punkte, Emissionsrechte – und natürlich einen Rechtsanspruch an Firmen. So würde ein ICO des Elektroauto-Bauers Tesla auf ein riesiges Echo stossen, rechnet der Experte vor.

5. Wir holen uns unsere Daten von Facebook & Co zurück
Das Internet-Zeitalter hat ein neues feudales System geboren. Könige sind Konzerne wie Facebook und Google, die auf gigantischen Datenmengen sitzen. Ihnen dienen alle anderen Akteure zu, wenn sie mit diesen Daten arbeiten wollen. Die Blockchain-Technologie der dritten Generation soll es ermöglichen, die eigenen Daten in einer Art Blackbox zu bunkern, die dank Crypto-Verschlüsselung von den Datenkraken nicht geknackt werden kann. So gewinnen wir die Herrschaft über die eigenen Daten zurück.

6. Aber Facebook & Co schlafen nicht
Die dezentrale Blockchain stellt demnach eine existenzielle Gefahr für die führenden Plattform-Unternehmen dar. Doch das haben diese längst begriffen und machen sich nun die Crypto-Technologien selber zu eigen. Dem Vernehmen nach tüftelt Facebook an Crypto-Zahlungen über ihr Messenger-System. Das Online-Handelshaus Amazon wiederum hat sich letzten Dezember dem Blockchain-Syndikat R3 angeschlossen, bei dem auch die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse mit von der Partie sind.

7. Das Jahrhundert der Fiat-Crypto-Währungen beginnt
In Venezuela, Russland, China und Dubai laufen bereits erste Experimente dazu. Tapscott schätzt, dass 2018 erstmals digitales Notenbankgeld in grösserem Stil erprobt werden wird. Diese Neuerung könnte für das weltweite Währungssystem so bedeutsam sein wie das Bretton-Woods-Abkommen nach dem Zweiten Weltkrieg, das bis 1973 feste Bandbreiten für die Wechselkurse festgesetzt hatte. Auch in der Schweiz könnte so das Jahrhundert des digitalen Geldes beginnen, schätzt der Crypto-Experte.

8. Digitale Devisen werden Too-Big-to-Fail
In den letzten Monaten zeigte sich bereits, dass die Behörden den Crypto-Boom nicht mehr ignorieren dürfen. Verbote wie in China führen jedoch in die falsche Richtung. Als sinnvoller erscheint es, die digitalen Devisen analog zu herkömmlichen Wertschriften zu behandeln, wie es die US-Börsenaufsicht SEC nun ansatzweise tut. Darauf könne eine Regulation mit Mass aufbauen, hofft Tapscott.

9. Crypto rettet den Planeten
Die Blockchain bietet kapitalistischen Unterfangen Chancen zuhauf. Doch die wichtigste Anwendung könnte darin bestehen, den Planeten zu retten, argumentiert Tapscott. Etwa, indem Energie-Guthaben wie «Token» vergeben und getauscht werden. Oder wenn der globalen Erwärmung mit dem Handel von digitalen Emissionsrechten begegnet wird.

10. Rückschläge machen die Crypto-Währungen nur noch stärker
Laut dem Blockchain Research Institute wird es auch 2018 Pannen und «Hacks» bei Crypto-Währungen geben. Diese werden aber nicht ausreichen, um die digitalen Devisen zu diskreditieren. Stattdessen werden Anbieter wie Ethereum nach immer neuen Wegen suchen, die Sicherheit zu erhöhen. Tapscott zieht dazu erneut den Vergleich mit dem Internet: Trotz des Dotcom-Crashs der Nullerjahre sei das Netz immer noch da – und sei heute so wichtig wie nie zuvor.

Der Text erschien erstmals am 10. Januar 2018 auf finews.ch.

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