Mark Zuckerberg prägt die Zukunft, nicht Donald Trump

Eine Debatte um Freiheit und Privatsphäre im Silicon Valley.

Mark Zuckerberg (links) und Donald Trump. (Bild: Guillaume Paumier, CC-BY / Gage Skidmore)

Im Silicon Valley wird heftig darüber debattiert, wie sich die Digitalisierung und die Explosion der Datenmengen auf die Gesellschaft auswirken. Dabei kritisiert das Magazin «The Wired», die Bibel der Technik-Affinen, die Rolle der Gesellschaft und der Medien. Während alle ins Weisse Haus schauten und eine Bilanz der ersten 100 Tage von Präsident Donald Trump zögen, übersähen sie zentrale Weichenstellungen für unsere Zukunft.

Überall Sensoren, Kameras und Chips
So werden zum einen verschiedene Regulierungen im Internet und im Breitband aufgeweicht, welche die Position und den Schutz der Konsumenten schwächen. Zum anderen hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg kürzlich seine Vision einer «24/7 augmented reality» entworfen, gemäss welcher wir schon bald mit Sensoren, Kameras und Chips in Kleidern, Gadgets und möglicherweise bald im Körper ausgestattet sein werden. So entsteht eine neue, andere oder zweite Wirklichkeit, eine über Daten konstruierte Welt.

Diese Entwicklungen werfen eine Reihe von Fragen auf, die zusätzlich vom Silicon-Valley-kritischen Bestseller «The Circle» von David Eggers, der bald in die Kinos kommen wird, befeuert werden. Was verbirgt sich wirklich hinter der Vision der Tech-Elite? Ermöglichen der Datenstrom und die stetig wachsenden Rechenleistungen und Speicherplätze tatsächlich ein erfülltes, glückliches und individuelles Leben? Schaffen wir uns eine bessere, sorgenfreie Welt? Können wirklich sämtliche Probleme mit Technologie gelöst werden?

Die bisherige digitale Realität lässt laut «The Wired» den Schluss zu, dass die Digitalisierung und die Automatisierung vieles verbessert, vereinfacht und demokratisiert haben: die Arbeitsprozesse, die Informationsbeschaffung sowie die Kommunikation zwischen Menschen. Zudem sind ganz viele neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle entstanden. Eine Welt ohne Smartphones und Online-Plattformen ist heute schlicht nicht mehr denkbar.

Wer kontrolliert die Daten, wer schützt die Menschen?

Allerdings sollte niemand die Kehrseite der Medaille ausseracht lassen. Die Silicon-Valley-Konzerne wehren sich gegen die Versuche der Regierung, den Datenfluss zu kontrollieren und einzuschränken. Das bewirke nichts Positives, sondern schränke die Freiheit ein. Welche Freiheit? Was bedeutet es für gerade diese, unsere Freiheit, wenn eine Handvoll Konzerne all diese Datensätze von Menschen und Organisationen und damit deren Erfahrungen, Geschichten und Geheimnisse aufbewahren und kontrollieren?

«The Wired» ist sich bewusst, dass es auf diese fundamentalen Fragen keine einfachen Antworten gibt. Daten zu sammeln, zu aggregieren und zu nutzen sei eine nicht-verhandelbare Voraussetzung für Firmen und für Menschen, die in einer zunehmend von Daten geprägten Realität lebten. Die Herausforderung liege darin, dass die Interessen der Grosskonzerne, die keine Non-Profit-Organisationen seien, in Bezug auf Freiheit, Datenschutz und Kontrolle nicht zwingend dieselben seien wie jene ihrer Kunden und der Gesellschaft.

Freiheit und Kontrolle in Einklang bringen
Die richtige Balance zu finden, ist für «The Wired» eines der grossen Themen unserer Zeit. Dieses sei vergleichbar mit der Auseinandersetzung um die Meinungsäusserungs- und die Redefreiheit. Wie weit darf man gehen? Wo gibt es Grenzen? Wie viel Kontrolle haben die Individuen über ihre persönlichen Daten? Wie ist diese in Einklang zu bringen mit den Bedürfnissen der Allgemeinheit, der Verwaltung und der Wirtschaft? Wo beginnt der Schutz des Individuums und der Privatsphäre? Wo hört sie auf?

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns in der gesellschaftspolitischen Diskussion nicht stark zu stark von Show, Nebenschauplätzen und «fake news» ablenken lassen und die grossen Themen nicht aus den Augen verlieren. Der Schutz der Privatsphäre und die Verteidigung der Freiheit auf allen Ebenen sind zwei dieser Themen.

Autor: Pascal Ihle