Gross, grösser, Tokio

Megacities 2030 – sieben asiatische Millionenstädte in den Top Ten.

Tokio ist die grösste Stadt der Welt. Fast 38 Millionen Menschen leben heute im Ballungsraum der Hauptstadt Japans. 38 Millionen Menschen, das muss man sich einmal vorstellen: Die Schweizer Bevölkerung hätte im Tokioter Grossstadtdschungel 4½ Mal Platz. In Tokio, dessen Häusermeer sich über 400 Kilometer erstreckt, wohnen 91 Mal mehr Leute als in Zürich, 270 Mal mehr als in Bern. Indiens Hauptstadt Delhi (25 Millionen) und Chinas Wirtschaftsmetropole Shanghai (23 Millionen) belegen im Ranking der aktuell grössten Städte der Welt die Plätze 2 und 3.

An dieser Hierarchie werde bis ins Jahr 2030 nicht gerüttelt werden, prognostiziert eine Studie der Vereinten Nationen. In 13 Jahren sollen wiederum Tokio (37,2 Millionen Einwohner), Delhi (36,1 Mio.) und Shanghai (30,8 Mio.) die weltweit grössten Städte sein (siehe Grafik). Was auffällt: In den Top Ten figurieren sieben Metropolen aus Asien, aber keine einzige Stadt aus Europa und den USA.

Die Abwanderung in die Städte werde sich fortsetzen, so die UN-Prognose World & Urbanization Prospects 2014. Viele Menschen versprechen sich in den urbanen Zentren eine bessere wirtschaftliche und soziale Perspektive (Arbeitsplatz, medizinische Versorgung, Bildung). Lebten in den 1950er-Jahren noch mehr als zwei Drittel in ländlichen Regionen, ist diese Zahl inzwischen auf 54 Prozent gesunken. Die Forscher erwarten, dass 2050 zwei Drittel aller Menschen in Städten leben werden. Die Verstädterung werde besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern am markantesten voranschreiten. Es kann daher nicht erstaunen, dass die Anzahl der Megacities – eine Stadt mit mindestens 10 Millionen Einwohnern – kontinuierlich zunimmt. 1990 gab es 10 Megacities. 2014 verdreifachte sich diese Zahl beinahe (28). Es wird vermutet, dass im Jahr 2030 41 Städte mehr als 10 Millionen Einwohner aufweisen werden.

Am rasantesten wächst Nigerias Hauptstadt Lagos. 1990 lebten dort knapp fünf Millionen Menschen. Heute sind es rund 13 Millionen. 2030 sollen es über 24 Millionen sein, prognostizieren die Vereinten Nationen – also fünf Mal mehr als 1990. Laut einer Studie der Afrikanischen Entwicklungsbank zählt ein Drittel der afrikanischen Bevölkerung zur Mittelschicht, will heissen, das tägliche Einkommen beträgt zwischen 2 und knapp 20 Franken. Nigeria ist die bedeutendste Volkswirtschaft Afrikas. Das bevölkerungsreichste Land des Kontinents verfügt über die grössten Erdöl- und Erdgasvorkommen Afrikas. Auch der Banken- und Telekommunikationssektor hat zum Wachstum von Nigerias Mittelschicht beigetragen. Gemäss der Studie hat sich die afrikanische Mittelschicht in den vergangenen 30 Jahren von 100 Millionen auf mehr als 300 Millionen Menschen verdreifacht.

Gemäss Schätzungen des Global Cities Institute in Toronto werde Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, im Jahr 2075 die grösste Stadt der Welt sein. Für das Jahr 2100 wagen die kanadischen Forscher eine unfassbare Prognose: Lagos soll dannzumal 88 Millionen Einwohner aufweisen – mehr Menschen, als momentan in ganz Deutschland leben.

Autor: Thomas Wälti