Schweiz spielt touristisch in den Top Ten

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen – und womöglich bestätigen, dass Spanien das tourismusfreundlichste Land der Welt ist und man sich in Jemen, im Tschad und in Burundi am wenigsten willkommen fühlt. Zu diesem Schluss kommt das Weltwirtschaftsforum (WEF), das gerade ein Tourismus-Ranking veröffentlicht hat. Der alle zwei Jahre erhobene «Travel & Tourism Competitiveness Report» bietet eine Tour d’horizon durch 136 wettbewerbsfähige Länder. Sie wurden nach 14 verschiedenen Themenbereichen aus dem Tourismussektor bewertet. So unter anderem: Sicherheit, Preisniveau, Infrastruktur, Qualität der Hotels, Anpassung an das digitale Konsumverhalten, Hygiene und Gesundheit, kulturelles Angebot.

An der Spitze des Klassements liegen Titelverteidiger Spanien, Frankreich und Deutschland. Die Schweiz folgt auf Platz 10. Damit setzt sie ihren Sinkflug fort. 2011 und 2013 noch Siegerin der Wertung, verlor die Eidgenossenschaft im Vergleich zum Jahr 2015 (Platz 6) vier Ränge. Krass: Als Hochpreisinsel belegt die Schweiz in der Kategorie «preisliche Wettbewerbsfähigkeit» den 136. und letzten Platz. Am billigsten reisen kann man im Iran, in Ägypten und Malaysia. In der Kategorie «Umweltverträglichkeit» hingegen lässt die Schweiz alle 135 Konkurrenten hinter sich.

Schweiz Tourismus will nicht dramatisieren

«Klar hätte ich mir eine bessere Klassierung gewünscht. Die Schweiz ist aber in den Top-10, und das ist durchaus in Ordnung. Wir liegen noch vor unserem Mitbewerber Österreich (Platz 12, die Red.)», sagt Markus Berger, Kommunikationschef von Schweiz Tourismus. Den Sinkflug will der 52 Jahre alte Bündner nicht dramatisieren. Die Kriterien hätten sich im Vergleich zu den Jahren 2011 und 2013 zuungunsten der Schweiz verändert, meint Berger und nennt als Beispiele die zwei Unterkategorien «Artenvielfalt der Fauna» und «kulturelle Ressourcen».

«Es gibt in der Schweiz etwa 90 Säugetierarten. Andere Länder mit einer Vielzahl von Klimazonen sind uns in diesem Bereich natürlich deutlich überlegen. Auch haben wir in der Schweiz aufgrund unserer Grösse nur zwölf Standorte, die zum Welterbe der UNESCO gehören», relativiert Berger den kontinuierlichen Verlust von Rankingplätzen. Zum Vergleich: Italien (51), China (50) und Spanien (45) haben am meisten Welterbestätten. Die hohen Preise in der Schweiz führt Berger insbesondere auf die Freigabe des Euro-Franken-Kurses zurück. Wie kommt die Schweiz in der Kategorie «preisliche Wettbewerbsfähigkeit» aus dem Ranglistenkeller? «Das generell hohe Preisniveau können wir seitens Schweiz Tourismus nicht beeinflussen, wohl aber beispielsweise die Gebühren für Flug- und Bahntickets sowie Hotelübernachtungen. Diese sind seit 2011 zwischen 10 und 15 Prozent gesunken», sagt Berger.

Finnland ist das sicherste Land

Wegen der gestiegenen Angst vor Terrorismus dürfte dem Sicherheitsranking viel Beachtung geschenkt werden. Titelverteidiger Finnland untermauerte seine Position als sicherstes Land der Welt. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Vereinigten Arabischen Emirate und Island. Die Schweiz ist im 8. Rang klassiert (2015: Platz 11). Ebenfalls den Sprung in die Top-10 schaffte eher unerwartet der ostafrikanische Binnenstaat Ruanda. Erstaunlich sind die mediokren Rangierungen von Deutschland (Platz 51), Frankreich (67) und Italien (70). Als gefährlichste Länder bezeichnet die WEF-Studie El Salvador, Jemen und Kolumbien, das momentan ein begehrtes Reiseziel ist. Im Vergleich zum Jahr 2015 haben sich vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer stark verbessert. 12 der Top-15-Nationen gehören dieser Gruppe der Tourismusziele an, die sich am schnellsten gesteigert hat. Japan, Aserbaidschan und Tadschikistan belegen in dieser Erhebung die Plätze 1 bis 3.

Im Jahr 2016 steuerte die Reise- und Tourismusbranche 7,6 Billionen Franken an die Weltwirtschaft bei – das sind 10,2 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts. 292 Millionen Menschen – oder weltweit jeder 10. Arbeitnehmer – verdienen in diesem Umfeld ihren Lohn. Die Datenerhebung erfolgte mittels Befragung von Unternehmensführern, die in den jeweiligen Ländern arbeiten. In die WEF-Studie flossen ebenfalls Kennzahlen von internationalen Organisationen (Weltbank, UNESCO) sowie von Sicherheitsbehörden und Universitäten der entsprechenden Länder ein.

Autor: Thomas Wälti