«Fact Checking» auf Online-Portalen

Fake News sind spätestens seit Donald Trump ein globales Thema. Es wird immer schwieriger, seriöse Nachrichten von gefälschten Meldungen zu unterscheiden. Wer wehrt sich dagegen und was können wir  selber tun, damit die Alternativen zu den richtigen Fakten wieder aus dem Newsfeed verschwinden?

Der Begriff «Fake News» wurde in Deutschland zum Anglizismus des Jahres gewählt. Google Trends registrierte dazu einen markanten Anstieg bei den Suchanfragen. Auslöser waren die amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Die beiden rivalisierenden Lager beschuldigten einander, die Meinungsbildung der Wahlberechtigten mit gefälschten Nachrichten und Desinformation zu manipulieren.

Diese Art der Beeinflussung ist mitnichten neu; man denke nur an den berüchtigten deutschen Propagandaminister Joseph Goebbels unter Hitler und generell an die Kriegsberichterstattung. Hingegen ist die Verbreitung von gefälschten Nachrichten im Internet und insbesondere in den sozialen Medien einfacher denn je. In einer Studie der Universität von Stanford vom November 2016 war die Mehrheit der Befragten (7800 Schüler im High School- bis College-Alter) nicht in der Lage, zwischen Publireportage und redaktionellem Beitrag zu unterscheiden und kannte wenig bis keine Vorgehensweisen zur Überprüfung des Wahrheitsgehalts von Beiträgen in digitalen Medien.

Facebook und Google reagieren
Google und Facebook sehen sich im Nachgang zu Brexit, den amerikanischen Präsidentschaftswahlen und im Vorfeld der Wahlen in Frankreich und Deutschland nun dazu gezwungen, zu reagieren: Der Vorwurf, ein Verbreitungskanal für Fake News und Propagandamaterial zu sein, können sie nicht mehr länger dementieren.

Facebook-User können neu über «diesen Beitrag melden» vermeintliche Fake News kennzeichnen. Dann werden sie von spezialisierten Portalen geprüft. In Deutschland und in Frankreich übernimmt diese Rolle im Vorfeld der Wahlen ein Zusammenschluss der wichtigsten Nachrichten-Agenturen. Bestätigt sich der Verdacht auf Fake News, so werden sie auf Facebook entsprechend gekennzeichnet und können auch nicht mehr als Werbeanzeige beworben werden. Sie verschwinden hingegen nicht aus dem Netzwerk.

Google hat damit begonnen, Fake-News-Portale von seinem Werbenetzwerk «Ad Sense» auszuschliessen und ihnen so die finanzielle Haupteinnahmequelle zu nehmen. Auch wurden ganze Webseiten bereits aus dem Index der Suchmaschine entfernt. Gemäss Mark Zuckerberg soll diese Aufgabe dereinst von einer Maschine mit künstlicher Intelligenz übernommen werden.

Professionelle Faktenchecker
Meist kann rechtlich nicht gegen die Urheber gefälschter Nachrichten vorgegangen werden, weil viele Fake News gar keinen Tatbestand im Sinne des Strafrechts darstellen. Gerade auch deswegen ist die Arbeit von spezialisierten Portalen wie snopes.com so wichtig. Sie versuchen – ähnlich den Wikipedianern – die Rolle der «Wahrheits-Wächter» im kaum mehr zu bewältigenden Dschungel an Nachrichten zu übernehmen. News werden auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft und die Resultate auf der Webseite dokumentiert. Andere Portale fokussieren sich darauf, Einschätzungen zur allgemeinen Glaubwürdigkeit und zur politischen Voreingenommenheit einer Webseite zu liefern. Die meisten dieser Portale werden durch Werbung finanziert und stehen ihrerseits im Verdacht, voreingenommen zu sein.

Top ten der englischsprachigen Factchecking-Seiten
Factchecking-Portal von Le Monde in Frankreich

Was jeder selber tun kann
Faktenchecker sind nur ein Teil der Lösung des Problems gefälschter Nachrichten und der Desinformation. Wir sind alle selber gefordert. Wir müssen lernen, Fake News als solche zu erkennen, so wie wir gelernt haben, Spam-E-Mails in unserer Inbox zu identifizieren. Ein Niederländer entwickelt zu diesem Zweck einen sogenannten «Fake News Generator», der es Menschen ermöglichen wird, ihre eigenen Fake News zu generieren. Sie sollen dabei realisieren, wie einfach es ist, andere Menschen mit alternativen Fakten zu täuschen. Wer nämlich in den Sozialen Medien Inhalte teilt, ist grundsätzlich verantwortlich dafür, diese auch auf deren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen und die Quellen vor dem Teilen abzuklären. Es kann sogar sein, dass wir uns selber theoretisch strafbar machen, wenn wir eine Falschmeldung weiterverbreiten. Daher ist es ratsam, sich jeweils kurz die folgenden Fragen zu stellen:

  • Wer hat diesen Artikel geschrieben?
  • Was ist die Hauptaussage des Artikels?
  • Gibt es Quellenangaben?
  • Werden mehrere Seiten beleuchtet?
  • Wann wurde der Artikel veröffentlicht?
  • Wo wurde der Artikel veröffentlicht?


Ein Facebook-Video des westschweizer Portals „Nuovo“ (RTS) erklärt dieses Vorgehen mit den 5 Ws: Who, What, When, Where, Why

Bilder können heute relativ einfach auf ihre Herkunft überprüft werden. Auf der Google-Bildsuche images.google.com können Bilder per Mausklick von einem separaten Browserfenster auf das Eingabefeld gezogen werden. Google listet anschliessend alle Orte auf, wo dieses oder ein ähnliches Bild bereits einmal im Internet aufgetaucht ist. Häufig werden so die Originalbilder von Fotomontagen gefunden oder es stellt sich heraus, dass ein Bild schon viel früher aufgenommen wurde und nicht die im Artikel behauptete Szene zeigt.

Mangelnder Sorgfalt von Medienschaffenden geschuldete Falschmeldungen werden nie verschwinden, aber bewusst gefälschte Nachrichten haben – ausser am 1. April – nichts in unserem Newsfeed verloren.

Autor: Dominic Tschupp