Demokratie-Ranking: Nordländer top, USA flop

Imageverlust für die USA: Die Vereinigten Staaten von Amerika figurieren im weltweiten Demokratie-Ranking zum ersten Mal nicht mehr in der obersten Bewertungskategorie. Das hat die Auswertung des Londoner Forschungsinstituts Economist Intelligence Unit (EIU) für das Jahr 2016 ergeben. Das sinkende Vertrauen der Bevölkerung in die Landesregierung und in die öffentlichen Einrichtungen hätten zu diesem Abschneiden geführt, so die Studie.

Im Demokratie-Index der EIU werden jeweils fünf Aspekte bewertet: «Wahlverfahren und Pluralismus», «Arbeitsweise der Regierung», «politische Beteiligung», «politische Kultur» und «Bürgerrechte». Die insgesamt 167 bewerteten Länder bekamen insgesamt 60 Einzelnoten. Der Durchschnittswert der zusammengerechneten Noten entschied darüber, in welches der vier politischen Systeme «vollständige Demokratie», «beschädigte Demokratie», «Hybridregime» und «autoritäre Staaten» ein Land eingeteilt wurde.

Norwegen schnitt am besten ab, als einzige Nation holten die Skandinavier viermal die Maximalnote 10,00. Island (2.) und Schweden (3.) schafften ebenfalls den Sprung aufs Podest. Die Schweiz klassierte sich im weltweiten Demokratie-Vergleich mit 9,09 Punkten auf Platz 8 – eine blanke 10 verpasste Helvetia aber deutlich. Am besten eingeschätzt wird die Schweiz beim «Wahlverfahren und Pluralismus», eine ungenügende Note holte sie in der Kategorie «politische Beteiligung» – die tiefen 7,78 lassen sich womöglich mit dem politischen System erklären. Durch das Konkordanzprinzip sind grössere Machtwechsel in unserem Land wenig wahrscheinlich. Ausserdem ist die Stimmbeteiligung angesichts der zahlreichen Urnengänge in der Schweiz geringer als in anderen Demokratien. Seit 2010 hat die Schweiz stets 9,09 Punkte als Durchschnittswert geschafft. Die Zahl der «vollständigen Demokratien» sank im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr von 20 auf 19.

Nur 4,5 Prozent der Menschen in den untersuchten Ländern leben in einer vollständigen Demokratie – dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr (8,9 Prozent) beinahe halbiert. In 72 Ländern kam es gegenüber 2015 zu einer Verschlechterung der Demokratiewerte, 38 Nationen haben sich gesteigert. Die Brexit-Abstimmung in Grossbritannien war 2016 das grosse Wahlthema. 72 Prozent der wahlberechtigten Briten gingen an die Urne – 10 Prozent mehr als gewöhnlich.

Von den ehemaligen Ostblockstaaten holte Estland am meisten Punkte (Platz 29). Als einziger Staat Afrikas schaffte Mauritius (Platz 18) den Sprung in die Top-19 der «vollständigen Demokratien». Uruguay als bester Vertreter Südamerikas (Platz 19) verblüffte mit zwei Maximalnoten. Allerdings: Die Uruguayer wurden mit der tiefsten Note aller Top-19-Nationen in der Kategorie «politische Beteiligung» abgestraft (4,44). Japan als bestklassiertes Land aus Asien (Platz 20) hat es knapp verpasst, in die Beletage der Demokratien aufzusteigen. Tiefe 6,67 in der Kategorie «politische Beteiligung» haben ein besseres Abschneiden verhindert.

Nordkorea liegt abgeschlagen am Tabellenende (Platz 167). Der autoritärste Staat liess sich einen Durchschnittwert von gerademal 1,08 Punkten notieren. Syrien (Platz 166) schaffte es als einziges Land, gleich drei Mal die unterirdische Note 0,00 zu holen.

Autor: Thomas Wälti