Wieso die Terrorangst mit dem Alter abnimmt

Viele junge Menschen haben Angst vor der Zukunft. Internationaler Terrorismus, Klimawandel und wirtschaftliche Instabilität werden als grösste Bedrohungen für Europa angesehen, wie eine Umfrage in Wales ergeben hat.


Erwachsene Europäer fürchten sich jüngsten Umfragen zufolge grossmehrheitlich vor dem internationalen Terrorismus. Das Resultat kann wenig erstaunen. Weniger bekannt ist, wovor junge Menschen in Europa am meisten Angst haben. Eine Erhebung in Wales hat kürzlich zu dieser Frage bemerkenswerte Zahlen zu Tage gefördert. Die Forschungsgruppe WISERD an der Universität in Cardiff fragte im vergangenen Jahr 700 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, was für sie die grösste Bedrohung für Europa darstelle. Die jungen Waliserinnen und Waliser konnten aus neun verschiedenen Themenbereichen auswählen:

•    Klimawandel
•    Wirtschaftliche Instabilität
•    Internationaler Terrorismus
•    Armut
•    Krieg
•    Energieknappheit
•    Bevölkerungswachstum
•    Verbreitung von Atomwaffen
•    Infektionskrankheiten

Die folgende Grafik zeigt die fünf meistgenannten Themen.

Was auffällt: Die Angst der jungen Waliserinnen und Waliser vor dem internationalen Terrorismus nimmt mit dem Erwachsenwerden ab. Während bei den 13- und 14-Jährigen satte 44 Prozent ihre Furcht vor Terroranschlägen zum Ausdruck bringen, fällt dieser Wert bei den 15- und 16-Jährigen auf 33 Prozent beziehungsweise bei den 17- und 18-Jährigen sogar unter 20 Prozent. Die Terrorangst wird bei der ältesten Gruppe von der wirtschaftlichen Instabilität verdrängt. Studienautorin Rhian Barrance führt diesen Fakt darauf zurück, dass die Themenbereiche Beschäftigung und Wirtschaft für designierte Schulabgänger doch zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Interessant ist auch, wie das Sorgenbarometer der jungen Waliserinnen und Waliser in Bezug auf den Klimawandel ansteigt. Gaben gerade mal 12 Prozent der 13- und 14-Jährigen respektive 11 Prozent der 15- und 16-Jährigen an, dass ihnen die Klimaerwärmung am meisten Sorgen bereitete, so schnellt dieser Wert bei den 17- und 18-Jährigen auf 18 Prozent in die Höhe. Die zunehmende Angst vor der Armut ist ebenfalls erwähnenswert: Der Wert erhöht sich im Laufe von vier Altersjahren um 10 Prozent. Abnehmend ist hingegen die Angst vor einem Krieg. Je älter die Befragten sind, desto weniger fürchten sie sich davor.

Der hohe Wert des internationalen Terrorismus bei der Umfrage könne einerseits mit dem Zeitpunkt der Erhebung in Zusammenhang gebracht werden, schreibt Barrance. Die Schüler seien im Frühling 2016 befragt worden, ein paar Monate nach den Terroranschlägen in Paris. Die Forscherin am Institut WISERD in Cardiff erwähnt in ihrem Artikel, dass der Terrorismus schon allein deswegen eine grössere Bedrohung darstelle, weil er personifiziert werden könne – ganz im Gegensatz zum weniger «greifbaren» Klimawandel. Barrance sinniert darüber, ob die globale Erwärmung den internationalen Terrorismus begünstige. Edward Miguel hat diesbezüglich eine dezidierte Meinung: In seiner Forschungsarbeit weist der Ökonom von der University of California in Berkeley darauf hin, dass gerade in Afrika der Link zwischen Klimawandel und Konflikten besonders ausgeprägt sei. Miguel sagt, dass das Einkommen vieler in der Landwirtschaft tätigen Afrikaner von den Wetterbedingungen abhängen würde. Bleiben die Landwirtschaftserträge aus, beginnt sich die Abwärtsspirale zu drehen. Wie dieses Szenario ausschauen könnte, beschrieb Miguel in der «Handelszeitung» unlängst wie folgt: Mehr ökonomische Unzufriedenheit, mehr Arbeitslosigkeit, der Wegfall von Steuereinnahmen beim Staat, weniger Leistungen für die Bevölkerung, soziale Spannungen, politische Unruhen.

Autor: Thomas Wälti
 


Terrorangst in der Schweiz nur an 6. Stelle

Die grössten Bedrohungen für die Schweizer Jugend stellen die Themenbereiche Flüchtlinge/Asyl, Ausländerinnen und Ausländer/Zuwanderung sowie AHV/Altersvorsorge dar. Zu diesem Schluss kommt das 7. Jugendbarometer 2016 der Grossbank Credit Suisse. Die Angst vor Terroranschlägen taucht in der helvetischen Sorgenrangliste auf Platz 6 auf – sie ist wie fast überall auf der Welt im Steigen begriffen. 2010 bezeichneten 13 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Terrorismus als grosses Problem, heute hält dieser Wert bei 23 Prozent. Für das CS-Jugendbarometer 2016 wurden jeweils rund 1000 16- bis 25-Jährige in den USA, Brasilien, Singapur und der Schweiz befragt. Die Umfrage wurde vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen April und Juni 2016 online durchgeführt. Die Jugendlichen mussten Fragen zu Themenblöcken wie Beruf/Karriere, Ziele/Träume, Finanzen, Sorgen, Zukunft, Mediennutzung, Cyber-Mobbing, Politik im Netz und Kommunikation beantworten. Für die Meinungsforscher ist die Konklusion klar: Die Jugend avanciert zur «Generation Stress».