Prinzipien, Humor und Zuhören – erfolgreiche Politik in einer disruptiven Welt

Podiumsdiskussion zur Eröffnung des St. Gallen Symposium 2017. (Bild: AH)

Das diesjährige St. Gallen Symposium balancierte auf einem schmalen Grat, indem es das Modewort «Disruption» zum Tagungsmotto erklärte. Die Politikerrunde, welche das Symposium eröffnete, diskutierte aber erfrischend und tiefgründig über die Fähigkeiten, über die Politiker in einer disruptiven Welt verfügen müssen:

«Zuhören!», meinte der dänische Aussenminister Anders Samuelsen, und zwar am besten denjenigen Menschen, die intelligenter seien als wir. Der Austausch von Informationen werde immer wichtiger und wer heute erfolgreich sein wolle, müsse von anderen lernen und einen offenen Geist pflegen. Es gehe darum, «zuzuhören, zu probieren, Misserfolg zu haben und dann von Neuem zuzuhören.»

«Prinzipien!», und zwar wenige, erläuterte der Schweizer Wirtschaftsminister Bundesrat Johann Schneider Ammann und nannte Chancengerechtigkeit, liberales Recht, Sozialpartnerschaft und ein qualitativ hochstehendes und flexibles Bildungssystem. Vor allem letzteres liegt Bundesrat Schneider-Ammann besonders am Herzen: Mit viel Herzblut legte er dar, wie zentral «first quality education» und damit eine tiefe Jugendarbeitslosigkeit für ein Staatswesen sei.

«Humor!», sagte Singapurs Bildungsminister Ong Ye Kung (und nicht etwa unser Wirtschaftsminister). Disruption zerstöre Jobs und Disruption schaffe Jobs, das sei schon immer so gewesen und das werde immer so bleiben. Ein guter Sinn für Humor helfe Politikern, wenn sie Dinge in Zeiten des raschen und tiefgreifenden Wandels versuchten und bisweilen auch dabei scheiterten.

Einig waren sich die drei Minister im Übrigen vor allem darin, dass es die kleinen Länder seien, die in einer disruptiven Welt als agile Schnellboote prinzipiell einen Wettbewerbsvorteil hätten – vielleicht tatsächlich mit Zuhören, Prinzipien und Humor.

Autor: Andreas Hugi